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Gestorben Martin Bangemann, 87

aus DER SPIEGEL 27/2022
Foto:

United Archives / ddp

Sein Name steht vor allem für den ungenierten Wechsel aus poli­tischen Ämtern direkt in die Wirtschaft. 1999 wollte der FDP-Politiker ohne Karenzzeit aus der EU-Kommission zum spanischen Kommunikationskonzern Telefónica wechseln. Obwohl Martin Bangemann zuvor als EU-Kommissar die Telefonmärkte liberalisiert hatte, mochte er keinen Interessenkonflikt erkennen. Die EU-Kommission nahm die Causa zum Anlass, einen Verhaltenskodex für ausscheidende Kommissare zu beschließen. 1934 im sachsen-anhaltinischen Wanzleben geboren, trat Bangemann nach dem Jurastudium in die baden-württembergische FDP ein und war 1971 einer der Verfasser der »Freiburger Thesen«, in denen sich die FDP zu einem »sozialen Liberalismus« bekannte. Seine Zeit als Parteivorsitzender (1985 bis 1988) und Bundeswirtschaftsminister (1984 bis 1988) im Kabinett von Helmut Kohl war überschattet von der Enthüllung, dass seine langjährige Sekretärin als Agentin für die Stasi gearbeitet hatte. Mit dem CDU-Kanzler teilte er eine Vorliebe für gutes Essen sowie die Bereitschaft, Freundschaften über politische Prinzipien zu stellen: Auch nach der Enttarnung als Stasiagentin hielt Bangemann zu seiner Sekretärin privat Kontakt. Den Ruhestand verbrachte der Büchernarr zusammen mit seiner Frau auf seinem Anwesen im französischen Département Deux-Sèvres. Martin Bangemann starb dort am 28. Juni an einem Herzinfarkt.

CSC
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