Millionenprozess in München Klattens Erpresser legt volles Geständnis ab

Er wollte Deutschlands reichste Frau um Millionen erpressen - jetzt hat Helg Sgarbi vor dem Münchner Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. Sein Anwalt sagte zu Prozessbeginn, der 44-jährige Schweizer räume die Vorwürfe "im Kern" ein und bitte um Entschuldigung.


München - Sgarbis Anwalt Egon Geis verlas zu Prozessbeginn am Montag eine Erklärung, in welcher der 44 Jahre alte Schweizer Helg Sgarbi zugibt, die Milliardärin Susanne Klatten und weitere Frauen um knapp 9,4 Millionen Euro betrogen und erpresst zu haben.

Sgarbi sagte, er bedaure seine Taten "zutiefst". Er entschuldige sich "hier in aller Öffentlichkeit gegenüber den geschädigten Damen". Der 44-Jährige gestand, dass er seine Opfer mit Bildern von intimen Treffen erpressen wollte. Allein von Quandt-Erbin Klatten habe er 49 Millionen Euro gefordert.

Mit dem Geständnis Sgarbis könnte Klatten sowie drei weiteren Frauen eine Aussage vor Gericht erspart bleiben. Auf Antrag der Verteidigung hatte die Staatsanwaltschaft die Namen der drei anderen Opfer in der Anklage nicht verlesen, um ihnen weiteren Schaden zu ersparen. Zum Verbleib des Geldes und möglichen Mittätern machte der Angeklagte keine Angaben. Ihm droht jetzt eine langjährige Gefängnisstrafe.

Unter großem Medienandrang hat am Montag vor dem Münchner Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Erpresser begonnen. Elegant gekleidet und im Blitzlichtgewitter der Fotografen betrat Sgarbi den mit rund 200 Zuschauern und Medienvertreten voll besetzten Gerichtssaal. Ihm werden versuchte Erpressung, Betrug und versuchter Betrug in besonders schweren Fällen vorgeworfen.

In edlen Wellness-Hotels lernte der Schweizer die Frauen kennen. Im Sommer 2007 soll er die an BMW und dem Chemiekonzern Altana beteiligte reichste Frau Deutschlands, Susanne Klatten, verführt haben. Kurz darauf soll er sie mit der erfundenen Geschichte, er habe ein Kind angefahren und müsse sich freikaufen, um sieben Millionen Euro betrogen haben.

Als die Affäre im Oktober 2007 endete, soll Sgarbi versucht haben, mit einem heimlich gedrehten Video 49 Millionen Euro von der Quandt-Erbin zu erpressen. Die Milliardärin zeigte ihn an, am 14. Januar 2008 wurde er in Österreich verhaftet.

Neben Klatten soll Sgarbi noch andere wohlhabende Frauen um Hunderttausende Euro betrogen haben. Drei weitere Fälle werden gemeinsam mit dem der Milliardärin verhandelt. Der Prozess ist für vier Tage angesetzt.

ala/ddp/AP/AFP/dpa



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