MH17 von "zahlreichen Objekten durchlöchert" Zwischenbericht stützt Abschussthese
- • MH17-Ermittlungen: Flugschreiber sind beschädigt - Daten aber offenbar intakt
- • MH17-Abschuss: Experten sehen Beweise für Raketentreffer
Hamburg/Den Haag - Der vom niederländischen Sicherheitsrat OVV veröffentlichte Zwischenbericht zu der im Juli über der Ostukraine abgestürzten Boeing 777 stützt indirekt die These, wonach die Maschine durch eine Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde. Es gebe keinerlei Hinweise auf technische Probleme oder auf ein Fehlverhalten der Crew, heißt es in dem 34 Seiten langen Dokument.
Demnach weisen Aufzeichnungen von Flugdatenschreiber und Cockpit-Stimmenrekorder sowie die Daten der Luftraumsicherung darauf hin, dass Flug MH17 ohne besondere Vorkommnisse den ukrainischen Luftraum durchquerte, bis der Kontakt um 15.20 Uhr deutscher Zeit abrupt abriss.
Speziell die Auswertung der Gespräche im Cockpit habe keinerlei Hinweis auf technische Probleme oder eine Notsituation an Bord gegeben, heißt es in einer Stellungnahme des OVV. Per Funk habe die Crew keinen Notruf an die ukrainische Flugsicherung abgesetzt. Um 15:20 und um 15:22 Uhr seien Funksprüche ukrainischer Lotsen von MH17 nicht mehr beantwortet worden.
Keine Wrackteile untersucht
Die internationale Ermittlergruppe habe bislang keine Wrackteile der abgestürzten Boeing untersuchen können, schreibt der OVV. Bilder von den Trümmern würden jedoch zeigen, dass die Maschine an mehreren Stellen von schnell fliegenden Objekten durchsiebt wurde und dadurch auseinanderbrach. Diese Beobachtung passt zu der These, wonach MH17 durch eine Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde. Ausdrücklich nennt der Zwischenbericht diese Erklärung jedoch nicht.
"Der Absturz von Flug MH17 hat die Welt schockiert und viele Fragen aufgeworfen", sagte OVV-Chef Tjibbe Joustra der Pressemitteilung zufolge. "Die ersten Ergebnisse der Untersuchung weisen auf eine externe Ursache hin. Es werden weitere Ermittlungen nötig sein, um diese genauer zu benennen." Seine Behörde glaube, dass dazu bald zusätzliche Beweismittel verfügbar sein werden.
Die Maschine der Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord war am 17. Juli über der umkämpften Ostukraine abgestürzt. Beide Konfliktparteien weisen sich seither die Verantwortung für die Katastrophe zu.
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Bewaffneter Separatist auf abgerissenem Leitwerk von Flug MH17 (am 17. Juli): Knapp acht Wochen nach dem Absturz hat der niederländische Sicherheitsrat OVV seinen Zwischenbericht veröffentlicht.
Einer von zwei Flugschreibern der abgestürzten Maschine: Auch Blackbox-Aufzeichnungen flossen in die Ermittlungen ein. Laut OVV ergaben sich dabei keine Hinweise auf ein technisches Problem.
Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war am 17. Juli mit 298 Menschen an Bord über der Ostukraine abgestürzt. Hier ist das Flugzeug kurz nach dem Start in Amsterdam zu sehen.
Absturzstelle bei Grabovo in der Ukraine: Laut Zwischenbericht brach die Maschine in der Luft auseinander; die Trümmerteile sind über mehrere Kilometer verteilt.
Bislang ist es den internationalen Ermittlern nicht gelungen, zur Absturzstelle vorzudringen. Einzig Forensiker und Polizisten schafften es in die Region, um Leichen und Leichenteile einzusammeln - hier ist die Gruppe bei einem Besuch am 4. August zu sehen.
Statt Wrackteile direkt zu untersuchen, mussten die Ermittlern mit Fotos vorlieb nehmen. So zeigt dieses Bild Zerstörungen an einem Stück Außenhaut nahe dem Bug der Maschine.
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