Brand auf Mallorca »In der Lobby saßen die 13 jungen Männer und schauten auf den Boden«

Nach einem Feuer auf Mallorca sitzen 13 Kegelbrüder in Untersuchungshaft. Ihnen wird Brandstiftung vorgeworfen. Die Stadt Münster warnt vor Vorverurteilungen.
Die vom Brand betroffenen Gaststätten und das Hotel links daneben

Die vom Brand betroffenen Gaststätten und das Hotel links daneben

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Clara Margais / dpa

Zum Strand sind es nur wenige Meter, zum berüchtigten »Ballermann 6« sind es rund 20 Minuten zu Fuß: In El Arenal ist man Exzesse von Partytouristen gewohnt. Was sich jedoch am vergangenen Freitag ereignete, ist auch auf Mallorca in dieser Dimension ungewöhnlich. Auf dem Terrassendach einer Bar brach Feuer aus – ausgelöst mutmaßlich durch Zigarettenkippen, die von Balkonen des angrenzenden Hotels auf das Schilfdach geschnippt worden waren. Medienberichten zufolge beschädigte der Brand neben der Gaststätte auch ein Bordell, eine angrenzende Wohnung sowie das Hotel selbst. Zwei Menschen sollen verletzt worden sein.

Die mutmaßlich Schuldigen: eine Kegelgruppe aus Deutschland, die nur Stunden zuvor gelandet sein und auf den Hotelbalkonen gefeiert haben soll. Die Männer sitzen allesamt in Untersuchungshaft. Was genau geschehen ist, wer welche Verantwortung trägt, müssen die Ermittlungen erst noch zeigen.

Die 13 deutschen Touristen wurden allerdings schnell als Verdächtige identifiziert. Das bestätigen Zeugenberichte anderer anwesender Hotelgäste. Rene Palucki etwa war mit seiner Fußballmannschaft vor Ort. Als das Feuer ausgebrochen sei, sei er etwa hundert Meter entfernt gewesen, sagte der 41 Jahre alte Hamburger dem SPIEGEL. »Es hat sich eine große, schwarze Rauchwolke gebildet, die immer größer wurde. Es stank fürchterlich.« Er sei sofort in Richtung Hotel gegangen, um zu helfen. Doch die Polizei hatte die Straße bereits abgesperrt. »Die Flammen schossen aus dem ersten Stock heraus.« Es habe 15 bis 20 Minuten gedauert, bis die Feuerwehr gekommen sei.

»Irgendwann wollten wir zurück ins Hotel, da standen um die 30 Polizisten vor dem Gebäude. In der Lobby saßen die 13 jungen Männer und schauten auf den Boden«, sagt Palucki. Polizisten hätten auf Spanisch auf die Männer eingeredet, eine Frau von der Rezeption habe versucht zu übersetzen. »Wir wollten fragen, was passiert sei, aber wurden sofort auf unser Zimmer geschickt. Die jungen Männer durften nicht mit uns reden.« Im Hotel habe es gestunken, und an vielen Ecken sei Ruß gewesen, so Palucki.

Den 13 Verdächtigen wird Brandstiftung vorgeworfen. Der zuständige Richter geht Medienberichten zufolge von »gemeinsamer Verantwortung« aus und wirft den Deutschen mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Die Beschuldigten schweigen zu den Vorwürfen. Wie spanische Anwälte der Nachrichtenagentur dpa mitteilten, droht den Männern ein Freiheitsentzug zwischen einem und drei Jahren, würden sie der fahrlässigen Brandstiftung schuldig gesprochen. Bei Vorsatz und der Gefährdung von Menschenleben könne das Urteil auch deutlich schärfer ausfallen.

Die Beschuldigten sind Medienberichten zufolge Mitglieder eines Kegelklubs aus dem Raum Münster, der Name des Klubs: »Stramm am Tisch«. Die mallorquinische Polizei wollte die Herkunft nicht bestätigen, eine vorsichtige Bestätigung kommt jedoch von der Stadt Münster. »Wir gehen bei den 13 inhaftierten Mitgliedern des Kegelklubs von sechs Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr und einem Angestellten der Stadt aus«, teilte die Stadt mit.

Der Brand gibt der Diskussion über den Partytourismus auf Mallorca neue Nahrung, weil offenbar wieder so wild gefeiert wird wie vor der Coronapandemie – und auch weil Anwohner die Exzesse zunehmend kritisch sehen. In örtlichen Medien machten schnell schauerliche Details die Runde. »Die Touristen schauten sich das Ganze von ihrem Balkon aus an. Sie fingen an, das Feuer mit ihren Handys zu filmen, grölten und lachten«, zitierte die »Mallorca Zeitung« einen Mann. »Die Musik war voll aufgedreht, sie haben Bier von einem Balkon auf den anderen und auch auf die Straße geschüttet«, sagte ein anderer. Auch Zigaretten hätten sie hinuntergeworfen. »Schnell stand das gesamte Dach in Flammen«, hieß es. Es sei »wie eine Bombe« gewesen.

Die Rauchsäule über El Arenal

Die Rauchsäule über El Arenal

Foto: - / dpa

Die deutschen Behörden warnen vor Vorverurteilungen. »Ich halte es für dringend geboten, die Aufklärung des Sachverhalts durch die zuständigen Behörden abzuwarten und sich voreiliger Schlussfolgerungen zu enthalten«, sagte der Vorsitzende des für die Feuerwehr zuständigen Ratsausschusses der Stadt Münster, Stefan Leschniok, dem »Westfalen-Blatt«. Auch die Stadt Münster zeigt sich zurückhaltend: »Wir warten zunächst die Ermittlungsergebnisse der spanischen Justiz ab. Auf dieser Grundlage ist dann über Konsequenzen für die Feuerwehrleute und den Angestellten der Stadt zu entscheiden.«

Eine der betroffenen Bars war das »Why Not Mallorca«. Die Balkone des Hotels der Kegelbrüder sind mit ihren Metallgeländern sowohl zur Straße als auch zur Bar gerichtet. Die deutsche Wirtin berichtete am Montag vor Journalisten unter anderem von einem komplett verwüsteten Außenbereich. »Was geht in den Köpfen dieser jungen Leute vor?«, fragte sie. Die Gastronomin der Bar bezifferte den Schaden allein auf ihrer Terrasse gegenüber der »Mallorca Zeitung« auf 150.000 Euro. Offizielle Zahlen zur Höhe des Schadens gibt es nicht.

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