Vorwürfe gegen Mike Jeffries Ex-Abercrombie-Chef soll Männer für Sex ausgebeutet haben
Mike Jeffries im Jahr 2009, als er noch an der Spitze des Modekonzerns stand
Foto: Mark Lennihan / APDem früheren Chef der Modemarke Abercrombie & Fitch und seinem britischen Partner wird vorgeworfen, Männer ausgebeutet zu haben. Das geht aus einer ausführlichen Recherche der BBC hervor. Diese ergab, dass über einen Mittelsmann junge Männer für Veranstaltungen mit Ex-CEO Mike Jeffries und Matthew Smith gebucht wurden. Acht Männer berichteten der BBC, dass sie an diesen Veranstaltungen teilgenommen hätten, einige von ihnen gaben an, ausgebeutet oder zu Sex genötigt worden zu sein.
Die BBC konfrontierte Jeffries und Smith mehrfach mit den Berichten und konkreten Nachfragen, diese ließen sie jedoch unbeantwortet. Der mutmaßliche Mittelsmann wies Fehlverhalten zurück, die Männer seien »mit offenen Augen« in diese Veranstaltungen gegangen. Die Modemarke Abercrombie & Fitch (A&F) – zu der auch das Label Hollister gehört – erklärte der BBC, man sei »entsetzt und angewidert« über das angebliche Verhalten des früheren Firmenchefs.
Zwei ehemalige US-Staatsanwälte, die unabhängig voneinander die von der BBC aufgedeckten Dokumente und Zeugenaussagen geprüft haben, haben eine Untersuchung gefordert, um festzustellen, ob Anklage wegen Sexhandels erhoben werden könnte. Nach US-amerikanischem Recht gilt als Sexhandel, wenn ein Erwachsener durch Gewalt, Betrug oder Zwang dazu gebracht wird, in einen anderen Staat oder ein anderes Land zu reisen, um dort gegen Geld Sex zu haben.
Hoffnung auf einen Job als Model bei Abercrombie & Fitch
Nach den BBC-Berichten soll der Modemogul junge erwachsene Männer für Sex ausgenutzt haben – auf Veranstaltungen, die er in seinen New Yorker Residenzen und Luxushotels auf der ganzen Welt, darunter in London, Paris, Venedig und Marrakesch, veranstaltete. Die acht Männer erklärten der BBC, sie seien für die Teilnahme an den Events bezahlt worden, viele hofften offenbar auch auf einen Vertrag als Model für die Modemarke.
Die Hälfte der Befragten gab an, nicht gewusst zu haben, dass es auch um Sex gehen würde. Vor Ort seien sie unter Druck gesetzt worden, an sexuellen Handlungen teilzunehmen. Die BBC bezeichnet das System des Anwerbens von jungen Männern für Sex-Events als »gut geölte Maschine« mit Prämien für die Empfehlung von geeigneten Männern. Die BBC-Recherche dauerte zwei Jahre und beschreibt Ereignisse aus den Jahren zwischen 2009 und 2015.
Von der begehrten Jugendmarke zum Schnösel-Label
Mike Jeffries war von 1992 bis 2014 Chef der Modemarke Abercrombie & Fitch. In dieser Zeit machte er den einstigen Outdoor-Anbieter zur hippen Modemarke, traf vor allem Ende der Neunzigerjahre das Lebensgefühl der amerikanischen Upperclass-Jugend. Klamotten von A&F galten als lässig und cool, Markenzeichen war der männliche freie Oberkörper mit Waschbrettbauch, der auf Verkaufstüten prangte. A&F galt damals als begehrteste Jugendmarke des Planeten.
Doch dann rutschte das Modelabel in die Krise, Jeffries provozierte mit Push-up-Bikinis und Stringtangas für Achtjährige einen Aufschrei, das Unternehmen musste wegen Rassismus Millionen Dollar Entschädigung zahlen, da es fast nur weiße Angestellte hatte. Der Firmenchef geriet zudem wegen seiner Aussage, nur durchtrainierte Kunden mit Waschbrettbauch haben zu wollen, in die Kritik. Das Schnösel-Image wurde Ende der Nullerjahre zunehmend zur Belastung, das ehemalige Trendlabel verlor den Anschluss an billigere Rivalen. 2014 verließ Jeffries das Unternehmen , das danach auch an der Börse abstürzte.