Minenunglück in der Ukraine Wenig Hoffnung für die Vermissten

Es ist das vermutlich schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Ukraine: Nach einer Explosion in einem Schacht in Donezk haben Rettungskräfte 77 Tote geborgen. Weitere 23 Kumpel haben das Unglück vermutlich nicht überlebt.


Kiew - Die Methangas-Explosion ereignete sich am Sonntag um drei Uhr morgens in 1000 Metern Tiefe. Ersten Erkenntnissen zufolge soll bei Bohrungen zur Vorbereitung von Sprengungen ein Funke das hochexplosive Grubengas entzündet haben. Zum Zeitpunkt des Unglücks hielten sich 457 Bergleute unter Tage auf.

Der Bergmann Witali Kwitkowski konnte sich aus der Grube retten: "Die Temperatur stieg stark an und es war alles so voller Staub, dass ich überhaupt nichts sehen konnte", sagte der Arbeiter dem ukrainischen Fernsehsender Channel 5. Er habe über seine toten Kollegen steigen müssen, um an die Oberfläche zu klettern.

Mehr als 350 Kumpel wurden bereits aus der Grube Sasjadka in der Region Donezk gerettet. Weitere 31 Arbeiter werden jetzt noch vermisst. Für sie gibt es nur wenig Hoffnung. Zurzeit kämpfen Rettungskräfte gegen das Feuer, das die Explosion unter Tage ausgelöst hat. Weil die Temperaturen gestiegen seien, habe sich die Situation verschlimmert, sagte Andrej Klyjujew, Leiter einer Untersuchungskommission, der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Rettungarbeiten werden aber dennoch fortgesetzt, es besteht immer noch die Chance, die Bergleute zu retten."

Unterdessen spielten sich im Bürogebäude des Minenbetreibers bewegende Szenen ab. Dutzende Angehörige warteten auf Neuigkeiten von den Vermissten und stürmten schließlich das Büro des Minen-Direktors. "Wir fordern zumindest irgendeine Art von Information," soll eine Frau gerufen haben, berichtet Reuters. "Wir warten jetzt seit 24 Stunden und das einzige, was wir zu hören bekommen sind Versprechungen. Niemand sagt uns irgendwas." Als die Namen der Toten vorgelesen wurden, brachen viele in Tränen aus, einige fielen in Ohnmacht.

Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko reiste heute nach Donezk, um sich ein Bild von der Katastrophe machen. Bereits am Sonntag hatte er Premier Viktor Janukowitsch vorgeworfen, er habe es versäumt den Bergbau zu reformieren und die Sicherheitsstandards zu verbessern. In der Region wurde eine dreitägige Trauer angeordnet.

Die Sasjadka-Grube wurde 1958 in Betrieb genommen. Sie zählt zu den größten der Ukraine: 10.000 Kumpel fördern dort täglich bis zu 10.000 Tonnen Kohle. Wegen der hohen Konzentration von Methangas in den Schächten, zählt das Bergwerk zu den gefährlichsten der Ukraine.

nsu/Reuters/dpa/AFP/AP



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