Manchester Polizist stirbt bei Anti-Terror-Einsatz

Auf gewaltsamen Widerstand stießen fünf Polizisten, die in Manchester drei Nordafrikaner wegen Terrorismusverdachts festnehmen wollten. Einer der Verdächtigten stach um sich. Er tötete einen Polizisten; ein anderer wurde schwer verletzt. Der Einsatz stand offenbar in Zusammenhang mit dem Rizinfund vor zwei Wochen in London.


Ein Polizist sichert den Tatort in Manchester
AP

Ein Polizist sichert den Tatort in Manchester

London - Premierminister Tony Blair äußerte sich "schockiert und sehr traurig" über den Tod des 40-jährigen Polizisten. "Es ist eine furchtbare Tragödie", sagte er.

Die Polizisten im Alter zwischen 34 und 42 Jahren hatten in einer Wohnung in Manchester einen Mann festnehmen wollen, der als Terrorist verdächtigt wird. Dabei trafen sie auf insgesamt drei Männer, die Widerstand leisteten. Einer der Männer stach mit einem Messer auf die Polizisten ein, die daraufhin Verstärkung anforderten.

Vor knapp zwei Wochen hatte die Polizei in einer Londoner Wohnung Spuren des hochgiftigen Rizin gefunden, eines möglichen Bio- Kampfstoffs. Vier Nordafrikaner im Alter zwischen 17 und 33 Jahren sind in dieser Sache mittlerweile als Terroristen angeklagt worden. Erstmals in der britischen Rechtsgeschichte wird ihnen die Herstellung von Chemiewaffen zur Last gelegt. Nach Angaben der Geheimdienste gehen die Festnahmen auf eine "enge Zusammenarbeit" mit den Sicherheitsbehörden in Frankreich und Algerien zurück.

In der Wohnung in Manchester wurde nach Berichten des britischen Fernsehens kein Ricin gefunden. Der hochgiftige Eiweißstoff wird aus den Samen der Rizinuspflanze gewonnen.

Politiker aller britischen Parteien zeigten sich darin einig, dass die Ermordung des Polizisten in schrecklicher Weise die Bedrohung Großbritanniens durch den internationalen Terrorismus verdeutliche. Innenminister David Blunkett sagte, die tapferen Polizisten hätten nicht nur die Sicherheit einzelner Bürger, sondern des ganzen Landes verteidigt.

Der innenpolitische Sprecher der oppositionellen Konservativen, Oliver Letwin, sagte: "Die ganze Nation wird das Hingehen eines Helden betrauern, der starb, während er uns gegen den Terrorismus verteidigte." Simon Hughes, der innenpolitische Sprecher der oppositionellen Liberaldemokraten, erklärte: "Die Tragödie dieses Abends erinnert uns an die ständige Gefahr, der alle ausgesetzt sind, die beim Kampf gegen den Terrorismus an vorderster Front stehen."



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