Marinestützpunkt auf Zypern Buschbrand soll Explosionsserie ausgelöst haben

Die Ursache der gewaltigen Detonationen auf Zypern ist offenbar gefunden: Ein Buschfeuer soll das Schießpulver auf dem Marinestützpunkt entzündet haben. Zwölf Menschen starben bei dem Unglück, in weiten Teilen der Insel fiel der Strom aus. Die Behörden rechnen mit langfristigen Problemen.


Nikosia - Immer noch steigt Rauch über dem Areal auf, Trümmer liegen weit verstreut, die Fassade des größten Elektrizitätswerks der Insel ist zerfetzt. Zypern steht nach den heftigen Detonationen auf einem Marinestützpunkt im Süden der Insel unter Schock. Zwölf Menschen starben, 62 wurden verletzt.

Oppositionsführer Nicos Anastasiades sagte, alle auf dem Stützpunkt gelagerten 98 Container mit etwa 2000 Tonnen Schießpulver seien explodiert. Wie aus dem Umfeld des Verteidigungsministeriums verlautete, brach ein Buschfeuer nahe des Stützpunktes aus. Die Flammen fraßen sich immer näher an die Marinebasis heran und setzten schließlich die Container in Brand.

In Teilen der Insel fiel nach den Explosionen der Strom aus - so auch in der Stadt Larnaca. Die Behörden rechnen mit langfristigen Problemen: Das ausgefallene Kraftwerk produzierte knapp die Hälfte des auf der Insel benötigten Stroms. Nun hängt die Versorgung von zwei kleineren Anlagen ab. Zyperns Elektrizitätsgesellschaft rief alle Bürger auf, Strom zu sparen. "Bitte benutzen Sie Generatoren und stellen Sie ihre Klimaanlagen aus", heißt es in einer Erklärung. Wegen des Ausfalls des Kraftwerks drohe ein allgemeiner Stromausfall.

In der Hauptstadt soll es nur noch jeden zweiten Tag Wasser geben

Auch der Betrieb auf den Flughäfen von Larnaka und Paphos wurde behindert. Die Airport-Betreiber schalteten die Notstromgeneratoren ein und kündigten an, den Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren.

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Marinestützpunkt auf Zypern: 2000 Tonnen Schießpulver explodiert
Probleme gab es auch bei der Wasserversorgung, da zahlreiche Entsalzungsanlagen ausfielen. In der Hauptstadt Nikosia und der Hafenstadt Larnaka wurde Wasser rationiert. Dort soll es ab sofort nur noch jeden zweiten Tag Wasser geben - für jeweils 12 Stunden, teilten die Behörden mit. Das Landwirtschaftsministerium bat die Öffentlichkeit, den Wasserverbrauch so weit wie möglich einzuschränken.

Am Nachmittag traten Verteidigungsminister Kostas Papakostas und der Kommandeur der zyprischen Nationalgarde zurück. Zuvor waren Vorwürfe laut geworden, die Munition sei nicht korrekt gelagert worden. Der bei den Explosionen getötete Kommandeur des Marinestützpunktes soll seine Vorgesetzten vor dem Unglück bereits schriftlich darüber informiert haben, dass die Container beschädigt und deformiert gewesen seien.

Die in Containern gelagerte Munition war nach Angaben der Behörden im Februar 2009 von einem vor der Küste fahrenden Schiff beschlagnahmt worden. Die unter zyprischer Flagge fahrende "Monchegorsk" stand im Verdacht, die Munition vom Iran nach Gaza zu transportieren.

"Wir sind erschüttert", sagte der Präsident der Republik Zypern, Dimitris Christofias, nach einem Besuch des Stützpunkts. "Es ist ein weiterer schwarzer Juli für unser Land und unser Volk", sagte Christofias - eine Anspielung auf den Juli 1974, als Zypern nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention geteilt worden war.

Autofahrer wurden durch Splitter verletzt

Der gesamte Stützpunkt, aber auch das Kraftwerk und umliegende Gebäude, Tavernen und Bars am Strand wurden schwer beschädigt. Zum Zeitpunkt der Explosionen waren die meisten Gebäude und Restaurants allerdings leer. Hotels und Touristen gibt es in der Region nicht.

Dutzende Autofahrer wurden auch auf der Autobahn Larnaka-Limassol durch Splitter verletzt. "Es kamen aus dem Himmel Holzlatten, Eisenstangen, ganze Teile von Dächern auf uns runter", schilderte eine Autofahrerin ihre Erlebnisse im Fernsehen. Die Detonationen seien "ohrenbetäubend" gewesen. Feuerwehrleute und Rettungsmannschaften mussten zerstückelte Leichen bergen, berichteten Augenzeugen.

bim/dpa/dapd



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