Massaker von Sittensen 60 Hinweise, aber keine heiße Spur

Die Polizei tritt bei ihren Ermittlungen zu dem kaltblütigen Mord an sieben Menschen in einem China-Restaurant in Sittensen auf der Stelle. Auch ein Mann, der sich einem Bericht zufolge in einem Zimmer direkt am Tatort befand, kann nicht weiterhelfen: Er soll in Computerspiele vertieft gewesen sein.


Sittensen - Nach dem Blutbad in einem China-Restaurant im niedersächsischen Sittensen mit sieben Toten suchen die Fahnder mit Hochdruck nach einem entscheidenden Hinweis zur Klärung des Verbrechens. Die in der Nacht unterbrochene Spurensicherung am Tatort solle am Morgen fortgesetzt werden, kündigte ein Polizeisprecher an. Außerdem sollen weitere Zeugen befragt und Hinweise geprüft werden.

Schülerinnen zünden vor dem China-Restaurant in Sittensen Kerzen an: Schock in einer 5600-Seelen-Gemeinde
DPA

Schülerinnen zünden vor dem China-Restaurant in Sittensen Kerzen an: Schock in einer 5600-Seelen-Gemeinde

Bislang hatten sich rund 60 Menschen bei der Polizei gemeldet, die in dem Restaurant zu Gast waren oder Beobachtungen gemacht hatten. Eine heiße Spur habe sich daraus noch nicht ergeben. Die Sonderkommission der Polizei will am Nachmittag Auskunft zu dem Fall geben.

Noch in der Nacht erhofften sich die Ermittler Aufschluss über die Identität aller Opfer. Die sieben Toten sollen mindestens vier verschiedenen Nationalitäten angehören. Das Betreiber-Ehepaar, der 36 Jahre alte Mann und seine 32 Jahre alte Frau, sind identifiziert worden. Die knapp zwei Jahre alte Tochter der Besitzer hatte überlebt. Der "Bild"-Zeitung zufolge hatte sich die Mutter auf ihre Tochter geworfen und ihr so das Leben gerettet. Der vermutlich einzige erwachsene Zeuge des Blutbads war unterdessen gestern an seinen schweren Verletzungen gestorben.

Die "Bild"-Zeitung berichtet unter Berufung auf Ermittler ebenfalls, dass die Killer auch die Türen von zwei vermieteten Zimmern auf demselben Stockwerk eingetreten hätten. In einem davon hätten sie ihr siebtes Opfer gefunden. In einem dritten Zimmer habe unterdessen ein Deutscher gesessen und sich am Computer mit Killerspielen beschäftigt. Da er einen Kopfhörer aufgehabt habe, habe er nichts von dem Verbrechen mitbekommen.

In der Nacht zum Montag waren in dem Restaurant vier Männer und drei Frauen teilweise gefesselt und anschließend erschossen worden. Neben dem Inhaber-Ehepaar sollen dem Vernehmen nach die asiatischen Angestellten des Restaurants zu den Opfern gehören. Die Hintergründe der Tat sind nach wie vor unklar. Spekuliert wird über einen Überfall chinesischer Mafiabanden, den Triaden, sowie über Schutzgelderpressung.

Der Ort des grausigen Geschehens bleibt unterdessen weiter von der Polizei abgeriegelt. In der 5600-Seelen-Gemeinde Sittensen hatte das Verbrechen für Erschütterung gesorgt. Einwohner legten Blumen vor dem Restaurant nieder und entzündeten Kerzen zum Gedenken an die sieben Opfer.

Unter den in Deutschland lebenden Chinesen macht sich nach dem Blutbad Angst breit. Im Unterschied zu früher fühlten sich seine Landsleute jetzt bedroht, sagte ein im Rhein-Main-Gebiet lebender Geschäftsmann. "Sie haben Angst." Eine Tat der Triaden hielt der Geschäftsmann für unwahrscheinlich: "Die wollen Geld haben, aber nicht töten."

dab/dpa



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