Polizeigewalt in den USA In Handschellen erschossener Schwarzer - Familie erhält 20 Millionen Dollar

William Green wurde von einem Polizisten erschossen, als er bereits Handschellen trug. Nun einigten sich seine Familie und die Behörden auf eine Entschädigung.
Proteste gegen Polizeigewalt in Baltimore, Maryland (Archivbild)

Proteste gegen Polizeigewalt in Baltimore, Maryland (Archivbild)

Foto: BRYAN WOOLSTON/ REUTERS

US-amerikanische Behörden haben sich mit der Familie eines Opfers von Polizeigewalt geeinigt. Der Verwaltungsbezirk Prince George's County im Bundesstaat Maryland wird nach eigenen Angaben 20 Millionen Dollar zahlen.

Bezirksleiterin Angela Alsobrooks sagte, man stelle sich damit der eigenen Verantwortung. Kein Geldbetrag könne jedoch den Verlust eines Menschenlebens ausgleichen. Es ist eine der höchsten Entschädigungszahlungen dieser Art in der US-Geschichte.

Das Opfer William Green war im Januar im Verwaltungsbezirk Prince George's County im Bundesstaat Maryland festgenommen worden, weil er mit seinem Auto andere Fahrzeuge gerammt haben soll. Der Polizist Michael Owen fand ihn laut den Ermittlungen schlafend am Steuer, offenbar unter Drogeneinfluss.

Keine Beweise für einen Kampf

Green hatte laut Anklage bereits Handschellen an und saß im Polizeiauto, als der Polizist ihn mit mehreren Schüssen niederstreckte. Owen und Green sind Afroamerikaner.

Die Polizei hatte zunächst mitgeteilt, zwei Zeugen hätten bestätigt, dass es zwischen dem Polizisten und Green eine Art Auseinandersetzung gegeben habe. Owen selbst sagte aus, Green habe ihm die Waffe entreißen wollen. Doch die Ermittler fanden keinerlei Beweise für einen Kampf.

Owen war wegen "Mord zweiten Grades" angeklagt worden. Zum ersten Mal sei ein Polizist in Prince George's County für eine im Dienst begangene Tötung wegen Mordes angeklagt worden, sagte Bezirksleiterin Alsobrooks.

"Reflexartig" angeklagt?

Owen sitzt in Untersuchungshaft. Sein Prozess soll im März nächsten Jahres beginnen. Verteidiger Tom Mooney sagte, Owen sei "reflexartig" angeklagt worden - und zwar auf Grundlage "unbegründeter oder widerlegter Fakten".

Owen arbeitete seit zehn Jahren in seiner Dienststelle. Die "Washington Post " hatte vor Kurzem berichtet, dass er wenige Monate vor dem tödlichen Einsatz im Frühwarnsystem der Polizei aufgefallen war.

Der Hinweis sei ausgelöst worden, da Owen im vergangenen Sommer durch wiederholte Gewaltanwendung auffällig geworden war. Seine Vorgesetzten seien erst im Januar informiert worden und hätten erst gehandelt, als Green bereits tot war.

Das Opfer William Green: "Worte können die Pein, Trauer und Leere nicht ausdrücken, die wir fühlen"

Das Opfer William Green: "Worte können die Pein, Trauer und Leere nicht ausdrücken, die wir fühlen"

Foto: Brenda Michaele Green / AP

Der Anwalt der Familie sprach von einer "historischen Einigung". Sie mache deutlich, wie "brutal" und "sinnlos" der Tod des 43-Jährigen gewesen sei.

Die Tochter des Opfers sagte, ihr Leben sei "auf den Kopf" gestellt worden. "Worte können die Pein, Trauer und Leere nicht ausdrücken, die wir fühlen", sagte Shelly Green. Die Familie wolle das Geld nutzen, um das Erbe ihres Vaters zu erhalten und "den Teufel der Polizeibrutalität" zu bekämpfen.

Schätzungen zufolge werden in den USA jedes Jahr rund tausend Menschen durch Polizisten getötet. Für Empörung sorgen immer wieder Vorfälle, bei denen weiße Beamte unbewaffnete Schwarze töten. So löste der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai landesweite Demonstrationen aus.

In den vergangenen Jahren erzielten mehrere Opferfamilien Einigungen mit den Behörden. So auch im Fall Breonna Taylor, die von einem weißen Polizisten erschossenen worden war. Die Stadt Louisville im Bundesstaat Kentucky zahlte den Hinterbliebenen zwölf Millionen Dollar Entschädigung.

Der unbewaffnete, 18 Jahre alte Michael Brown war 2014 in Ferguson, Missouri, von einem weißen Polizisten erschossen worden. Seine Familie erhielt 1,5 Millionen Dollar.

jpz/AFP/Reuters/AP