Suche nach MH370 "Sie haben unser Vertrauen verspielt"

Während Frankreich vor der Insel La Réunion nach weiteren Wrackteilen des verschollenen Flugs MH370 sucht, protestieren Angehörige der Opfer in Peking. Sie sind wütend auf Malaysias Regierung.

AP

Nach dem Fund eines Wrackteils auf La Réunion sucht Frankreich mit einem Flugzeug, Hubschraubern und Booten verstärkt nach weiteren Überresten des verschollenen Malaysia-Airlines-Fluges MH370. Auch französische Marineeinheiten sollen sich an der Suche beteiligen.

Das Flugzeug soll den Bereich vor der zu Frankreich gehörenden Insel im Indischen Ozean absuchen. Zudem will die Regierung Polizeikräfte auf La Réunion an Land sowie vor der Küste einsetzen.

Frankreich trage damit zu den internationalen Bemühungen bei, die Tragödie um die seit 17 Monaten verschwundene Boeing 777 aufzuklären, hieß es aus Paris. Schlechtes Wetter beeinträchtigte jedoch vorübergehend die Suche.

Wütende Proteste in Peking

Unterdessen protestierten Dutzende Angehörige der Opfer in der Nähe der malaysischen Botschaft in Peking. Die meisten Passagiere an Bord der Malaysia-Airlines-Maschine waren Chinesen. Bei der Demonstration kritisierten die Angehörigen Malaysias Regierung scharf für ihr Krisenmanagement. "Sie haben unser Vertrauen verspielt", sagte die 64 Jahre alte Dai Shuqin. Sie hatte fünf Familienmitglieder an Bord der Boeing.

"Malaysia, findet die Passagiere", riefen die Menschen. Einige Protestierende gerieten mit Polizisten aneinander, die die Botschaft abschirmten. Die Angehörigen verlangten, mit Regierungsvertretern zu sprechen, doch niemand zeigte sich. "Wir bleiben hier, bis jemand mit uns spricht", sagte eine Frau.

Nach einer Reihe von Falschmeldungen haben viele Angehörige kein Vertrauen mehr in die malaysische Regierung. Am Donnerstag sorgte die Aussage von Verkehrsminister Liow Tiong Lai erneut für Verwirrung, es seien auf La Réunion weitere Trümmerteile eines Flugzeugs gefunden worden. Französische Ermittler dementierten umgehend: Sie seien nicht im Besitz weiterer Wrackteile. Schon vorher war Kuala Lumpur mit der Meldung vorgeprescht, die vor rund einer Woche gefundenen Flügelklappe stamme eindeutig von der vermissten Boeing 777. Die Staatsanwaltschaft in Paris hatte sich vorsichtiger geäußert, sie sprach nur von "starken Vermutungen".

"Fehler gemacht"

Malaysia leitet als Heimatland der Fluglinie die Gesamtermittlungen zum Verschwinden der Maschine, doch Zweifel an der Ermittlungskompetenz der malaysischen Behörden gibt es schon seit Längerem. Auch in Frankreich äußert man Bedenken zur Vorgehensweise Malaysias.

"Jedes Mal, wenn es einen neuen Hinweis oder eine neue Information gibt, die noch nicht bestätigt wurden, verkündet Malaysia es, als sei es eine Tatsache", sagte Xavier Tytelman, Experte für Flugzeugabstürze. "Sie haben Fehler gemacht, immer wieder." Malaysia habe mittlerweile an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Auch Australien habe das Vertrauen teilweise verspielt, indem das Land das Suchgebiet geändert habe, "ohne zu erklären, warum".

Die vergangene Woche auf La Réunion angeschwemmte Flügelklappe wird in einem Labor bei Toulouse untersucht. An der Untersuchung in einem Labor des französischen Verteidigungsministeriums sind Experten aus Malaysia, China, Australien, Singapur, Frankreich und den USA beteiligt. Dabei soll auch geklärt werden, ob das Wrackteil Aufschlüsse über das Schicksal des Flugs oder den Absturzort zulässt.

kis/dpa/AFP/AP

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.