Merci TV-Verbot für Politiker in Frankreich

Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin hat seinen Ministern den Auftritt in einer geplanten Reality-Fernsehserie verboten. Obwohl es sich dabei nicht mal um eine "Mist-Sendung" handeln soll..


Schwarzer Kanal: Vorbild Frankreich
Philips [M]

Schwarzer Kanal: Vorbild Frankreich

Paris - Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin hat nach Medienberichten seinen Ministern den Auftritt in einer geplanten Reality-Fernsehserie verboten. "Wenn Raffarin von der Absicht des französischen Privatsenders TF1 vorher informiert gewesen wäre, hätte er gleich Nein gesagt", schrieb die Tageszeitung "Libération" unter Berufung auf Mitarbeiter des konservativen Premiers. Raffarin soll von den Plänen erst aus der Presse erfahren haben. "Der Premierminister schätzt derartige Sendungen nicht." Er sei gegen eine Vermischung von Unterhaltung und Politik, hieß es.

TF1 will in der neuen Sendung "36 Stunden" einen Politiker 36 Stunden lang im Zusammenleben mit einer französischen Familie filmen, um "den Kontakt zwischen Bürgern und Politikern zu vertiefen". Erster Teilnehmer sollte im September Regierungssprecher Jean-François Copé sein, der in eine Lehrer-Familie integriert werden sollte. "Copé wird wohl oder übel absagen müssen", schrieb die Zeitung. TF1, der zahlreiche Reality-Sendungen wie "Star Academy" und "Ko Lanta" auf den Bildschirm bringt, versicherte, dies sei keine "Mist-Sendung". Nichts darin verstoße gegen die menschliche Würde.

Die Pilot-Sendung mit dem Staatssekretär des Justizministeriums Pierre Bédier ist bereits im Kasten, wird als "Test-Sendung" jedoch nicht ausgestrahlt. "Es war eine Lektion in Bescheidenheit", kommentierte dieser, nachdem er 36 Stunden lang eine Hebamme im Dienst begleitet hatte.



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