Mafiaaktion enthüllt CIA-Geheimakten bestätigen US-Mordplan gegen Castro

Der US-Geheimdienst öffnet seinen Giftschrank - und heraus schwappt Niederträchtiges: Heikle Dokumente beweisen nun, welch illegaler Methoden sich CIA-Agenten im Kalten Krieg bedienten. Auch ein Mafia-Mordplan gegen Fidel Castro wird belegt.

Washington - "Family jewels" heißen die brisanten Akten im ironischen Geheimdienst-Sprech der Central Intelligence Agency (CIA). Und wie besonders kostbare Schmuckstücke wurden die staubigen Unterlagen lange Zeit auch behandelt. Man verwahrte sie an einem ebenso sicheren wie geheimen Ort. Jetzt allerdings hat sich die neue CIA-Führung um Direktor Michael Hayden dazu entschieden, mit der lang gehegten Tradition des Schweigens zu brechen. Heute wurden Hunderte brisante Seiten veröffentlicht.

Die Dokumente belegen unter anderem Pläne des US-Geheimdienstes aus den sechziger Jahren, den kubanischen Regierungschef Fidel Castro zu ermorden. Das Attentat, mit dessen Ausführung man die Mafia beauftragen wollte, sollte wie ein Gangster-Überfall aussehen.

Den Unterlagen zufolge versuchte die CIA, den mutmaßlichen Mafioso Johnny Roselli für einen Anschlag zu gewinnen. Dazu traf sich der CIA-Agent Richard Bissell im August 1960 mit einem hochrangigen Beamten aus dem Handelsministerium. Der Spion wollte herausfinden, ob sein Gesprächspartner "über Aktivposten verfügt, die in einer delikaten, Gangster-typischen Mission helfen könnten" - so steht es in den Unterlagen. "Ziel der Mission war Fidel Castro."

Die brisanten Akten belegen unter anderem auch Drogenexperimente des Geheimdienstes an nichtsahnenden US-Bürgern - und illegale Abhöraktionen gegen Journalisten, Gewerkschafter und Politiker im Inland.

Der Großteil stammt aus den Erinnerungen früherer Agenten. Diese hatten 1973 verschiedenen Untersuchungsausschüssen Rechenschaft ablegen müssen. Aus der jahrelangen Arbeit der Kommissionen entstanden schließlich neue Vorgaben für die CIA, andere Geheimdienste und die Bundespolizei FBI.

Tief in den Watergate-Skandal verstrickt

Die Unterlagen waren ein Produkt der Watergate-Affäre. Der damalige CIA-Direktor James Schlesinger reagierte ausgesprochen verärgert, als er seinerzeit in den Zeitungen lesen musste, dass die CIA ihren Ex-Agenten E. Howard Hunt und James McCord Unterstützung gewährt hatte. Das Duo war tief in den Watergate-Skandal verstrickt, der schließlich zum Rücktritt des Präsidenten Richard Nixon führte.

CIA-Direktor Schlesinger wies im Mai 1973 alle Abteilungsleiter an, ihm unverzüglich sämtliche gegenwärtigen oder vergangenen Operationen mitzuteilen, "die als außerhalb der rechtlichen Vorgaben der Agency angesehen werden könnten". 693 Seiten erreichten den obersten Agenten schließlich - der zu diesem Zeitpunkt allerdings schon nicht mehr Schlesinger, sondern William Colby hieß. Schlesinger war ins Verteidigungsministerium gewechselt. Colby gab die brisanten Erkenntnisse an das Justizministerium weiter.

"Die Spitzenleute der CIA gingen damals zur Beichte und sagten: 'Vergib mir, Vater, ich habe gesündigt'", sagte heute der sichtlich zufriedene Thomas Blanton, Direktor des Nationalen Sicherheitsarchivs, der die Unterlagen auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes angefordert hatte.

CIA-Chef Colby hatte übrigens noch einen anderen Namen für die Geheimakten. Er nannte sie intern: "die Leichen".

jdl/AP/Reuters

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