Offener Brief 200 Prominente fordern sofortigen Stopp der Räumung von Lützerath

Katja Riemann, Peter Lohmeyer, Igor Levit und Judith Holofernes: Mehr als 200 Prominente setzen sich für den Erhalt des Dorfes Lützerath ein. Sie fordern eine Neubewertung der Verträge zwischen Regierung und RWE.
Schauspielerin Gaffron, Pianist Levit, Sängerin Holofernes: Protest gegen Räumung von Lützerath

Schauspielerin Gaffron, Pianist Levit, Sängerin Holofernes: Protest gegen Räumung von Lützerath

[M] DER SPIEGEL; Fotos: Christoph Soeder / picture alliance / dpa ; Frederic Kern / Future Image / IMAGO ; Hannelore Förster / IMAGO

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An diesem Vormittag hat die Räumung des nordrhein-westfälischen Dorfes Lützerath begonnen, das für den Braunkohletagebau des Energiekonzerns RWE weichen soll. In einem offenen Brief, der dem SPIEGEL vorliegt, fordern mehr als 200 Prominente »einen sofortigen Stopp der Räumungsarbeiten sowie eine Neubewertung der Verträge zwischen Regierung und RWE«.

Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern gehören die Schauspielerinnen Katja Riemann, Thelma Buabeng, Pheline Roggan (»Jerks«) und Sandra Hüller (»Toni Erdmann«), die Schauspieler Peter Lohmeyer und Robert Stadlober, die Bands Sportfreunde Stiller, Deichkind und Revolverheld, Pianist Igor Levit, Influencerin Louisa Dellert und Autor Sebastian 23. Initiiert wurde die Aktion von Schauspielerin Luisa-Céline Gaffron und Schauspieler Jonathan Berlin.

Mitinitiator Berlin: »Ich hoffe, dass die Politiker:innen diesen Brief lesen werden«

Mitinitiator Berlin: »Ich hoffe, dass die Politiker:innen diesen Brief lesen werden«

Foto: Frederic Kern / Future Image / IMAGO

Die Unterzeichner stellten sich »solidarisch an die Seite der Klimaprotestierenden in Lützerath«, heißt es in dem Schreiben, das sich an die Bundesregierung, die Landesregierung NRW sowie die Mitglieder von Bundes- und Landtag richtet. Das »Abbaggern der Kohle von Lützerath« sei »nicht nur eine Frage der Existenz eines Dorfes, sondern eine Causa, die von globaler und klimapolitisch richtungsweisender Bedeutung ist«. Die Klimakrise verursache laut Umfragen von Ende 2022 »die größten Sorgen unter den Bürger*innen dieses Landes«, so die Unterzeichner weiter. »Nehmen Sie, die demokratisch gewählten Vertreter*innen, diese Sorgen ernst, ist die Abwägung im Falle von Lützerath eindeutig.«

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Die Idee für den offenen Brief sei am vergangenen Donnerstag entstanden, sagt Initiatorin Gaffron – »als klar war, dass die Räumung näher rückt«. Sie selbst war am Wochenende in Lützerath. Auf ihrem Instagram-Account verbreitete sie ein Video ihres Besuchs. Gaffron, 29, sagt, sie sei »bestürzt über den Hass, der mir danach entgegenschlug. Da kriege ich Angst«. Sie würde sich wünschen, »dass alle Kritiker*innen aus den Kommentarspalten mal einen Tag in Lützerath verbringen und die enorme Solidarität der Menschen dort erleben«. Wissenschaftlern zufolge gebe es jetzt noch »die realistische Möglichkeit, das Ruder klimaschutztechnisch rumzureißen«, so Gaffron. »Es wäre toll, wenn sich alle darauf fokussieren könnten.«

Co-Initiator Berlin, 29, hatte bereits 2019 eine Bundestagspetition auf den Weg gebracht, die von der Regierung mehr Einsatz für den Klimaschutz forderte. In dieser Woche will er nach Lützerath fahren, um die Proteste zu unterstützen. »Ich hoffe, dass die Politiker:innen diesen Brief lesen werden und sich dazu verhalten«, sagt er. »Ich wünsche mir, dass durch unsere Aktion eine produktive Debatte entsteht, dass die nächsten Tage friedlich verlaufen werden und die Lage nicht eskaliert.«

Schauspielerin Riemann: »Wir Unterzeichnenden stehen an der Seite der vor Ort Protestierenden«

Schauspielerin Riemann: »Wir Unterzeichnenden stehen an der Seite der vor Ort Protestierenden«

Foto: Klaus W. Schmidt / Bonnfilm / IMAGO

Schauspielerin Riemann begründet ihr Engagement für Lützerath dem SPIEGEL gegenüber so: »Es scheint, als würde sich die Gesellschaft spalten, in die, die etwas machen, und jene, die das hassen. Und die überwiegende Mehrheit entzieht sich. Hassen ist leicht, zerstören auch. Etwas schaffen oder kreieren, mit Offenheit und Freundlichkeit und Wissen sein Leben zu verbringen, mit der Opposition in Verhandlung und Austausch zu treten, ist wahrscheinlich die Herausforderung.« Die Frage, zu welcher Gruppe man am Ende gehören wolle, habe sie »vor langer Zeit für mich beantwortet«, so Riemann. »Wir Unterzeichnenden stehen an der Seite der vor Ort Protestierenden, auch wenn wir nicht vor Ort sind.«

Was aktuell in Lützerath geschieht, können Sie hier im Update verfolgen.

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