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20. März 2015, 12:06 Uhr

Vereiste Sensoren

Computerpanne schickte Lufthansa-Airbus in den Sturzflug

Die Maschine rauschte mit 1000 Metern pro Minute in die Tiefe: Irregeleitete Bordcomputer haben nach SPIEGEL-Informationen einen Lufthansa-Airbus in einen steilen Sinkflug gezwungen. Nur dank der Piloten konnte das Flugzeug wieder unter Kontrolle gebracht werden.

Beinahe wäre ein Airbus A321 der Lufthansa mit 109 Passagieren auf dem Flug von Bilbao nach München abgestürzt – irregeleitete Bordcomputer hatten die Kontrolle übernommen.

Auslöser des Zwischenfalls am 5. November letzten Jahres waren Sensoren, die während des Steigflugs nach dem Start vereisten und das Computersystem des Flugzeugs mit falschen Daten fütterten. Daraufhin leiteten die Rechner einen steilen Sinkflug ein; die Maschine rauschte mit 1000 Metern pro Minute in die Tiefe. Minutenlang konnten die Piloten den Absturz mit eigenen Steuerimpulsen nicht stoppen. Erst durch Abschalten der Bordcomputer gelang es der Crew, das Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bekommen und sicher in München zu landen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

"Zum Glück kannte sich der Kapitän in der komplexen Systemarchitektur aus", sagte der Informatiker Peter Ladkin von der Universität Bielefeld dem SPIEGEL: "Weniger geschulte Piloten wären auf diese Idee vermutlich nicht gekommen."

Nach Informationen des SPIEGEL gibt es allein bei der Lufthansa mehr als ein Dutzend Fälle von vereisten oder blockierten Sensoren. Airbus hat Lufthansa den Austausch der Instrumente gegen die eines anderen Herstellers angeboten. Allerdings scheinen diese Sensoren ähnlich anfällig zu sein. Dem Beinahe-Absturz des Fluges LH 1829 von Bilbao nach München widmet sich jetzt ein Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig, der in diesen Tagen erscheint.

Airbus hat die Software für die Flugcomputer aktualisiert und eine Notanweisung an Piloten und Wartungspersonal herausgegeben. Die Aufsichtsbehörden seien mit den Maßnahmen einverstanden, erklärte der Konzern gegenüber dem SPIEGEL.

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