Manipulation IOC verteidigt Playback bei Olympia-Eröffnungsfeier

Pekings heimlicher Mädchentausch bei der Olympia-Eröffnungsfeier sorgt in China für Empörung: Die kleine Lin Miaoke hatte Playback gesungen - weil die Organisatoren die wahre Sängerin nicht hübsch genug fanden. Doch das IOC sieht keinen Grund zur Aufregung.


Peking - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Manipulation bei der Eröffnungsfeier in Peking verteidigt. IOC-Olympiadirektor Gilbert Felli stellte sich am Mittwoch auf die Seite der chinesischen Organisatoren, die bei der Zeremonie eine falsche Sängerin eingesetzt hatten.

Schöner Gesang plus schönes Gesicht: Für die Eröffnungsfeier mischten die Olympia-Organisatoren beides - und ließen Yang Peiyis (links) Gesang ertönen und Lin Miaoke (rechts) auftreten
AFP; AP

Schöner Gesang plus schönes Gesicht: Für die Eröffnungsfeier mischten die Olympia-Organisatoren beides - und ließen Yang Peiyis (links) Gesang ertönen und Lin Miaoke (rechts) auftreten

Die neunjährige Lin Miaoke hatte bei dem "Lied auf das Vaterland" nur die Lippen bewegt, während der Gesang eines anderen Mädchens vom Band kam.

Felli erklärte, dies sei "genau wie im Sport". Auch beim Fußball habe der Trainer die Möglichkeit, im letzten Moment einen Sportler auf die Bank zu setzen. "Das war eine Frage der Besetzung wie bei jeder Aufführung", sagte Felli. So sei das nun mal im Sport und im Leben. Allerdings hätte man die Entscheidung nicht verheimlichen sollen.

Insgesamt habe nicht die Frage, welches der Mädchen attraktiver sei im Vordergrund gestanden - sondern die bestmögliche Darbietung.

Der musikalische Leiter der Zeremonie, der Franzose Qigang Chen hatte das Playback in einem Interview mit Radio Peking aufgedeckt und zugegeben, dass Peiyi den Organisatoren nicht hübsch genug gewesen sei - und daher nicht bei der Eröffnung im Rampenlicht stehen sollte. "Wir wollten das perfekte Image bieten", sagte Chen. Auf Drängen eines Politbüromitglieds sei das Mädchen in letzter Minute ausgetauscht worden.

Er habe sich verpflichtet gefühlt, mit der Wahrheit an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte Chen. Peiyi sei eine "fantastische Sängerin", die es nicht verdiene, versteckt zu werden.

Sun Weide, Sprecher des Organisationskomitees der Spiele, sagte, die Entscheidung, beide Mädchen in die Zeremonie einzubinden, sei durch den künstlerischen Direktor gefällt worden - nachdem dieser sich mit den Verantwortlichen der Fernsehstationen abgestimmt habe. "Soweit ich weiß, gab es eine Reihe an Kandidatinnen, die das Lied singen wollten. Am Ende hat sich der Regisseur für die beste Stimme und die beste Darstellerin entschieden", so Sun.

Viele Chinesen sind empört über das Manöver und fordern, Peiyi solle bei der Abschiedsfeier singen dürfen. Der Vater von Miaoke sagte, Peiyis Stimme sei besser als die seiner Tochter - aber beide Mädchen seien niedlich. Allerdings sei es nicht gut, dass man die Information nicht veröffentlicht habe.

han/dpa/AP

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