Rekordhitze in Kanada Feuerinferno in Lytton – ein ganzes Dorf ist weg

Innerhalb weniger Stunden zerstörte ein Lauffeuer den kleinen Ort Lytton im Westen Kanadas. Nach Rekordtemperaturen von bis zu 49,6 Grad Celsius konnten sich die Flammen schnell ausbreiten.
Ein Feuer zerstört den Ort Lytton

Ein Feuer zerstört den Ort Lytton

Foto: 2 RIVERS REMIX SOCIETY / REUTERS

Lytton gibt es nicht mehr. Nach mehreren Tagen mit Rekordtemperaturen von bis zu 49,6 Grad Celsius war ein Feuer in dem Ort in der kanadischen Provinz British Columbia ausgebrochen. Es breitete sich in rascher Geschwindigkeit aus und zerstörte innerhalb weniger Stunden ein Haus nach dem anderen.

Mehr als 1000 Menschen mussten die Region in kürzester Zeit verlassen, wie der kanadische Sender CBC berichtet.  In einem Video sind Feuerwände und dicke Rauchschwaden in dem Ort zu sehen. Viele Einwohner fürchten um ihre Angehörigen.

»90 Prozent des Dorfes sind verbrannt, einschließlich des Ortskerns«, sagte der Abgeordnete Brad Vis am Donnerstag. Die 250 Bewohner des Dorfes, das 250 Kilometer nordöstlich von Vancouver liegt, wurden am Mittwochabend vor den Flammen in Sicherheit gebracht. Am Dienstag hatten die Thermometer in Lytton 49,6 Grad Celsius angezeigt.

»Unsere arme kleine Stadt Lytton ist weg«, postete Edith Loring-Kuhanga, eine Einwohnerin Lyttons, auf Facebook. »Es ist verheerend – wir stehen alle unter Schock!« Die Menschen hätten weder Strom noch Internet gehabt, jeder habe versucht, andere zu erreichen. Die Mitglieder der Gemeinde hätten alles verloren.

Sowohl in Kanada als auch in den USA sind wegen der Hitze mehrere Waldbrände ausgebrochen. Allein in der kanadischen Provinz British Columbia wurden binnen 24 Stunden 62 neue Brände entdeckt, wie Provinzregierungschef John Horgan sagte. Fast überall in British Columbia gelte die allerhöchste Waldbrandgefahr. Mehrere Feuer loderten auch nördlich der Stadt Kamloops, die rund 150 Kilometer nordöstlich von Lytton liegt.

Die Hitzewarnung wurde inzwischen auch auf die Provinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba, Teile der Nordwest-Territorien und das nördliche Ontario ausgeweitet.

Die anhaltende Hitzewelle im Westen Kanadas hat nach Angaben der Behörden bereits zu Hunderten Todesfällen geführt. Von Freitag bis Mittwoch waren in British Columbia 486 unerwartete Todesfälle gemeldet worden, teilte die Gerichtsmedizin der Provinz mit. Diese Zahl werde vermutlich noch steigen. Sie liege 195 Prozent über dem üblichen Durchschnitt eines vergleichbaren Zeitraums. Die Behörde geht davon aus, dass der starke Anstieg mit der extremen Hitze zusammenhängt.

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Für die extremen Temperaturen ist eine »Hitzekuppel« verantwortlich, ein Phänomen, bei dem der Hochdruck in der Atmosphäre die heiße Luft in der Region festhält. Laut den Wetterexperten der »Washington Post« ist die Intensität dieser Hitzekuppel »statistisch gesehen so selten, dass sie im Durchschnitt nur einmal alle paar Tausend Jahre zu erwarten« sei. Der vom Menschen verursachte Klimawandel habe »diese Art von außergewöhnlichen Ereignissen wahrscheinlicher gemacht«.

kha/AFP
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