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Klüger werden mit: Martina Schäfer

Die 49-jährige Germanistin und Frauenforscherin über Gewalt im Feminismus
aus DER SPIEGEL 48/2001

SPIEGEL: In Ihrem Buch »Die Wolfsfrau im Schafspelz« kritisieren Sie manche Frauen der Frauenbewegung als autoritär, menschenverachtend und gewaltverherrlichend. Wie kommen Sie zu diesem Urteil?

Schäfer: Ich habe fast alles gelesen, was international zum Thema Matriarchat erschienen ist. Gewalt beginnt ja immer auf verbaler Ebene. Rund 20 Texte habe ich für das Buch analysiert und gezeigt, dass ihnen autoritäre Strukturen zu Grunde liegen - im Sinne Adornos, der sagte, dass der autoritäre Redner immer zuerst die anderen schlecht macht und seine eigenen Gewaltbestrebungen verharmlost.

SPIEGEL: Sind Frauen schlechter als ihr Ruf?

Schäfer: Sie sind nur nicht von Natur aus friedlicher als Männer. Als Lehrerin für Sektenprävention und Selbstverteidigung treffe ich oft auf das Thema weibliche Gewalt. Ob schlagende Mütter oder Mädchengangs - die Strukturen sind die gleichen wie bei den Männern. Nur haben die Frauen im Patriarchat weniger Gelegenheit, Gewalt auszuleben.

SPIEGEL: Sie widmen sich in Ihrem Buch auch der esoterischen Frauenliteratur. Warum sind immer mehr Frauen in die Spiritualität geflüchtet?

Schäfer: In den siebziger Jahren waren viele Frauen die Debatten, Kämpfe und Märsche durch Institutionen leid - da kam die spirituelle Heile-Welt-Ideologie genau richtig. Dort wird einem vorgegaukelt, dass man Wissen über andere, geistige Welten erwerben kann.

SPIEGEL: Muss die Geschichte der Frauenbewegung neu geschrieben werden?

Schäfer: Nein, es sollte nur kritischer mit ihr umgegangen werden. Mir war es wichtig, die Texte der Matriarchats-Koriphäen kritisch anzuschauen. Deswegen verrate ich nicht die Ziele der Frauenbewegung, wie es mir zum Teil vorgeworfen wird.

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