Busunglück auf Madeira Die Fahrt endete nach 250 Metern

Bei dem Unfall eines Reisebusses auf Madeira starben mindestens 29 Menschen, vermutlich Deutsche. Noch immer sind viele Fragen offen. Berlin erwägt, ein Versorgungsflugzeug der Luftwaffe zu entsenden.

Rui Silva/ Aspress/ Global Imagens/ DPA

Sie wollten zu einem Abendessen. Mehr als 50 Menschen stiegen am Mittwochabend vor einem Hotel auf der Ferieninsel Madeira in einen Bus. Sie kamen nicht weit, nur etwa 250 Meter.

Dann kam das Fahrzeug in einer Kurve von der Straße ab. Der Bus stürzte eine Böschung herunter, überschlug sich, krachte in ein Haus und blieb liegen. Der Unfall ereignete sich gegen 18.30 Uhr in dem östlich von Funchal gelegenen Caniço. Funchal ist die Hauptstadt Madeiras.

Die Menschen seien "durch die Fenster geflogen" wird eine Zeugin später im portugiesischen Fernsehen sagen. Mindestens 29 Menschen starben, vermutlich Deutsche. 27 weitere Menschen wurden verletzt.

Am Tag nach dem Unglück ist das Wrack abtransportiert worden. Eine Lücke klafft in dem Haus, das den Absturz des Fahrzeugs stoppte. Viele Fragen sind offen: vor allem über die Unfallursache - und die Identität der Opfer.

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Unfall auf Madeira: Das Unglück von Caniço

Im Laufe des Tages verdichteten sich die Hinweise, dass es sich bei den Opfern vor allem um Deutsche handelt. Laut der Deutschen Presse-Agentur sind unter den 29 Toten wahrscheinlich 27 Deutsche. Der Reiseveranstalters Trendtours teilte mit, 51 seiner Gäste seien an Bord des Unglücksbusses gewesen. Schauinsland-Reisen meldete, zwei seiner Gäste hätten im Bus gesessen.

In einem Bericht des WDR heißt es, ein Großteil der Opfer komme aus Nordrhein-Westfalen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, man müsse davon ausgehen, dass auch Menschen aus NRW zu Schaden gekommen seien. Wenige Stunden nach dem Unglück hatte der portugiesische Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa gesagt, nach seinen Informationen handele es sich bei allen Toten um Deutsche.

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Die Bundesregierung macht dazu bisher keine genauen Angaben. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte kurz nach dem Unglück lediglich mitgeteilt: "Wir müssen davon ausgehen, dass unter den Opfern viele Deutsche sind". Er brach noch am Donnerstag mit einem Team von Ärzten, Psychologen und Konsularbeamten des Auswärtigen Amts nach Madeira auf.

Vor Ort besuchte er die Unglücksstelle und bedankte sich bei den portugiesischen Behörden für die "großartige Zusammenarbeit in einer ganz schwierigen Zeit". Die Bundesregierung arbeite "mit Hochdruck" daran, die transportfähigen Verletzten nach Hause zu bringen, die Todesopfer zu identifizieren und die Angehörigen zu informieren, sagte Maas weiter.

Außenminister Heiko Maas (3.v.r.) und sein portugiesischer Amtskollege Augusto Santos Silva gedenken der Opfer
Rafael Marchante / Reuters

Außenminister Heiko Maas (3.v.r.) und sein portugiesischer Amtskollege Augusto Santos Silva gedenken der Opfer

Kanzleramtsminister Helge Braun sagte, man wolle aus Respekt zuerst die Angehörigen informieren. Man prüfe, ein Rettungsflugzeug der Luftwaffe einzusetzen. Ein "MedEvac"-Airbus sei bereitgestellt. "Wenn es sinnvoll ist und möglich ist, Verletzte mit ihm hierher zu transportieren, dann werden wir ihn zum Einsatz bringen", sagte Braun.

Über die Ursache des Unglücks gibt es bisher nur Spekulationen. Medienberichten zufolge könnte ein mechanisches Problem der Grund gewesen sein - entweder ein Bremsausfall oder ein eingeklemmtes Gaspedal. Der verunglückte Bus war jedoch erst fünf bis sechs Jahre alt, der Mann am Steuer galt als erfahren. Der Vizepräsident der Regionalregierung, Pedro Calado, nannte jegliche Mutmaßungen zu der Unglücksursache "verfrüht".

Die portugiesische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer bis einschließlich Samstag an. Ministerpräsident António Costa kondolierte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er sei bestürzt und übermittle der Kanzlerin "in dieser schweren Stunde" sein Bedauern.

jpz/dpa/AFP

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