Lungenkrankheit Ein Infizierter kann bis zu 40 Menschen anstecken

Die Zahl der an der gefährlichen Lungenkrankheit SARS erkrankten Menschen steigt weiter an: Aus Hongkong wurden 60 neue Fälle gemeldet - etliche der Infizierten sollen sich in der Nachbarschaft angesteckt haben.


Straßenszene in Hongkong: Mundschutz gegen das Killervirus
AFP

Straßenszene in Hongkong: Mundschutz gegen das Killervirus

Hongkong – Mit wachsender Sorge beobachtet die Weltgesundheitsorganisation die steigende Zahl an SARS-Erkrankungen. Bislang sollen mehr als 1600 Menschen an der Lungenkrankheit erkrankt sein. In Hongkong und Singapur gab es am Sonntag je einen weiteren Todesfall. Damit starben weltweit bisher mindestens 57 Menschen an der Krankheit, darunter auch der WHO-Arzt, der SARS entdeckt hatte.

In Singapur erklärte Gesundheitsminister Lim Hng Kiang, die Krankheit sei ansteckender als bislang angenommen. Ein Erkrankter könne 30 bis 40 Personen anstecken. Das US-Zentrum für Seuchenkontrolle deutete an, es sei derzeit besser, auf nicht unbedingt notwendige Reisen nach China, Hongkong, Singapur und Hanoi zu verzichten. Alle bislang gegen die Krankheit getesteten Medikamente seien unwirksam.

In Hongkong erlag am Vormittag eine 74 Jahre alte Frau der Erkrankung, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Die Zahl der dortigen Todesfälle stieg damit auf 13. Die Behörden meldeten 60 neue Patienten, von denen die Hälfte aus einer Wohnanlage in Kowloon Bay stammte. Gesundheitsdezernentin Margaret Chan sprach von einer beunruhigenden Entwicklung, für die es keine Erklärung gebe. In Singapur erhöhte sich die Zahl der Toten auf drei.

Allein aus Hongkong wurden bislang 530 SARS-Fälle gemeldet. Damit ist die ehemalige britische Kolonie nach China am schwersten betroffen. In China erkrankten rund 800 Menschen, 34 starben.

Banken, Geschäfte und Schulen in Hongkong wurden geschlossen. Viele öffentliche Veranstaltungen wurden abgesagt oder verzeichneten wie das ansonsten beliebte Pferderennen in der Vorstadt Shatin nur äußerst geringe Teilnehmerzahlen. Mehr als 1000 Hongkonger wurden unter Quarantäne gestellt, viele Einwohner gehen nur noch mit Atemschutzmasken durch die Stadt. Die Gesundheitsbehörden suchten nach 238 Passagieren und Besatzungsmitgliedern eines Flugzeugs, das vergangene Woche mit einem erkrankten Passagier an Bord nach Peking flog.

Singapur meldete am Samstag drei neue Infektionsfälle und verdoppelte die Zahl der Personen unter Quarantäne auf 1500. Die Behörden versuchten, 18 Passagiere eines Fluges aus China zu kontaktieren, die sich womöglich infiziert haben. Taiwan verzeichnete zwei neue Fälle, damit stieg die Zahl der SARS-Kranken auf zwölf. Am internationalen Flughafen wurden 100.000 Atemschutzmasken verteilt.

In den Vereinigten Staaten gibt es mittlerweile 59 SARS-Verdachtsfälle, in Kanada 37. Dort starben drei Menschen an der Krankheit. Zwei Krankenhäuser im Raum Toronto, die SARS-Patienten behandelt haben, wurden für die Öffentlichkeit geschlossen.

Entwarnung gab es indes in Deutschland, zwei Verdachtsfälle in Köln bestätigten sich am Samstag nicht. Sowohl ein 29 Jahre alter Thailänder als auch ein 35 Jahre alter Japaner seien auf dem Weg der Besserung.

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