Festnahmen nach Banken-Hack Erst der Raub, dann die Rolex

Sie prahlten auf Bildern mit ihrer Beute, kauften sich teure Uhren und Autos - nach dem spektakulären Cyber-Millionenraub in New York hat die Polizei sieben Verdächtige festgenommen. Zuletzt gab es in der Bande offenbar Streit, der mutmaßliche Chef der Gang ist tot.

DPA

New York - 45 Millionen Dollar innerhalb weniger Stunden - einer international operierenden Bande von Cyber-Kriminellen ist einer der größten Raubzüge des 21. Jahrhunderts gelungen.

Bei den zwei Aktionen im Dezember 2012 und Februar 2013 gingen die Täter mit chirurgischer Präzision vor, manipulierten Kreditkarten und Konten. Doch wer die Drahtzieher hinter dem ausgeklügelten Verbrechen sind, ist noch unklar.

Die Polizei nahm in New York zwar sieben Verdächtige fest - sie sollen für die Operation in Manhattan verantwortlich sein, wo laut US-Ermittlern innerhalb von 24 Stunden 2,8 Millionen Dollar abgehoben wurden. Doch die Männer sind nur als Helfer angeklagt, die das Bargeld von den manipulierten Konten abhoben.

Bei den New Yorker Handlangern handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um amerikanische Staatsbürger mit dominikanischen Wurzeln. Demnach ist die Gruppe sehr jung, die Mitglieder sind größtenteils zwischen 22 und 24 Jahre alt.

Die Verdächtigen lebten den Ermittlern zufolge in dem New Yorker Vorort Yonkers. Laut der ermittelnden Staatsanwältin Loretta Lynch ein eingeschworener Trupp, die Männer hätten sich untereinander gut gekannt, seien sogar zusammen für die New Yorker Zelle rekrutiert worden. Von wem sagte sie nicht.

Überlegener Blick, die Finger lässig zu Pistolen geformt, zwischen ihnen ein Batzen Geld - auf Fotos, die die Ermittler auf dem Handy eines Verdächtigen fanden, posieren zwei der mutmaßlichen Täter betont lässig mit Teilen ihrer Beute in einem Auto. Stolz und Hochmut, die ihnen zum Verhängnis wurden. Mit ihren Bildern lieferten sie den Ermittlern weitere Beweise.

Verdächtiger in der Karibik getötet

Bei den Festgenommen wurden laut Staatsanwaltschaft neben "mehreren hunderttausend Dollar" in bar und auf Konten Schmuck und Luxuskarossen gefunden, darunter Rolex-Uhren, ein Mercedes-Geländewagen und ein Porsche Panamera. Offenbar ein Versuch, das erbeutete Geld zu waschen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft behielten die Männer 20 Prozent der Beute, der Rest sei an die offenbar noch unbekannten Hintermänner weitergereicht worden.

Der Achte im Bunde, der mutmaßliche Anführer der New Yorker Truppe, wurde laut Staatsanwaltschaft bereits Ende April in der Dominikanischen Republik in der Karibik getötet. Demnach wurde die Leiche von Alberto Yusi Lajud-Peña neben einem Koffer mit 100.000 Dollar gefunden. Ein Mann, der in Verbrecherkreisen "Prime" und "Albertico" genannt wurde.

Das US-Magazin "Wired" berichtet auf seiner Internetseite, der 23-Jährige sei regelrecht "niedergemäht" worden, als er gerade mit zwei Freunden Domino spielte.

Ob der Mord an dem Achten etwas mit der Tat zu tun hat, sei unklar, sagte Staatsanwältin Lynch. Der örtlichen Zeitung "La Nación Dominicana" zufolge, gehen die Ermittler jedoch davon aus, dass die Tat mit internen Streitigkeiten in der Bande zusammenhängt. Demnach habe es Unstimmigkeiten gegeben, wie die Beute aus den New Yorker Raubzügen verteilt werden sollte.

Die Nachrichtenagentur AP berichtet unter Berufung auf örtliche Behörden, dass im Zusammenhang mit dem Mord ein Mann festgenommen wurde, zwei weitere Verdächtige seien auf der Flucht. Laut "Wired" hat es dagegen drei Festnahmen gegeben.

Die Inhaftierten werden nicht als die verantwortlichen Hacker angeklagt, aufgrund der illegalen Abhebungen und der damit verbundenen Einkäufe werden ihnen unter anderem Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. Sie erklärten sich für nicht schuldig. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft wegen Geldwäsche und 7,5 Jahre Haft wegen Betrugs.

gam/AP/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
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Zündkerze 10.05.2013
1. Patrick und Thadeus
Die Gesichter dieser Figuren sagen eigentlich schon alles, Die jenigen die da ein wenig Gehirnschmalz reingesteckt haben müssen Hintermänner gewesen sein. Mal wieder hat die Bankenwelt bewiesen das Ihre Produkte mangelhaft und nur aufs schnelle Geld (für die Bank) aus sind. Und zu allem Überfluss läuft ständig der lächerliche TV Spot einer xy Bank mit dem Spruch "warum haben wir eigentlich kein Vetrauen mehr zu Banken" . Ja, warum nur !?
hdudeck 10.05.2013
2. Und wieder einmal scheint nur die Dummheit der Taeter
die Polizei auf die Spur gebracht zu haben. Was mich aber wundert ist, wie die Bande mit so viel Bargeld Wertgegenstaende wie Autos bezahlt haben sollen. Cash Transaction ueber $10.000 muessen in den USA gemeldet werden, dazu zaehlen auch Abschlagzahlungen, die addiert werden.
Moxie 10.05.2013
3. Aw:
Nun ist es wieder ein Raub? Zwischendurch wart Ihr doch schon mal bei dem korrekten "Diebstahl". Der stabreimt natürlich nicht so schön mit Rolex. "Offenbar ein Versuch, das erbeutete Geld zu waschen" "Offenbar" heißt hier wie anscheinend heutzutage fast immer eben nicht offenbar, sondern wilde Vermutung. Wie sollte man mit dem Kauf von Luxusgegenständen die Herkuft großer Bargeldmengen verschleiern ("waschen") können?
Mimimat 10.05.2013
4. Stimmt!
Zitat von MoxieNun ist es wieder ein Raub? Zwischendurch wart Ihr doch schon mal bei dem korrekten "Diebstahl". Der stabreimt natürlich nicht so schön mit Rolex. "Offenbar ein Versuch, das erbeutete Geld zu waschen" "Offenbar" heißt hier wie anscheinend heutzutage fast immer eben nicht offenbar, sondern wilde Vermutung. Wie sollte man mit dem Kauf von Luxusgegenständen die Herkuft großer Bargeldmengen verschleiern ("waschen") können?
Die Punkte sind mir auch aufgefallen, besonders der "Raub". Wo da die dafür nötige Gewalt bzw. das Drohen mit Gewalt ist, bleibt mir schleierhaft.
leser008 10.05.2013
5. Raub ?
Zitat von MimimatDie Punkte sind mir auch aufgefallen, besonders der "Raub". Wo da die dafür nötige Gewalt bzw. das Drohen mit Gewalt ist, bleibt mir schleierhaft.
Die kleinen Lichter haben das System ja nicht selbst gehackt, sondern im Auftrag entweder Geld von Konten abgehoben auf das es von den Tätern transferiert worden war. Oder mit prepaid Kreditkarten eingekauft und abgehoben. Bei diesen Karten geht das nur, wenn ein entsprechendes Guthaben angezeigt wird. Da bekomme ich Raub oder Diebstahl für die "Dominikaner" nicht hin. Wahrscheinlich müssen die Amis da mit irgendwelchen Conspiracy Tatbeständen rumschwurbeln oder die Deppen werden zu Tellolisten umgestemelt. Unklar bleibt, warum die Typen mit der Kohle nicht in der DomRep oder sonstwo in Mittelamerika abgetaucht sind.
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