White Island Millionenentschädigung für Opfer von Vulkanausbruch in Neuseeland
Ausbruch auf der Vulkaninsel Whakaari/White Island im Dezember 2019
Foto: Michael Schade/ APMehr als vier Jahre nach dem Tod von 22 Menschen infolge eines Vulkanausbruchs in Neuseeland hat ein Gericht den Angehörigen der Opfer und den Überlebenden eine millionenschwere Entschädigung zugesprochen. Bei der Eruption auf der Vulkaninsel Whakaari/White Island im Dezember 2019 waren außerdem 25 Besucher verletzt worden.
Insgesamt sollen die 47 betroffenen Familien von drei Unternehmen zehn Millionen Neuseeland-Dollar (5,6 Millionen Euro) als Wiedergutmachung erhalten, urteilte am Freitag ein Richter des Bezirksgerichts in Auckland.
Unzureichende Sicherheitsinformationen
»Die Sicherheitsinformationen, die die Reiseveranstalter ihren zahlenden Kunden zur Verfügung stellten, waren völlig unzureichend und informierten die zahlenden Kunden nicht ausreichend über die Gefahren, das Risiko und die Folgen eines Ausbruchs«, so der Richter.
White Island nach dem Vulkanausbruch
Foto: George Novak/ New Zealand Herald/ AP/ DPAEs handelte sich um den ersten tödlichen Ausbruch des 320 Meter hohen Vulkans Whakaari seit dem Jahr 1914. Der Feuerberg war zuvor seit einiger Zeit verstärkt aktiv, trotzdem fuhren immer wieder Boote mit Touristen zur Insel. In der Reisegruppe, die sich zur Zeit des Ausbruchs dort aufhielt, waren Besucher aus Deutschland, Australien, China, Malaysia, den USA und Großbritannien. Die meisten Todesopfer stammen aus Australien.
Ein Deutscher verstarb
Ein 64-jähriger Deutscher war sieben Monate nach dem Unglück im Juli 2020 an seinen Verletzungen gestorben. Drei Deutsche wurden verletzt.
Den Hauptanteil der Entschädigung müssen der Eigentümer der Insel, Whakaari Management, und White Island Tours tragen, der Anbieter, der die Ausflügler per Boot auf die Insel brachte. Einen kleineren Anteil muss der Hubschrauberbetreiber Volcanic Air Safaris zahlen. Alle drei Unternehmen sowie zwei weitere Touranbieter wurden zudem zu Geldstrafen verurteilt.
»Symbolische Anerkennung dieses Leides«
»Nur sehr wenige konnten dem Ausbruch ohne ernsthafte Verletzungen entkommen. Für die übrigen war das Leid immens«, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung. »Es gibt keine Möglichkeit, das emotionale Leid zu messen, das Überlebende und betroffene Familien erlitten haben und weiterhin erleiden werden.« Wiedergutmachung könne in einem Fall wie diesem nur eine symbolische Anerkennung dieses Leides sein.
Der Staatsanwalt der Arbeitsaufsichtsbehörde Worksafe hatte während der Anhörung erklärt, dass die Reiseveranstalter angegeben hätten, nicht in der Lage zu sein, die Geldstrafen zu zahlen, aber der Richter argumentierte, dass die Geldstrafen auch dann verhängt werden sollten, wenn sie nicht gezahlt würden.
Die fünf betroffenen Unternehmen befänden sich entweder in Liquidation, waren nicht mehr im Geschäft, befanden sich in einer schwachen Finanzlage oder hatten keine Vermögenswerte, so das Urteil.
Neuseeland liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Whakaari/White Island gilt als der aktivste Vulkan des Pazifikstaats. Die Vulkaninsel liegt knapp 50 Kilometer vor der neuseeländischen Ostküste.