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VERHALTEN Lust auf Verbotenes

aus DER SPIEGEL 52/2002

Baden verboten! Picknicken verboten! Derlei Schilder, weiß der Sozialpsychologe Robert Cialdini, scheinen zwar das einfachste Mittel zu sein, um menschliches Verhalten zu kontrollieren - aber sie bewirken oft das genaue Gegenteil. Cialdini, Professor an der Arizona State University in Phoenix, hat jetzt eine Feldstudie abgeschlossen, die seine These beweisen soll. Hintergrund: Im »Petrified Forest National Park«, 200 Kilometer südöstlich des Grand Canyon, beliebt bei Ausflüglern wegen der vielen Holzversteinerungen, versuchten die Parkwächter seit Jahren, den Steine-Klau mit Verbotsschildern zu stoppen - ohne Erfolg. Cialdini experimentierte über Monate mit verschiedenen Verbotsvarianten, dazu legte er Versteinerungen als Köder aus. Ergebnis: Eine Aufschrift wie »Nehmen Sie keine Versteinerungen mit!« wirkte etwa dreimal so aufreizend auf potenzielle Diebe wie gar kein Schild. »Ein solches Verbot«, so Cialdini, »macht Menschen neugierig, außerdem signalisiert es einen Trend - wenn offenbar alle klauen, will niemand verzichten.« Am wirksamsten funktionierten die Schilder, die eine individuelle und isolierende Ansprache enthielten: »Wenn Sie auch nur einen Stein stehlen, schädigen Sie diesen Park nachhaltig!«

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