Manhattan Baseballstar stürzt mit Klein-Flugzeug in Hochhaus

Die Bilder weckten Erinnerungen an den 11. September 2001: Ein Flugzeug rast in ein New Yorker Hochaus, Flammen schlagen aus den Fenstern. Zwei Menschen kommen ums Leben, darunter aller Wahrscheinlichkeit nach auch Baseballspieler Cory Lidle von den New York Yankees, dem die Maschine gehört.


New York - Das Kleinflugzeug war um 14.45 Uhr Ortszeit in ein Hochhaus in der Innenstadt gestürzt. Der US-Fernsehsender CNN berichtete, dass der Pilot deshalb unmittelbar vor dem Unglück wegen Treibstoffproblemen einen Notruf abgesetzt habe. Der Besitzer der Kleinmaschine ist nach Angaben von CNN der Spieler Cory Lidle von der Baseballmannschaft New York Yankees. Dass er auch am Steuer saß, ist nicht offiziell bestätigt. Sein Ausweis wurde aber auf der Straße zwischen den Trümmern gefunden. Der 34-Jährige habe erst vor sieben Monaten seinen Pilotenschein erhalten.

Bei dem Flugzeug handelt es sich um den Typ Cirrus SR-20 mit der Registrierungsnummer 929 CD. Der Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, sagte während einer Pressekonferenz, dass beide Insassen an Bord ums Leben kamen. Seinen Angaben zufolge soll es sich um einen Fluglehrer und einen Schüler mit etwa 75 Flugstunden handeln. Einen Terroranschlag schloss Bloomberg aus. Die New Yorker Rettungskräfte hätten schnell und professionell reagiert. "Wir sind froh, dass nicht mehr passiert ist", sagte Bloomberg.

Flugzeug-Typ verfügt über Fallschirm

Das Flugzeug verfügte über eine Sicherheitseinrichtung, auf die der Baseballspieler immer wieder hingewiesen hatte, wenn man ihn auf seine Fliegerei angesprochen hatte, berichtete CNN. Im Notfall kann das "Cirrus Airframe Parachute System" aktiviert werden - ein riesiger Fallschirm, mit dem das gesamte Flugzeug langsam zu Boden schwebt. Unklar ist, warum das System nicht zum Einsatz kam.

Das Flugzeug war in Teteboro im US-Bundesstaat New Jersey gestartet, gerade einmal 15 Kilometer von der Unglücksstelle entfernt. Unmittelbar vor dem Einschlag in das Hochhaus sei das Flugzeug mit schwerer Schlagseite geflogen, berichteten Augenzeugen. In dem verunglückten Flugzeug gibt es keine Blackbox und keinen Stimmenrecorder, mit dem sich der Unfallhergang im Nachhinein rekonstruieren lässt.

Das Haus an der Upper East Side von Manhattan in der Nähe des East Rivers hat 50 Stockwerke und liegt nur rund eineinhalb Meilen vom Sitz der Vereinten Nationen entfernt. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie zwei Stockwerke in der Mitte des Gebäudes in Flammen aufgingen. Einsatzkräfte brachten das Feuer nach 40 Minuten unter Kontrolle und löschten die Flammen. Elf Feuerwehrleute wurden bei dem Einsatz verletzt, berichtete Bürgermeister Bloomberg.

Zeugen berichten, dass brennende Trümmer auf die Straße herabfielen. "Es ist richtig schlimm", sagte eine Augenzeugin. Eine andere, die unweit des Unglücksortes wohnt, sagte zu SPIEGEL ONLINE: "Sirenen heulen, Hubschrauber kreisen über uns, man kann das Feuer bis hier riechen - es ist ein bisschen wie 9/11." Die Rettungskräfte seien unglaublich schnell angerückt. Fernsehbilder zeigten, wie Dutzende von Rettungsfahrzeuge zum Unfallort rasten. Menschen sammelten sich auf den Straßen, starrten auf die Unglücksstelle.

Weißes Haus geht von Unfall aus

Die Adresse des Appartment-Komplexes namens Belaire Condo lautet: 524 East 72 Street, in der Nähe der York Avenue. Der Komplex soll über 183 Appartments verfügen, die bis 1,5 Millionen Dollar wert sein sollen. Es ist ein Doorman-Haus mit Full-Service: Concierge, Sauna, Dampfbad, Swimmingpool. In mehreren Etagen des Gebäudes befinden sich zudem Büros und Arztpraxen.

In einer ersten Reaktion ging das Weiße Haus in Washington von einem Unfall aus, wollte aber zugleich die Möglichkeit eines Terroranschlages nicht völlig ausschließen. Das Nordamerikanische Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando (Norad) ließ Kampfflugzeuge starten, um den Luftraum über mehreren US-Städten abzusichern. Tim Keating, Kommandeur des US-Northern Command, sagte dem Sender CNN, dass er als Vorsichtsmaßnahme Kampfjets über mehrere US-Großstädte beorderte.

Die US-Luftfahrtbehörde verhängte rund um die Unglücksstelle ein Flugverbot. Das Heimatschutzministerium teilte mit, dass keine unmittelbare Gefahr für die Vereinigten Staaten bestehe.

CNN berichtet ebenfalls, dass es nach Angaben der US-Bundespolizei FBI bisher keine Hinweise auf einen Anschlag gebe. Ähnlich äußerte sich Michael Collins, Chef der New Yorker Polizei. Es gebe derzeit "keinen Grund", einen terroristischen Hintergrund zu vermuten, sagte Collins. Die Flughäfen in der Region New York wurden nicht geschlossen.

Die Nachricht vom Absturz hatte auch an der New Yorker Wall Street Erinnerungen an den 11. September 2001 wachgerufen. Die wichtigsten Indizes sackten kurzzeitig kräftig auf ein neues Tagestief ab. Die Verluste wurden allerdings im Handelsverlauf wieder ausgleichen.

tim/hen/reh/Reuters/AP/dpa-AFX/dpa



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