Marineunfall Bundeswehr-Kapitän wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Der Kommandant der Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" muss sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, bei einem Unfall während eines Nato-Manövers in der Ostsee nicht alle Mittel zur Rettung gekenterter Soldaten eingesetzt zu haben. Zwei junge Männer kamen damals ums Leben.


Fregatte Mecklenburg-Vorpommern: Motorrettungsboot an Bord aber nicht eingesetzt
DPA

Fregatte Mecklenburg-Vorpommern: Motorrettungsboot an Bord aber nicht eingesetzt

Hannover - Das Oberlandesgericht in Oldenburg gab am Montag einem Klageerzwingungsantrag des Vaters eines Opfers statt. Nun wird Anklage wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen erhoben.

Nach Auffassung des OLG hätte der Soldat, der im März 2002 im eiskalten Wasser des Ostsee ums Leben kam, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vor Eintritt des Kältetodes gerettet werden können, wenn der Kapitän ein Motorrettungsboot eingesetzt hätte.

Dem Kapitän der Fregatte werde vorgeworfen, das an Bord der "Mecklenburg-Vorpommern" vorhandene Motorrettungsboot nicht zur Bergung der verunglückten Soldaten eingesetzt zu haben, teilte das OLG mit. Die Wetterbedingungen und auch die Wellenhöhe am Unglücksort hätten einem Einsatz des Bootes nicht entgegengestanden.

Während des Nato-Manövers "Strong Resolve" war ein Beiboot der britischen Fregatte Cumberland gekentert, das Besatzungsmitglieder der "Mecklenburg-Vorpommern" auf ihr Schiff zurückbringen sollte. Nach dem Unglück wurden zwei britische und ein deutscher Soldat aus dem drei Grad kalten Wasser der Ostsee gerettet. Zwei weitere deutsche Marinesoldaten konnte ein herbei gerufener Hubschrauber eine halbe Stunde später nur noch tot bergen.

Die Ermittlungen gegen den damaligen Kommandanten der "Mecklenburg-Vorpommern" hatte die Staatsanwaltschaft Oldenburg im September vergangenen Jahres zunächst mangels Tatverdacht eingestellt. Nachdem die Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg eine Beschwerde gegen die Einstellung abgewiesen hatte, stellte der Vater eines der Unfallopfer Antrag auf Klageerzwingung beim Oberlandesgericht. Der zweite Strafsenat des OLG nahm daraufhin eigene Ermittlungen auf, holte mehrere nautische, medizinische und technische Gutachten ein und vernahm verschiedene Besatzungsmitglieder.

Auf Grundlage des 28-seitigen Beschlusses, mit dem der Senat dem Klageerzwingungsantrag stattgegeben hat, müsse die Staatsanwaltschaft Oldenburg nunmehr Anklage gegen den Fregattenkapitän erheben, sagte der Sprecher des OLG, Hans Oehlers. Über die Zulassung der Anklage habe anschließend das zuständige Gericht, wahrscheinlich das Amtsgericht Wilhelmshaven, zu befinden.



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