Millionenvergleich Krematoriumsbetreiber lässt Hunderte Leichen verwesen

Mit einem Vergleich endete jetzt der Prozess gegen den Inhaber eines Krematoriums im US-Staat Georgia. Der Unternehmer hatte über 300 Leichen auf seinem Firmengelände unbestattet verwesen lassen. Jetzt soll seine Versicherung 80 Millionen Dollar zahlen.


Rome/USA - Bereits vor zwei Jahren waren die desolaten Zustände im "Tri-State Crematory" in dem kleinen Ort Noble im Nordwesten Georgias entdeckt worden: Nachdem ein Spaziergänger einen menschlichen Schädel im Wald nahe des Krematoriums gefunden hatte, durchkämmte die Polizei das gesamte Unternehmensgelände.

Ein Katastrophenteam der "Georgia Emergency Management Agency" barg dabei 334 nicht bestattete Leichen auf dem Grundstück, der Großteil davon im Zustand der Verwesung. Der Angeklagte Brent Marsh, der das Unternehmen seit 1996 leitete, erklärte, die Toten seien nicht eingeäschert worden, weil die Brennkammer defekt sei.

Da er Geld für Einäscherungen kassierte, die er nie durchgeführt hat, wurde Marsh wegen Betrugs angeklagt. Die Angehörigen hatten für seine Dienste zwischen 200 und 1500 Dollar gezahlt. Doch nicht nur der finanzielle Schaden stand zur Debatte. Um den skandalösen Schwindel mit den Toten zu kaschieren, hatte Marsh eine Art Zementpuder statt Asche in die Urnen gefüllt. Knapp 1700 der Angehörigen klagten auf Schmerzensgeld.

Bis zu dem Skandal verfügte die Familie offenbar über einen tadellosen Ruf: Marshs Vater war angelernter Totengräber, hatte das Unternehmen aufgebaut und zum Erfolg geführt. Die Mutter unterrichtete an der örtlichen Schule und wurde mit dem Titel "Vorbildliche Bürgerin im Landkreis" ausgezeichnet. Bruder Ray schließlich wirkte ehrenamtlich als Schatzmeister der Pfarrgemeinde und kümmerte sich besonders um Kinder.

Etwa 30 Bestattungsunternehmen aus Georgia, Alabama und Tennessee hatten regelmäßig Leichen zur Einäscherung nach Noble gebracht. Sie haben bereits 36 Millionen Dollar Schmerzensgeld an die Hinterbliebenen gezahlt. Der nun erzielte Vergleich beläuft sich auf Zahlungen von 80 Millionen Dollar. Wie die Anwälte von Marsh jetzt mitteilten, wird wohl die Versicherung des Angeklagten die Zahlung der horrenden Summe übernehmen. Die Einzelheiten des Vergleichs sollen heute ausgehandelt werden.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.