Massenevakuierung Eine Million Chinesen flüchten vor Taifun

An Chinas Südostküste wütet der Taifun "Morakot", und die Menschen sollen mittels einer gewaltigen logistischen Operation vom Schlimmsten verschont bleiben. Eine Million Einwohner wurden evakuiert, 35.000 Schiffe mussten in ihre Häfen zurückkehren.


Peking/Neu Delhi - China hat an seiner Südostküste rund eine Million Menschen vor dem Taifun "Morakot" in Sicherheit gebracht.

Der Wirbelsturm erreichte das Festland am frühen Sonntagabend (Ortszeit). Mehr als 473.000 Bewohner aus der Provinz Zhejiang und mindestens 480.000 Menschen aus der Nachbarprovinz Fujian wurden an andere Orte gebracht. Über 35.000 Schiffe mussten in die Häfen zurückkehren.

Die Vorboten des Taifuns waren schon am Morgen zu spüren gewesen: Zhejiang registrierte Windgeschwindigkeiten bis zu 180 Stundenkilometer.

Schifffahrtsbehörden warnten vor bis zu sieben Meter hohen Wellen. Die Millionenstadt Shanghai bereitete sich auf Überflutungen vor.

In Taiwan kamen bei dem Unwetter möglicherweise mehr als 30 Menschen ums Leben. Der Taifun führte dort am Samstag zu den schwersten Überschwemmungen seit einem halben Jahrhundert.

Im Bezirk Taitung stürzte ein sechsstöckiges Hotel ein. Die Trümmer fielen in einen Fluss. Das Hochwasser hatte das Fundament des Gebäudes beschädigt. Alle Gäste und Mitarbeiter, insgesamt etwa 300 Menschen, konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, so dass bei dem Einsturz nach Behördenangaben niemand verletzt wurde.

Nach dem Taifun galten am Sonntag in Taiwan noch 31 Menschen als vermisst. Der Tod von drei weiteren Menschen wurde bestätigt. Rund 500.000 Haushalte waren ohne Strom, der Luftverkehr war lahmgelegt und viele Straßen nicht passierbar. "Morakot" hatte dort Windgeschwindigkeiten bis zu 137 Stundenkilometer erreicht.

Auf den Philippinen hatte der Sturm ebenfalls schwere Schäden angerichtet. Zehn Bergleute starben am Freitag, als sie unter einer Schlammlawine begraben wurden. Außerdem kamen während des Taifuns drei französische Bergsteiger und zwei einheimische Führer ums Leben.

Schweres Unwetter auch in Indien: Im Norden des Landes sind bei einem durch heftige Monsun-Regenfälle ausgelösten Erdrutsch mindestens 45 Dorfbewohner verschüttet worden. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, wurden bislang 19 Leichen geborgen. 26 weitere Menschen würden vermisst. Es gebe jedoch kaum Hoffnung, noch Opfer lebend aus den Trümmern der Häuser zu bergen, hieß es. Die Schlamm- und Gerölllawine hatte bereits in der Nacht zu Samstag drei Weiler im Himalaya-Bundesstaat Uttarakhand unter sich begraben.

pad/dpa



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