Passagiere von Flug MH370 Chinesische Angehörige drohen mit Hungerstreik

Die Angehörigen der Passagiere von Flug MH370 verlieren die Geduld. Seit eineinhalb Wochen warten sie auf Nachricht, doch es gibt noch immer keine Spur von dem verschollenen Jet. Die Familien machen die malaysische Regierung verantwortlich, werfen ihr Lügen und Verschleierung vor.

REUTERS

Peking - Jeder Tag der Suche nach Flug MH370 steigert die Verzweiflung: Eineinhalb Wochen nach dem Verschwinden der Malaysia-Boeing 777 drohen Verwandte von chinesischen Passagieren des verschollenen Flugzeugs mit Hungerstreik - aus Protest gegen die malaysische Informationspolitik zu dem mysteriösen Vorfall.

Ein Sprecher der Angehörigen kritisierte, dass es zehn Tage nach dem Verschwinden der Passagiermaschine immer noch keine Spur von deren Verbleib gebe. Die Betroffenen würden nun zur malaysischen Botschaft in Peking gehen, "um den Botschafter zu finden", sagte der 63-jährige Wen Wancheng nach einem Treffen zwischen Vertretern von Malaysia Airlines und Angehörigen in einem Pekinger Hotel. "Bringt unsere Verwandten zurück", hatte eine Frau auf ein Plakat geschrieben. "Wir brauchen die Wahrheit."

In Peking hatten zuletzt viele Angehörige die Befürchtung geäußert, die Behörden in Kuala Lumpur hielten entscheidende Informationen bewusst zurück. "Die verschweigen etwas! Die lügen!", sagte eine Betroffene bereits am Wochenende. "Die Informationen aus Malaysia sind nichts wert", klagte eine andere. So oft hätten sich die Regierungsvertreter schon gegenseitig widersprochen. Malaysia habe jegliches Vertrauen verspielt.

Fotostrecke

21  Bilder
Verschollene Boeing: Schwierige Suche nach Flug MH370
Ministerpräsident Li Keqiang machte in einem Telefongespräch mit seinem malaysischen Amtskollegen Najib Razak Druck. Malaysias Regierung wehrt sich gegen die Kritik und argumentiert, es wäre unverantwortlich, Informationen herauszugeben, die nicht verifiziert seien. Man arbeite eng mit anderen Ländern - insbesondere mit China und den USA - zusammen, sagte Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein.

SPIEGEL ONLINE
Die Boeing 777 war am 8. März nach dem Start in Kuala Lumpur auf dem Weg nach Peking von den Radarschirmen verschwunden. Das Schicksal der 239 Menschen an Bord, von denen rund zwei Drittel Chinesen sind, ist vollkommen ungewiss. 26 Länder beteiligen sich an der Suche nach dem Flugzeug, ebenso die Nasa.

Die Behörden vermuten nach Auswertung von Radar- und Satellitendaten, dass Flug MH370 von seinem planmäßigen Kurs über das Südchinesische Meer abwich, über die malaysische Halbinsel flog und weiter in nordwestlicher Richtung auf die Andamanensee zusteuerte. Die malaysische Regierung beschrieb zwei mögliche Flugkorridore des Passagierjets, die sich von Kasachstan bis zum südlichen Indischen Ozean erstrecken.

Mysteriöser Kurswechsel offenbar manuell eingegeben

China hat inzwischen im nördlichen Korridor auf seinem Staatsgebiet die Suche aufgenommen. Das Außenministerium erklärte, es würden 21 Satelliten bei der Suchaktion eingesetzt. Australische Behörden grenzten die Suche entlang der möglichen südlichen Flugroute inzwischen auf ein 600.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Indischen Ozean ein.

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf anonyme Behördenvertreter, der mysteriöse Kurswechsel von Flug MH370 sei manuell in das computergesteuerte Navigationssystem eingegeben worden - vermutlich von jemandem im Cockpit. Das passe zu der sich verstärkenden Annahme unter Ermittlern, dass das Flugzeug bewusst umgesteuert wurde.

Wann die Umprogrammierung erfolgte, ob vor oder nach dem Start, ist der Zeitung zufolge nicht klar. Der zwischen Pilot und Co-Pilot befindliche Computer, das sogenannte Flight Management System, steuert das Flugzeug von Punkt zu Punkt entsprechend dem vorher festgelegten Flugplan. Das letzte Lebenszeichen von Flug MH370 gab es in Form eines "Pings" sieben Stunden und 31 Minuten nach dem Start der Maschine. Von wo genau die letzten Daten gesendet wurden, ist unklar.

Zuletzt waren die beiden Piloten immer stärker in den Fokus der Ermittler gerückt. Am Montag hatte Malaysia Airlines mitgeteilt, die letzten Worte aus dem Cockpit seien vom Co-Piloten Fariq Abdul Hamid gekommen. Sie wurden übermittelt, nachdem das Kommunikationssystem ACARS manuell abgeschaltet worden war. Zwei Minuten nach den Worten des Co-Piloten wurde auch der Transponder ausgeschaltet, der automatisch Daten an die Flugkontrolle überträgt. Danach verschwand die Maschine von den zivilen Radarschirmen.

DER SPIEGEL

wit/AFP/Reuters/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.