Minister Müller und die Umwelt Nicht ohne Ferrari

Werner Müller hat sich als durchaus listiger Minister geoutet: Mit einem kleinen Trick erreichte er, dass deutsche Luxusautos vom schlimmen oberen Ende einer Umweltskala in die erträgliche Mitte rutschten.


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erner Müller, der bisher eher als Phlegmatiker im politischen Hochgeschwindigkeitsbetrieb galt, outet sich als Anhänger der roten Rennwagen aus der italienischen Boliden-Schmiede Ferrari. Seit Monaten streitet der parteilose Wirtschaftsminister mit seinem grünen Dauerrivalen, Umweltminister Jürgen Trittin, über die Umsetzung einer EU-Richtlinie: Brüssel will die Autobranche verpflichten, Käufer von Neuwagen über den Ausstoß klimaschädigender Abgase ihrer Fahrzeuge zu informieren.

Ferrari 575M - der lässt Müllers Herz schneller schlagen
AP

Ferrari 575M - der lässt Müllers Herz schneller schlagen

Nach langem Hin und Her einigten sich die Abteilungsleiter beider Ministerien auf eine CO2-Skala, die die Bandbreite der Emissionen aller gängigen Modelle darstellt. Autokäufer könnten so auf einen Blick erkennen, wie umweltfreundlich ihr Wunschauto ist.

Laut einem Vermerk legte Müller allerdings sein Veto dagegen ein, dass die Skala nach oben bei 450 g/km endet: Sie müsse bis 600 g/km erweitert werden, um auch die roten Geschosse aus Maranello zu erfassen. Doch von den 3,34 Millionen im Jahr 2001 neu zugelassenen Pkw pusten gerade mal 133 ­ mit einer Ausnahme alles Ferraris ­ mehr als 450 g/km in die Atmosphäre.

In Wahrheit will der listige Wirtschaftsminister erreichen, dass die großen Nobelkarossen aus Stuttgart und München auf der Skala in der ökologisch korrekten Mitte landen ­ und das geht nicht ohne die Flitzer aus dem Schumi-Rennstall.



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