Moorbrand in Meppen Landkreis Emsland ruft Katastrophenfall aus

Seit Wochen schwelt der Moorbrand auf einem Bundeswehrgelände in Meppen. Der Landkreis kann Evakuierungen nicht mehr ausschließen - und hat den Katastrophenfall ausgerufen.

Bundeswehr/WTD 91

Wegen des Moorbrandes in Meppen müssen eventuell die Gemeinde Stavern evakuiert werden. Dieser Schritt könne nicht mehr ausgeschlossen werden, teilte Reinhard Winter mit, Landrat des Kreises Emsland. Betroffen wären etwa tausend Einwohner. Der Kreis rief den Katastrophenfall aus.

Aufkommender Sturm facht den Brand an. "Eine ganz konkrete Prognose ist derzeit nicht möglich, dennoch ist zu erwarten, dass sich Rauchbelästigung und Funkenflug verschärfen", sagte Winter. Der Landkreis sei gut vorbereitet und wolle keine Unruhe erzeugen. Man wolle die Staverner aber frühzeitig darauf aufmerksam machen, dass eine Evakuierung nicht mehr undenkbar sei.

Das Feuer auf einem Gelände der Bundeswehr brennt seit mehr als zwei Wochen. Der Rauch zieht weithin über das Land. Selbst im fast 200 Kilometer entfernten Hamburg ist nach Angaben der Behörden bei bestimmten Windrichtungen teilweise Brandgeruch wahrnehmbar.

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Moorbrand in Meppen: Das Dauerfeuer

Ein Raketentest auf dem ausgetrockneten Gelände hatte das Feuer ausgelöst. Weil keine funktionsfähigen Löschfahrzeuge bereitstanden, konnten sich die schwer zu löschenden Flammen ausbreiten. Hunderte Einsatzkräfte bekämpfen den Brand. Die Bundeswehr entschuldigte sich bei den Betroffenen.

Wegen des Brandes hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Grünen im niedersächsischen Landtag hatten angekündigt, Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Bundeswehr zu erstatten.

Die niedersächsische Regierung befürchtet gesundheitliche Belastungen für die Bevölkerung. Landesinnenminister Boris Pistorius (SPD) kündigte an, das Land werde die Lage selbst untersuchen. Zur Begründung verwies er darauf, dass der Kreis Emsland und die Bundeswehr etwas abweichende Angaben zur Belastung gemacht hätten. Laut Bundeswehr gebe es keine Gefahr, der Kreis spreche zumindest von einer "Gesundheitsbelastung", sagte der Minister. "Wir werden sehen, dass wir eigene Erkenntnisse bekommen."

"Rauchentwicklung ist das aktuell dringlichste Problem"

Der Landkreis hatte unter Verweis auf Luftmessungen der Feuerwehr am Mittwoch mitgeteilt, dass nach der Einschätzung seiner Fachleute keine Gesundheitsgefahren für die Anwohner bestünden. "Die Rauchentwicklung ist das aktuell dringlichste Problem für die Anwohner, gleichwohl weisen wir darauf hin, dass unser Fachbereich Gesundheit aktuell keine Gesundheitsgefährdung durch den Qualm erkennt", hatte Landrat Winter (CDU) erklärt.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag forderten vom Land, Messdaten zu veröffentlichen und weitere Analysen zu machen. Die Regierung müsse "Verantwortung" übernehmen, sagte deren Expertin Meta Janssen-Kucz der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es müsse "dringend" geklärt werden, ob Schul- und Kindergartenkinder sowie Arbeitnehmer sich unbedenklich im Freien aufhalten könnten.

Im Video: Kilometerlange Rauchschwaden durch Moorbrand

TNN; dpa

ulz/AFP/dpa

insgesamt 68 Beiträge
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Spiegelpfau 21.09.2018
1. Dürre
Im Wald sollte man im trockenen Sommer nicht rauchen. Im trockenen Torf sollte man während einer Dürre keinen Raketentest(!) durchführen. Das wird ein CO2 und Feinstaub-Desaster. Wer bezahlt den Schaden des verlorenen Torfs?
testuser2 21.09.2018
2. Vielleicht kann sich ja Frau von der Leyen dort mal zeigen
Es fällt mir auf, dass Frau von der Leyen sich dort immer noch nicht gezeigt hat. Sie könnte doch hinfahren und den Leuten eine Entschädigung anbieten, die leben dort doch seit Wochen mit dem Rauch. Oder vermeidet sie, dass sich die Menschen ihr Gesicht im Zusammenhang mit dem durch die Bundeswehr ausgelösten Moorbrand einprägen ?
der schlägel 21.09.2018
3. Böse Erinnerungen ...
Es muss im Frühjahr 1978 gewesen sein, als wir von einem alten Bauernhaus im Teufelsmoor ein Reet/Strohdach abgedeckt, an die alte Torfstichkante gefahren und den "Berg" angesteckt haben. Es hat etwa 3 Monate gedauert bis der Schwelbrand im Torf, nach einer langen Regenperiode erloschen ist. Wie gut, dass nicht Sommer war!
TheFunk 21.09.2018
4. in öffentlichen Parks darf nicht gegrillt werden,
Wegen Brandgefahr. Und die Bundeswehr ballert wild durch die Gegend...In ausgetrockneten Gebieten...Während das Löschfahrzeug defekt ist. In der allgemeingültigen Maßeinheit "Maaßen" dürfte der Verantwortliche Bundeswehr-Kommandeur nächste Woche von seinem Posten wegen Inkompetenz abgezogen werden und zum Verteidigungsminister ernannt werden. Wetten, dass...?!
Korken 21.09.2018
5. Unglücksfall
Das ganze erscheint ein ziemlich dumm gelaufener Unglücksfall zu sein. Die Bundeswehr in Erfüllung ihrer Pflichten wird mit den Grünen erstmal mit einem Strafverfahren gedankt, obwohl die Staatsanwaltschaft eh schon ermittelt. Hauptsache Aktionismus. Hilfe? Unterstützung? Irgendwie typisch Deutschland.
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