Warnung von Europol Menschenhändler sehen ukrainische Frauen und Kinder als »ideale Opfer«

Die europäische Polizeibehörde warnt, Verbrecherbanden könnten die Notlage ukrainischer Geflüchteter ausnutzen. Es drohe sexuelle Ausbeutung oder sogar illegale Adoption. Auch die Bundespolizei ist besorgt.
Ukrainische Geflüchtete am Berliner Hauptbahnhof: Einzelne Platzverweise für verdächtige Männer

Ukrainische Geflüchtete am Berliner Hauptbahnhof: Einzelne Platzverweise für verdächtige Männer

Foto: IMAGO/Marius Schwarz

Flüchtlinge aus der Ukraine stehen Europol zufolge besonders im Visier von Verbrecherbanden. Ihre Notlage werde von Menschenhändlern ausgenutzt, warnte die europäische Polizeibehörde am Dienstag in Den Haag.

Die Banden sähen gerade Frauen und Kinder als »ideale Opfer« – um sie als Arbeitskräfte oder sexuell auszubeuten oder sie zum Betteln zu zwingen. Kinder könnten Opfer von illegalen Adoptionen werden.

Etwa eine Million Kinder sind geflüchtet

Besonders gefährdet sind nach Angaben von Europol allein reisende Minderjährige. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind bereits etwa eine Million Kinder aus dem Kriegsgebiet geflüchtet, viele ohne Begleitung der Eltern. Europol mahnte zu besonderer Wachsamkeit an Grenzen, in Aufnahmezentren, Massenunterkünften sowie an Bahnhöfen. Dort hielten Verbrecher gezielt nach Opfern Ausschau.

Europol warnte insbesondere davor, dass sich Verbrecher als hilfsbereite Bürger ausgäben und vermeintlich gratis Unterkünfte oder Transport anböten beziehungsweise Arbeitsplätze in Aussicht stellten. Kriminelle suchten auch Kontakt über Plattformen für Flüchtlinge in den sozialen Medien.

Osteuropa ist Europol zufolge schon seit Jahren für Menschenhändler eine Schlüsselregion. Viele Banden hätten ihre Wurzeln in Nachbarländern der Ukraine.

Einzelne Fälle auch am Berliner Hauptbahnhof

Auch vom Berliner Hauptbahnhof hatte es kurz nach Beginn des Kriegs Berichte darüber gegeben, dass verdächtige Männer ukrainische Frauen angesprochen hätten. Es habe sich um eine Fallzahl im »unteren zweistelligen Bereich« gehandelt, wie die Bundespolizei auf Medienanfragen mitteilte.

Auch die ehrenamtlichen Helfenden am Hauptbahnhof hatten immer wieder auf solche Einzelfälle hingewiesen. Die Polizei habe daraufhin Platzverweise ausgesprochen.

Zuletzt hieß es, die Aufmerksamkeit der Polizei und der Öffentlichkeit zeige Wirkung: Die Täter würden den Hauptbahnhof inzwischen meiden.

has/dpa