Milliardenschäden Flut verwüstet riesige Ackerland-Flächen in den USA

Die Verzweiflung im Herzland der USA wächst: Am Mississippi sind schon 20 Deiche überflutet, mindestens zwei Millionen Hektar Acker- und Weideland wurden durch die Wassermassen vernichtet - jetzt drohen Ernteausfälle im großen Ausmaß.


Gulfport - Behördenvertreter veranschlagten die durch Ernteausfälle bisher entstandenen Schäden auf mindestens drei Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro). Und die Überschwemmungsgefahr ist noch nicht vorbei. Das beim Deichschutz eingesetzte Pionierkorps des Heeres geht davon aus, dass an der wichtigsten Wasserstraße der USA von Iowa bis Missouri noch 20 bis 30 Dämme überflutet werden oder brechen könnten.

Nach sintflutartigen Regenfällen waren in der vergangenen Woche zunächst im Osten Iowas mehrere Flüsse über die Ufer getreten. Sie speisen den Mississippi, und die Wassermassen drücken den Pegel nun flussabwärts nach oben.

Am Dienstag war zunächst bei Gulfport (Illinois) ein Damm gebrochen, ein zweiter am Mittwoch nicht weit davon entfernt. Insgesamt sind damit in dieser Woche schon 20 Deiche am Fluss überflutet worden oder gaben unter dem Druck der Wassermassen nach.

"Wir waren entsetzt, dass dieser Damm gebrochen ist", sagte Patti Thompson vom Katastrophenschutz. Er sei im Vorfeld als mögliche Schwachstelle bekannt gewesen und mit Sandsäcken abgesichert worden. Aber der Mississippi sei ein "sehr gewaltiger Fluss", der selbst in trockeneren Zeiten kaum zu bändigen sei, fügte Thompson hinzu.

Mehr als tausend Angehörige der Nationalgarde und zahlreiche Insassen staatlicher Gefängnisse bemühten sich im ganzen Bundesstaat, die Wälle zu verstärken, wie eine Sprecherin des Katastrophenschutzes von Illinois dem Nachrichtensender CNN sagte. Laut der Zeitung "New York Times" wurden in Dutzenden Städten entlang des Mississippi rund 30 Dämme abgestützt.

Die meisten betroffenen und bedrohten Gebiete am Fluss sind nur spärlich bewohnt. Überflutet wurde am Mississippi bis zum Mittwochabend hauptsächlich Farm- und Industrieland. Nur wenige sehr kleine Ortschaften mussten evakuiert werden. Wie US-Fernsehsender berichteten, wurden in Regionen mit größeren Bevölkerungszahlen die Mississippi-Deiche von vornherein höher und stärker gebaut als in landwirtschaftlichen Anbaugebieten.

In vielen Ortschaften waren Freiwillige auch am Mittwoch dabei, Millionen von Sandsäcken zu füllen. Es wird erwartet, dass sich die Lage am Mississippi zum Wochenende zu entspannen beginnt - erst dann wird auch das volle Ausmaß der Gesamtschäden sichtbar werden.

jdl/dpa/AP



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