Busunglück auf Madeira Überlebende sollen nach Deutschland gebracht werden

Nach dem schweren Busunglück auf Madeira bemüht sich die Bundesregierung um den Rücktransport der verletzten Deutschen. Eine Evakuierungsmaschine der Bundeswehr könnte die Ersten von ihnen bereits heute zurückholen.

MedEvac-Airbus der Luftwaffe auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel (Archiv)
Daniel Naupold/ DPA

MedEvac-Airbus der Luftwaffe auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel (Archiv)


Ärzte und Psychologen aus Deutschland sind bereits auf Madeira und kümmern sich um die Verletzten, die das schwere Busunglück überlebten. Konsularbeamte des Auswärtigen Amtes organisieren die Rückholung.

Ihr jeweiliger Zustand ist maßgeblich dafür, ob und wann sie transportfähig sind. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, soll am Freitag eine Evakuierungsmaschine der Bundeswehr auf Madeira landen.

Bei dem Unfall am Mittwochabend waren nach portugiesischen Angaben 29 Menschen getötet und 27 verletzt worden. Die Urlauber wollten am Mittwoch vom Hotel Quinta Splendida im östlich der Inselhauptstadt gelegenen Ort Caniço zu einem traditionellen Abendessen nach Funchal fahren. Ihr Bus fuhr eine leicht abschüssige Straße hinunter und bog dann links ab. In der Kurve kam er - nur rund 250 Meter vom Hotel entfernt - von der Fahrbahn ab. Der Bus stürzte mehrere Meter tief und schlug in ein Haus ein.

Laut ersten Medienberichten waren alle Todesopfer Deutsche. Am Donnerstag hieß es aber von den Behörden, die Identifizierung sei noch nicht abgeschlossen. Die Unfallursache war noch unbekannt. Es gibt bisher nur Spekulationen.

Ein mechanisches Problem könnte der Grund gewesen sein - entweder ein Bremsausfall oder ein eingeklemmtes Gaspedal. Der verunglückte Bus war jedoch erst fünf bis sechs Jahre alt, der Mann am Steuer galt als erfahren. Der Vizepräsident der Regionalregierung, Pedro Calado, nannte jegliche Mutmaßungen zu der Unglücksursache "verfrüht".

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Unfall auf Madeira: Das Unglück von Caniço

Die Bundesregierung hat noch keine Angaben über die Zahl der ums Leben gekommenen Deutschen gemacht. Kanzleramtschef Helge Braun begründete das damit, dass zunächst die Angehörigen informiert würden. "Die Bundesregierung unternimmt nun alles, um dafür zu sorgen, dass schnell Gewissheit für die Angehörigen herrscht", sagte er in Berlin. Es sei "eine Reisegruppe von vorwiegend deutschen Urlaubern" betroffen.

MedEvac-Airbus steht zur Rückholung bereit

Es gebe laut Braun "intensive Gespräche" mit den portugiesischen Behörden über eine Rückholung der verletzten Deutschen. Ein MedEvac-Airbus (Medical Evacuation) der Luftwaffe stehe dafür bereit.

Insgesamt vier Maschinen vom Typ Airbus 310 der Flugbereitschaft der Bundeswehr können zu fliegenden Krankenhäusern umgebaut werden, um Verletzte von überall aus der Welt nach Deutschland zu bringen. Die Luftwaffenjets bieten dann Platz für bis zu sechs Intensivversorgungsmodule und bis zu 38 Liegeplätze für weniger schwer Verletzte oder aber maximal 56 Liegeplätze. Die genaue Aufteilung kann je nach medizinischen Erfordernissen variiert werden.

Bis zu 25 Ärzte, Intensivpfleger und Rettungsassistenten kümmern sich um die Patienten, die Ausstattung der sogenannten MedEvac-Flugzeuge entspricht der von Kliniken. Außer Systemen zur Beatmung, zur Überwachung von Kreislauffunktionen und zur Verabreichung von Infusionen befinden sich auch ein tragbares Ultraschallgerät, ein Apparat zur Blutgasanalyse sowie spezielle Heizdeckensysteme an Bord.

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Ein A310 steht ständig auf dem Flughafen Köln-Bonn bereit, um zu Rettungsmissionen zu starten. Ohne Nachtanken können die Maschinen bis zu 11.000 Kilometer fliegen. Nach einer Alarmierung werden etwa drei Stunden benötigt, um den Flug vorzubereiten und das speziell geschulte Personal aus dem gesamten Bundesgebiet zusammenzuholen.

Kanzlerin Angela Merkel erklärte am Donnerstag, sie denke mit Trauer und Bestürzung an "unsere Landsleute und alle Menschen, die von dem fürchterlichen Busunglück auf Madeira betroffen sind". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa und Regierungschef António Costa bekundeten ebenfalls ihre Anteilnahme.

jus/dpa

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