Milliardäre Skandal um Bier-Baroness

Eine belgische Brau-Milliardärin heiratet ihren 15 Jahre jüngeren Liebhaber von nicht astreinem Ruf. Banker sehen Gefahr für eines der größten Bier-Imperien.
Von Rudolf Wagner

Brüssel - Ein freundliches Gesicht, die weißen Haare nach hinten gerafft, ein mütterlich ausladender Körperbau, ein rüschenverziertes Kleid und als Halsschmuck ein goldenes Kreuz an einem Kettchen, so sitzt Amicie Baroness von Spoelberch nachmittags gern in ihrem Lehnsessel wie ein gereiftes Abbild von Lebenserfahrung. Sie ist 78 Jahre alt.

Gerade eben erst hat sie Luka Bailo geheiratet, einen belgisch-jugoslawischen Kaufmann mit männlich gefurchtem Antlitz, randloser Brille, durchtrainiertem Körper, 63 Jahre. Natürlich hat es ordentlich Getuschel über den Altersunterschied der beiden Eheleute gegeben, aber selbst im katholischen Belgien ist man längst tolerant geworden und sieht über Kleinigkeiten hinweg.

Die beiden könnten also unter Ausschluss der Öffentlichkeit glücklich werden, wenn nicht die Familie Spoelberch zu 25 Prozent Mitinhaberin eines weltumspannenden Brauimperiums wäre. Die Baroness allein wird von Finanzfachleuten auf knapp fünf Milliarden Mark Vermögen geschätzt, und deswegen beobachten viele Banker ihren Umgang mit Argwohn. 120 Biersorten, darunter viele Premiumbiere und Spezialitäten, die in mehr als 100 Ländern der Erde verkauft werden, gehören zu ihrer Interbrew AG. Wer Stella Artois trinkt, Whitbread, Bass oder Mexikos Femsa Cerveza, macht die Baroness mit jedem Schluck ein bisschen reicher. Im vergangenen Dezember wurde ein großes Aktienpaket der Interbrew  privatisiert. Es ist anzunehmen, dass die Baroness vom Verkaufserlös ein Sümmchen abbekam.

Wahrscheinlich profitierte auch der Gatte mit der doppelten Staatsangehörigkeit vom Börsensegen. Was die Finanziers erregt: Luka Bailo ist in Belgien bekannter, als ihm lieb ist. Da gibt es eine junge Dame, die ihn gerade wegen Vergewaltigung angezeigt hat. Sie sei zur Tatzeit 14 Jahre alt gewesen. Ob die Aussage stimmt, weiß sie am besten. Wahr ist, dass Bailo 1999 einmal die Polizei zur Hilfe gerufen hat, weil er Opfer eines Einbruchs geworden sei. Als sich die Beamten am vermeintlichen Tatort umsahen, entdeckten sie versteckte Waffen und Schmuck im Wert von 15 Millionen Mark. Prompt musste Bailo die Nacht im Kittchen verbringen, bis ihn die Baroness befreite. Der Schmuck gehöre ihr, sagte sie aus, und die Waffen seien zur Verteidigung...

Das Ehepaar glaubt an ein Komplott, an dem belgische Börsianer, aber auch Polizisten und Richter beteiligt sind, damit Amicie und Luka nicht ihr Glück genießen und das viele Geld teilen können. "Alle Versuche, Luka in den Dreck zu ziehen, haben mich nicht daran gehindert, ihn vor wenigen Wochen zu heiraten", sagte die Baroness der belgischen Zeitung "Het Laatste Nieuws". "Luka ist ein Ehrenmann. Niemand wird mich daran hindern, mit ihm alt zu werden."

Mutige Worte für eine Dame im 78. Lebensjahr.