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Michael Kors Zeichenstift statt Baseball

aus DER SPIEGEL 27/2022
Foto:

Jonas Gustavsson / Sipa USA / ddp

Der Modedesigner Michael Kors, 62, fürchtete sich als Teenager davor, dass jemand ihn als queer identifizieren könnte: »Ich war super, super dünn, sah ein bisschen androgyn aus, und da war diese Angst, bloßgestellt zu werden.« Allerdings sei er nicht so ängstlich gewesen, sich völlig zu verstellen und zu behaupten, er sei hetero. Das berichtet Kors jetzt über sein Coming-out im amerikanischen Magazin »Vogue«. Als Elf- oder Zwölfjähriger habe er sich lieber in seinem Zimmer eingeschlossen und gezeichnet, als rauszugehen und Baseball zu spielen. Einmal habe er seinen Stiefvater fragen hören, warum der Junge immerzu in seinem Zimmer hocke und Frauenkleider zeichne: »Was ist er, eine Tunte oder was?« Kors war zutiefst verletzt. Doch seine Mutter hielt zu ihm: Er sei talentiert und etwas Besonderes, antwortete sie. Freier konnte sich Kors erst im College fühlen, als er andere Homosexuelle kennenlernte. Während er sich mit 18 vor seinen Freunden als schwul outete, habe er seiner Mutter zunächst erklärt, er sei bisexuell – und das, obwohl sie sehr liberal war. Sie hätten zusammen im Auto gesessen, erzählt Kors, und nach einer intensiven Stille habe seine Mutter gesagt: »Das glaube ich nicht.« Weil er dachte, es würde den Schock mildern, wenn er von Bisexua­lität spreche, habe er eine Weile an seiner Behauptung festgehalten. Als er dann schließlich ausgesprochen habe, dass er schwul sei, habe seine Mutter geantwortet: »Ich möchte einfach, dass du glücklich bist – und ehrlich zu dir selbst.«

KS
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