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Mino Raiola, 54

aus DER SPIEGEL 19/2022
Foto: Filippo Alfero / Insidefoto / IMAGO

Als »Scheißkerl« ist er beschimpft worden, als »Raffzahn« – für viele, die mit dem Fußball noch romantische Gefühle verbinden, war Mino Raiola so etwas wie das personifizierte Feindbild. Eine Symbolfigur für die Gefräßigkeit der Branche, für die Gier, für das Immer-mehr, die gab der wahrscheinlich bekannteste Spielerberater der Welt schon durch sein Äußeres vor: die dunkle Sonnenbrille, die bewusst legere Kleidung, der mächtige Bauch – Raiola war eine barocke Persönlichkeit, er lud seine Kritiker geradezu ein, das Fußballgeschäft als mafiös zu bezeichnen. Dabei hat er stets betont, dass es ihm nur um das Interesse der von ihm vertretenen Spieler gehe. Tatsächlich ist von denen auch kein böses Wort über Raiola zu hören: Ob Zlatan Ibrahimović, Paul Pogba oder Erling Haaland – die Profis, die bei Raiola in der Kartei standen, konnten sicher sein, die finanziell allerbesten Bedingungen ausverhandelt zu bekommen. Dass Raiola dabei auch für sich und seine Firma sorgte, gehörte zum Spiel dazu. Die Football Leaks enthüllten, dass er beim Transfer des Franzosen Pogba zu Manchester United insgesamt 49 Millionen Euro Honorar für sich selbst einstreichen konnte. Aufgewachsen war Raiola in den Niederlanden, wo seine Eltern ein italienisches Restaurant betrieben, in dem er schon als Kind aushalf; seine Gegner verspotteten ihn deswegen später als »Pizzabäcker«. Er sagte, viel von dem, was er in seinem Beruf gebraucht habe, habe er dort gelernt – das Kommunizieren, das Pflegen von Kontakten, all das, was er später zur Perfektion entwickelte. Mino Raiola starb am 30. April an den Folgen einer Lungenkrankheit in Mailand.

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