Ferguson nach Michael Browns Tod Eine Kleinstadt wird zur Kampfzone

Schwer bewaffnete Polizisten verschießen Tränengas und Rauchbomben, vermummte Demonstranten werfen Molotowcocktails: Die tödlichen Schüsse auf Michael Brown haben die US-Kleinstadt Ferguson in den Ausnahmezustand versetzt.


Ferguson/St. Louis - Polizisten in Kampfmontur stehen in einer Reihe, feuern Tränengas und Rauchbomben auf Demonstranten ab - diese antworten mit Molotowcocktails und Plünderungen: Der Tod des erschossenen schwarzen Teenagers Michael Brown hat aus der Kleinstadt Ferguson im US-Bundesstaat Missouri eine Kampfzone gemacht.

Die Protestierenden sind so wütend, dass die Behörden eine kleine Armee an schwer bewaffneten Sicherheitskräften zusammengezogen haben. Beruhigt hat sich die Lage dadurch aber nicht, im Gegenteil.

Jeden Abend seit Browns Tod versammeln sich die Demonstranten - friedlich sind die Proteste nicht geblieben. "Ich habe genug davon, wegen meiner Hautfarbe herumgestoßen zu werden. Ich bin diese Polizeibrutalität leid", sagte ein 18-jähriger Demonstrant. "Wir werden jede Nacht hier sein, bis wir Gerechtigkeit erfahren."

Bei den Protesten gab es bislang rund 40 Festnahmen. Es soll sogar versucht worden sein, Polizisten anzuzünden. Die Polizei setzte bislang offenbar nicht auf Deeskalation, ging hart vor, zwei Reporter wurden zwischenzeitlich festgenommen. Ein Kamerateam des Nachrichtensenders Al Jazeera musste sich in Sicherheit bringen, nachdem die Polizei Tränengas abgeschossen hatte, ein 19-Jähriger wurde laut der Zeitung "St. Louis Post-Dispatch" von Polizeikugeln getroffen und schwer verletzt.

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Krawalle nach Michael Browns Tod: Gespenstische Szenen in Ferguson
Browns Tod hat in der Kleinstadt etwas aufbrechen lassen, was unter der Oberfläche wohl schon länger brodelte. Zwei Drittel der gut 20.000 Einwohner sind schwarz, aber nur drei von 53 Polizisten. In Browns Tod sehen viele einen Fall von institutionellem Rassismus.

Der 18-jährige Brown war am vergangenen Samstag unterwegs, als er von einem weißen Polizisten erschossen wurde. Missouris Gouverneur Jay Nixon drängte die Polizei dazu, Rechte von Einwohnern und Presse zu achten. Er hoffe, dass die aktuelle Krise die Tragödie vom Samstag nicht noch verschlimmere.

Die Umstände von Browns Tod sind unklar. Laut Zeugenaussagen soll der Polizist Brown angesprochen und sich mit vorgehaltener Waffe genähert haben. Brown habe sich mit erhobenen Händen umgedreht und sei dann mit mehreren Schüssen niedergestreckt worden. Die Polizei sagt dagegen, Brown habe den Polizisten angegriffen, dieser habe sich in Notwehr verteidigt.

Fergusons Einwohner fordern eine umfassende Aufklärung von Browns Tod, die US-Justizminister Eric Holder bereits zugesichert hat. Kritiker werfen der Polizei jedoch Vertuschung vor, da der Name des Schützen bislang nicht öffentlich gemacht wurde. Die Polizei begründet die zurückhaltende Informationspolitik mit Drohungen gegen den Schützen.

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Erschossener Teenager in St. Louis: Auf die Straße für Michael Brown

ulz/Reuters

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RedKore 14.08.2014
1. Rassismus
ist in den USA ein riesen Problem, jeder Polizist der so denkt, sollte auf der Stelle entlassen werden. Ich kann die Anwohner verstehen, allerdings machen die Polizisten auch nur ihren Job und deshalb diese mit Molotow-Cocktails zu bewerfen kann ich kaum verstehen
MisterDurden 14.08.2014
2. Militarisierung der Polizei
Zitat von sysopAPSchwerbewaffnete Polizisten verschießen Tränengas und Rauchbomben, vermummte Demonstranten werfen Molotowcocktails: Die tödlichen Schüsse auf Michael Brown haben die US-Kleinstadt Ferguson in Ausnahmezustand versetzt. http://www.spiegel.de/panorama/michael-browns-tod-ferguson-in-missouri-gleicht-einer-kampfzone-a-986076.html
Natürlich sind jetzt alle ganz vorn dabei das Ganze ausschliesslich im Licht des Rassismuz zu interpretieren. Weiss gegen Schwarz. Dabei offenbart Ferguson ein ganz anderes Problem: die Militarisierung der Polizei, die das Volk als Kriegsgegner sieht. Der Staat ist ausser Kontrolle und das wird hier einmal mehr deutlich. Denn es sind nicht die "vermummten Demontstranten", die mit Machinengewehren, Hundestaffeln, Tränengas, Scharfschützen, Gummigeschossen und dergleichen in einer Kleinstadt auf die Polizei losgehen.
indy555 14.08.2014
3. I have a dream!
Wieder eine dieser unglaublich traurigen Geschichten...
chagall1985 14.08.2014
4. Zweidrittel Schwarze und 6% bei der Polizei?
Da stellt sich für mich folgende Frage: Ist das mit Auswahlrassismus der Behörden zu erklären oder mit Ablehnung der Instituionen der Stadt und des Landes durch die Schwarzen. Warum Schwarze? Weil ich finde, dass jede andere Formulierung mehr Ressentiment in sich birgt als diese. Nach dem Motto: Oh man wie nennen wir "Die" nur....? Weiter: Das Problem ist in den USA fundamental vorhanden. Wie sind Schwarz und ein schwarzer der sich bei den Institutionen bewirbt und anbiedert ist deren ...... Aber eben nicht mehr schwarz. So kommt es auch zu so komischen Situationen das schwarze erfolgreiche Menschen teilweise rassistischer und gnadenloser denken und handeln als Ihre weißen Kollegen. Nach dem Motto: Ich bin da raus gekommen, also kann das jeder. Jeder der da drin bleibt ist selbst Schuld und assozial. Und dieses da sind eben die schwarzen Getthos die es in jeder Stadt dieses Landes gibt ohne staatlich verordnete Rassentrennung.... Und eines haben alle Getthos der Welt gemein. Die Bevölkerung misstraut staatlichen Strukturen und solange sie sich sich gegenseitig zu stark abschlachten sind sie allen Anderen völlig egal.....
ichbinschlau 14.08.2014
5. Was haben
Geschäftsplünderungen mit dem Tod dieses jungen Mannes zu tun? Der größte Teil dieser ach so tief betroffenen Protestler haben nur Hunger und nun ein Grund umsonst einkaufen zu gehen.
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