Umstrittene Einsatzmethoden Kritik an Polizei nach Tötung eines Schwarzen in Minneapolis

Abermals hat die US-Polizei bei einer Hausdurchsuchung tödliche Schüsse abgegeben. Der Bürgermeister der Stadt reagierte nun mit dem Verbot einer umstrittenen Ermittlungspraxis.
Black-Lives-Matter-Demonstrantin in Minneapolis (Archivbild)

Black-Lives-Matter-Demonstrantin in Minneapolis (Archivbild)

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ERIC MILLER/ REUTERS

Wieder ist ein Mensch mit dunkler Hautfarbe in der US-Metropole Minneapolis von der Polizei erschossen worden und wieder hat der Fall eine Welle der Bestürzung ausgelöst. Der 22-jährige Amir Locke wurde am Mittwoch von Polizisten getötet, als diese aufgrund eines umstrittenen Durchsuchungsbeschlusses eine Wohnung betraten. Jacob Frey, der Bürgermeister von Minneapolis, verhängte am Freitag ein Moratorium  für derartige »No-Knock«-Durchsuchungen, bei denen die Polizisten sich nicht zuvor an der Tür bemerkbar machen müssen.

Die Eltern des Opfers machten der Polizei schwere Vorwürfe: Man habe ihren Sohn hingerichtet, als dieser gerade aus dem Tiefschlaf erwacht sei. Die Stadt veröffentlichte ein Video des Vorfalls, das mit einer von Polizisten getragenen Körperkamera aufgezeichnet wurde. Darauf ist zu sehen, wie die Beamten sich Zutritt zu einer Wohnung verschaffen und danach erst lautstark ihre Anwesenheit ankündigen. Nur wenige Sekunden später tritt ein Polizist gegen ein Sofa. Daraufhin beginnt der 22-Jährige, der in eine Decke gehüllt auf dem Sofa liegt, sich zu bewegen. Er hat eine Pistole in der Hand. Ein Beamter feuert daraufhin sofort mehrere Schüsse ab.

Nach Angaben des Gerichtsmediziners starb der junge Mann aufgrund mehrerer Schussverletzungen. Der Durchsuchungsbeschluss stand im Zusammenhang mit Ermittlungen in einem Mordfall. Darin sei aber der Name des 22-Jährigen nicht genannt worden, hieß es. Es sei unklar, inwiefern er mit diesen Ermittlungen in Verbindung stehe. Berichten nach hatte er sich in der Wohnung eines Freundes aufgehalten.

Der verantwortliche Beamte wurde suspendiert

Der Polizeibeamte, der die tödlichen Schüsse auf Locke abgegeben haben soll, wurde laut Medienberichten vorerst suspendiert.  Attorney General Keith Ellison, der oberste Rechtsberater des US-Staates Minnesota, kündigte an , die Ermittlungen gegen die Polizei zu leiten. Sein Büro hatte auch schon die Ermittlungen nach den Tötungen von George Floyd und Daunte Wright verantwortet. Der Fall von George Floyd, der ebenfalls bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis getötet wurde, hatte im Jahr 2020 zu den großen Black-Lives-Matter-Protesten gegen Rassismus und Polizeibrutalität in den USA geführt.

Bürgerrechtler kritisierten die Art und Weise, wie die Durchsuchung von den Beamten durchgeführt wurde. Der Fall erinnert an die Tötung von Breonna Taylor: Die Polizei hatte im März 2020 offenbar ohne Vorwarnung die Tür zur Wohnung der 26 Jahre alten Notfallsanitäterin aufgebrochen und geschossen, Taylor wurde von mehreren Kugeln getroffen.

sem/dpa