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Maro Itoje Furchtlos

aus DER SPIEGEL 6/2022
Foto:

Silvana Trevale / eyevine / ddp

Auf dem Spielfeld haut er die Gegner reihenweise um, vor der Kamera posiert er ganz sanftmütig: Maro Itoje, 27, britischer Profi-Rugbyspieler und Teilzeitmodel, scheut weder Gegensätze noch Konfrontationen. Zu seinem Sport gehöre der körperliche Einsatz einfach dazu, ihm käme es nie in den Sinn, sich wegzuducken, versicherte er der »Times« glaubhaft. »Beim Spiel denke ich niemals an Klamotten oder Modeshootings.« Der Interviewer hatte gefragt, ob er manchmal Sorge habe, sich im Gesicht zu verletzen und dann seiner Model­arbeit nicht mehr nachgehen zu können. Auch auf anderer Ebene fürchtet Itoje die Aus­einandersetzung nicht. Als einer der wenigen Schwarzen im britischen Rugbysport wird er häufig zum Thema Rassismus befragt – und äußert immer wieder kontroverse Ansichten. Einmal sprach er über »internalisierten Rassismus«, Schwarze können demnach durchaus untereinander rassistische Vorurteile haben. In dem Interview sagte der Nationalteamspieler nun, er sei überzeugt, dass es eine Menge schwarze Männer in Großbritannien gebe, die schwarze Frauen grundsätzlich nicht attraktiv fänden. Viele dieser Männer, so seine Theorie, seien darauf konditioniert, einem eurozentrischen Schönheitsideal anzuhängen. Itoje zählt sich nicht zu dieser Gruppe, und bei Frauen sei das auch nicht so: »Nach meiner Erfahrung lieben schwarze Frauen schwarze Männer.« Er glaubt, dass diese mehr oder weniger subtile Ablehnung »verheerende Auswirkungen« habe. Das weibliche Selbstbewusstsein werde dadurch, aber auch durch die eigene Selbstwahrnehmung schwer beeinträchtigt. Eine der Folgen sei der Gebrauch von Bleichcreme: »Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie uns die Idee verkauft wurde, dass hellere Haut besser sei«, sagt Itoje.

KS
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