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Marija Aljochina Fesseln zu Kunstwerken

aus DER SPIEGEL 29/2022
Foto:

Murdo McLeod

Ihre Flucht sorgte für einige Aufregung, doch Marija Aljochina, 34, russische Performancekünstlerin und Pussy-Riot-Aktivistin, will nicht von »Migration« sprechen. Sie habe vielmehr einen Weg gefunden, auf Tour zu gehen – so formulierte sie es jetzt in einem Interview mit dem »Guardian«. Im April gelang es ihr auf spektakuläre Weise, Russland zu verlassen. Sie stand damals unter Hausarrest, Fußfessel inklusive. Nachdem sie gehört hatte, dass sie wieder ins Gefängnis kommen solle, verkleidete sie sich als Kurier und schaffte es mithilfe von Freunden nach Litauen. Von dort gelangte sie nach Island, jetzt befindet sie sich an einem unbekannten Ort. Mit dem Verkauf von T-Shirts habe Aljochina bislang 10.000 Euro gesammelt, berichtet der »Guardian«. Diese habe sie an ein ukrainisches Kinderkrankenhaus gespendet. Nachdem sie Russland verlassen hatte, konnte sie ihre Lebens­gefährtin wieder treffen, die bereits geflohen war. Beide ließen ihre Fußfesseln einschmelzen, schufen ein digitales Kunstwerk und verkaufen davon NFTs. Die Erlöse sollen ukrainischen Wohltätigkeitsorganisationen und politischen Gefangenen in Russland zugutekommen. Die Fußfesseln seien ihre »Trophäen vom Kampf mit dem russischen Regime«, sagte Aljochina, die bereits mehrere Male im Gefängnis saß. Sie will kein Mitleid und spricht lieber über ihre politischen Ziele als über Persönliches: Putin, so eine ihrer Forderungen, müsse als Kriegsverbrecher angeklagt werden.

KS
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