Minutenprotokoll US-Atombehörde alarmiert über Lage in Fukushima

Nach Einschätzung der US-Atombehörde liegen die Brennstäbe im Reaktor 4 des AKW Fukushima mittlerweile völlig frei - die Strahlenbelastung sei extrem hoch. Die USA haben wegen der japanischen Atomkrise keine Jodtabletten mehr auf Lager. Lesen Sie die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll nach.
Zerstörte Reaktoren des Atomkraftwerks in Fukushima: Kein Wasser mehr in Reaktor 4?

Zerstörte Reaktoren des Atomkraftwerks in Fukushima: Kein Wasser mehr in Reaktor 4?

Foto: dapd / Foto: DigitalGlobe

+++ Situation in Flüchtlingslagern spitzt sich zu +++

[00.59 Uhr] Die Lage in den Flüchtlingslagern im Nordosten Japans wird bei winterlichen Temperaturen und Schnee immer angespannter. In einer Grundschule in der Stadt Sendai entfachten die dort untergebrachten Menschen am Donnerstag im Morgengrauen mit Holzscheiten Feuer unter Fässern, um heißes Wasser zuzubereiten. Im Inneren des Gebäudes sind die Fensterscheiben vereist, die Menschen versuchen sich mit Decken warm zu halten. "Die Gasvorräte gehen zu Ende", sagte ein Reporter des japanischen Fernsehens. An den Wassertanks bildeten sich Schlangen geduldig wartender Menschen und an den wenigen noch geöffneten Tankstellen geht das Benzin aus.

+++ Strahlendosis am Eingang vom AKW Fukushima sinkt +++

[00.52 Uhr] Die am AKW Fukushima I gemessene Strahlendosis fällt kontinuierlich - das gibt jedenfalls die japanische Atomsicherheitsbehörde laut der Nachrichtenagentur Reuters bekannt. Am Haupteingang des Atomkraftwerks wurde am Mittwoch um 17 Uhr Ortszeit eine Belastung von 752 Mikrosievert pro Stunde gemessen (1 Mikrosievert ist ein Tausendstel eines Millisieverts). Später verlegte man die Messstelle an das Westtor, wo die Messungen alle halbe Stunde aktualisiert wurden. Um 5 Uhr morgens Ortszeit am Donnerstag betrug der Wert hier 338 Mikrosievert pro Stunde. Das sei zwar noch immer weit höher als normal, sagte ein Sprecher, jedoch nicht gefährlich. Zum Vergleich: Die stärkste Strahlung, die bislang in Tokio gemessen wurde, betrug am Dienstag 0,809 Mikrosievert pro Stunde. Das ist eine zehnmal geringere Dosis als eine Röntgenuntersuchung beim Zahnarzt.

+++ Japaner berichten auf Facebook über die vergangenen Tage +++

[00.35 Uhr] Auf der Internetseite Facebook tauschen sich Japaner über ihre Erlebnisse nach dem Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami aus. "Die meisten Geschäfte waren geschlossen, nur ein Seven Eleven-Laden war geöffnet. Die Angestellten haben Kerzen angezündet und sie in die Regale gestellt", erzählt jemand. Weil die Kasse nicht funktioniert habe, hätten die Verkäufer mit Taschenlampe und Taschenrechner gearbeitet. Ein anderer Facebook-Nutzer berichtet aus einem anderen Geschäft: "Ein Jugendlicher mit Piercings und weiß gefärbten Haaren hat mehrere hundert Dollar in eine Spendenbox für die Opfer gesteckt." Beim Rausgehen habe er zu seinen Freunden gesagt: "Spiele können wir uns immer kaufen." Daraufhin hätten alle Umstehenden ihre Portemonnaies geöffnet und Geld gespendet.

+++ Laut IAEA kocht das Kühlwasser in den Reaktoren 3 und 4 +++

[00.16 Uhr] Die internationale Atomenergiebehörde IAEA hat Informationen zur Wassertemperatur in den Unglücksreaktoren des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1 veröffentlicht. Demnach betrug die Temperatur des Kühlwassers im Abklingsbecken des Reaktors 4 am Dienstagmorgen 84 Grad Celsius. Am Mittwochmorgen seien im Reaktor 5 rund 62 Grad sowie 60 Grad im Reaktor 6 gemessen worden. Normalerweise wird die Wassertemperatur unter 25 Grad gehalten. In den Abklingbecken lagern die bereits verbrauchten, abgebrannten Brennelemente, die aber ohne entsprechende Kühlung ähnlich gefährlich sind wie die aktiven Elemente im Reaktorkern. Im Reaktor 4 des AKW Fukushima liegt das Abklingbecken außerhalb des besser geschützten Sicherheitsbereiches - daher ist die Gefahr besonders groß. Aktuelle IAEA-Berichte sagen, das Wasser in den Reaktoren 3 und 4 würde mittlerweile kochen. Die US-Atombehörde geht sogar davon aus, dass sich im Reaktor 4 gar kein Wasser mehr befinde (s. Liveticker von 22.22 Uhr).

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Katastrophe in Japan: Verzweiflung in Fukushima, Angst in Tokio

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+++ Japans Krise könnte Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben +++

[23.40 Uhr] Nach dem Jahrhundertbeben in Japan könnten nach Ansicht von IFW-Chef Dennis Snower Produktionsausfälle die Weltwirtschaft treffen. "Es könnte zu Domino-Effekten kommen, die den gesamten asiatischen Raum erfassen", sagte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe). Japans Industrie sei eng mit der asiatischen Wirtschaft verzahnt, Ausfälle könnten Autokonzerne oder Computerfirmen aber auch auf anderen Kontinenten treffen. Die rasche Erholung Japans von der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten sei demnach in Gefahr.

+++ Jodtabletten in den USA ausverkauft +++

[22.40 Uhr] Beim größten Hersteller in den USA sind wegen der japanischen Atomkrise Kaliumjodidtabletten komplett ausverkauft. Das Unternehmen Anbex teilte am Mittwoch mit, es habe seit dem Beginn der Krise tausende Bestellungen für sein Medikament Iosat erhalten. Diese seien laut Firmenchef Alan Morris hauptsächlich von der Westküste der USA, aber auch aus Japan, Südkorea und anderen asiatischen Staaten eingegangen. Er hoffe, dass sein Unternehmen binnen zwei Wochen wieder liefern könne. Die Tabletten schützen die Schilddrüsen vor radioaktiver Strahlung. Morris verwies darauf, dass es in den USA noch ein anderes Unternehmen gebe, dass Kaliumjodid in flüssiger Form anbiete. Doch auch Fleming Pharmaceuticals schrieb auf ihrer Internetseite, dass das Unternehmen rund um die Uhr arbeite, um die Lieferungen nach Japan bewältigen zu können.

+++ Zwei deutsche Atomkraftwerke werden in der Nacht abgeschaltet +++

[22.33 Uhr] Der Energieversorger EnBW nimmt die Reaktoren Neckarwestheim I und Philippsburg I noch in der Nacht zum Donnerstag vom Netz. Damit folge das Unternehmen Anordnungen des Umweltministeriums Baden-Württemberg, teilte es am Mittwochabend mit. Der Betriebszustand der Meiler sei nach dem Herunterfahren vergleichbar mit dem während einer Revision. Der Block I des Kernkraftwerks Neckarwestheim hat eine elektrische Leistung von 840 Megawatt und ist seit 1976 in Betrieb. Block I des Kraftwerks Philippsburg ist ein Siedewasserreaktor mit einer Leistung von 926 Megawatt. Er ging 1979 ans Netz.

+++ Laut US-Experte kein Wasser mehr in Reaktor 4 +++

[22.22 Uhr] Im Abklingbecken des Reaktors 4 im japanischen Katastrophen-Kraftwerk Fukushima 1 befindet sich nach Einschätzung der US-Atomregulierungsbehörde NRC gar kein Wasser mehr. Damit liegen die Brennstäbe im Reaktor 4 möglicherweise komplett frei. Man gehe davon aus, dass das Abklingbecken defekt und das Wasser abgelaufen sei, sagte NRC-Direktor Gregory Jaczko in einer Anhörung vor einem Kongress-Ausschuss laut einem Bericht der "New York Times". "Wir glauben, dass die Strahlenbelastung extrem hoch ist", sagte Jaczko. Dies wiederum könnte die Arbeit zur Eindämmung der Krise behindern. Über die Quelle der Information machte Jaczko keine Angaben. Die NRC sowie das US-Energieministerium haben Experten vor Ort.

Sollten sich die Angaben als zutreffend erweisen, würde dies bedeuten, dass die Brennelemente in dem Abklingbecken nicht mehr gekühlt werden und somit schmelzen könnten. Außerdem droht die Gefahr, dass sich die Stäbe selbst entzünden könnten. Die japanische Atomsicherheitsbehörde und der Kraftwerkbetreiber Tepco dementierten, dass die Wassermenge in dem Abklingbecken abgenommen habe. Die Lage an Reaktor 4 sei "stabil", sagte ein Sprecher.


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+++ Leicht erhöhte Strahlung bei Flugzeug aus Tokio festgestellt +++

[22.15 Uhr] Am Flughafen München ist am Mittwoch bei einer Boeing 777 der japanischen Airline All Nippon Airways (ANA) eine gegenüber der Umgebung leicht erhöhte Strahlung an der Außenhaut festgestellt worden. Die Maschine kam aus Tokio und war gegen 16.00 Uhr mit der Flugnummer NH 207 in München gelandet. Bei den anschließenden Messungen der Kabine und des Frachtraums gab es dagegen keinerlei Auffälligkeiten, teilte der Flughafen in München am Abend mit. Nach Prüfung durch die Experten wurde das Flugzeug für den Rückflug nach Tokio freigegeben. Die Flughafen-Feuerwehr führt seit dem Wochenende regelmäßige Messungen bei allen aus Japan eintreffenden Flugzeugen durch.

+++ Angst vor Super-GAU erschüttert erneut die Wall Street +++

[22.00 Uhr] Die Atom-Katastrophe in Japan hat auch am Mittwoch für heftige Kursverluste am US-Aktienmarkt gesorgt. Die Nervosität vor einem drohenden atomaren Super-GAU ließ den Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte laut vorläufigen Berechnungen um 242 Punkte oder zwei Prozent auf 11.613 Zähler fallen. Der US-Leitindex beendete damit den dritten Handelstag in Folge im Minus, es war der stärkste Einbruch seit August vergangenen Jahres. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 51 Punkte oder 1,9 Prozent und schloss bei 2.617 Zählern. Neben Japan habe aber auch die politische Unsicherheit im Nahen Osten die Börsen belastet, hieß es am Markt.

+++ Oettinger: "Lage in Fukushima zwischen GAU und Super-GAU" +++

[21.50 Uhr] EU-Energiekommissar Günther Oettinger befürchtet "weitere katastrophale Entwicklungen" im havarierten AKW. Die Lage in Fukushima sei "außerhalb einer fachmännischen Kontrolle" und bewege sich "irgendwo zwischen GAU und Super-GAU". Eine Sprecherin relativierte diese Statements kurz darauf und erklärte, Oettinger habe keine speziellen Informationen besessen, sondern sich lediglich auf das berufen, was aus den Medien zu erfahren sei.

+++ Viele Länder fliegen ihre Bürger aus Japan aus +++

[21.36 Uhr] Die Sorge um die eigenen Landsleute wächst: Zahlreiche Länder darunter Russland, Belgien und die Philippinen holen jetzt ihre Bürger aus Japan. Dazu werden teilweise auch Militärflugzeuge eingesetzt. Großbritannien rief ebenfalls seine Bürger zur Abreise aus den betroffenen Gebieten auf.

+++ Apple verschiebt Verkaufsstart vom iPad2 in Japan +++

[21.26 Uhr] Wegen der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe verschiebt Apple die Markteinführung des neuen iPads in Japan. Das teilte der US-Technologiekonzern am Mittwoch mit. Verkaufsstart für das iPad 2 sollte eigentlich am 25. März sein. An diesem Tag soll der Tablet-Computer auch in mehr als 20 weiteren Ländern in die Läden kommen, darunter auch in Deutschland.

+++ Keine radioaktive belasteten Lebensmittel in Deutschland +++

[20.50] In Deutschland gebe es derzeit keine Anzeichen für radioaktive Belastung von Lebensmitteln, sagte die Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ilse Aigner, am Mittwoch in Berlin. "Da kann man eindeutig sagen, dass die katastrophalen Ereignisse in Japan keine Auswirkungen haben auf den Lebensmittelbereich (in Deutschland)", so Aigner. Weil aber auch die Region um Japan betroffen sein könne, werde die Entwicklung sorgfältig beobachtet. Aus Sicherheitsgründen sollen alle Lebensmittel aus Japan auf mögliche Strahlenbelastung untersucht werden - vor allem Fisch und Fischprodukte wie zum Beispiel Sushi.

+++ EU-Staaten testen japanische Lebensmittel auf Verstrahlung +++

[20.20 Uhr] Die EU hat ihre 27 Mitgliedstaaten aufgefordert, aus Japan eingeführte Lebensmittel auf mögliche Strahlenbelastung hin zu untersuchen. Das bestätigte der Sprecher von EU-Gesundheits- und Verbraucherkommissar John Dalli am Mittwoch in Brüssel. Wie Diplomaten berichteten, habe es über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel (RASFF) eine entsprechende Mitteilung an die EU-Länder gegeben. Mögliche Funde sollen an das System zurückgemeldet werden.

+++ USA bauen Strahlenkontrolle aus +++

[20.12 Uhr] Aus Sorge vor einer möglichen Strahlenbelastung aus Japan bauen die US-Regierung ihr Überwachungssystem aus. Im Westen der USA sowie im Pazifik sollten weitere Strahlungsmonitore aufgestellt werden, kündigte die Umweltbehörde EPA am Mittwoch an. Die EPA überwacht die Radioaktivität in der Region bereits im Rahmen ihres sogenannten RadNet-Systems, das die Belastung in der Luft, im Trinkwasser sowie in Milch und Regen misst.

Die Daten der neuen Monitore können den Angaben zufolge auf der Website der EPA eingesehen werden. Die Geräte sollen in den US-Küstenstaaten sowie auf Hawaii, Guam und Amerikanisch-Samoa installiert werden. Die US-Atomsicherheitsbehörde NRC erwartet nach eigenen Angaben allerdings nicht, dass eine schädliche Menge Radioaktivität aus Japan die USA erreichen könnte.

+++ US-Bürger in Japan sollen 80 Kilometer Abstand von Unglücks-AKW halten +++

[19.44 Uhr] Die US-Regierung empfiehlt amerikanischen Staatsbürgern, ein Gebiet im Umkreis von 80 Kilometern um das Unglücks-AKW Fukushima zu verlassen. Sollte eine Abreise nicht machbar sein, sollten die Menschen zumindest in ihren Häusern bleiben. "Auf der Basis unserer Analyse ist es das, was wir tun würden, wenn sich dieser Vorfall in den USA ereignen würde", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Mittwoch in Washington.

Die japanische Regierung hat zum Schutz vor radioaktiver Strahlung bisher nur Gebiete im Umkreis von 20 Kilometern evakuiert. Wer zwischen 20 und 30 Kilometer entfernt wohnt, solle sich nicht im Freien aufhalten. Die Empfehlung an US-Bürger sei nicht als Urteil über die japanische Vorgabe zu verstehen, teilte das US-Außenministerium mit. "Wir haben Vertrauen in die japanischen Behörden und ihr Umgehen mit dieser Situation", sagte ein Sprecher.

+++ AKW Philippsburg I muss vom Netz +++

[19.31 Uhr] Das Umweltministerium Baden-Württemberg hat am Mittwochabend den Energiekonzern EnBW schriftlich angewiesen, die Kernkraftwerke Neckarwestheim I und Philippsburg I vom Netz zu nehmen. Mit der Anordnung werde das von der Bundesregierung verfügte Moratorium umgesetzt, wonach die bundesweit sieben ältesten Atomkraftwerke für drei Monate ihren Betrieb einstellen, teilte das Ministerium mit. "Wir gehen davon aus, dass die EnBW bereits dabei ist, die notwendigen Schritte einzuleiten, um die Reaktoren zeitnah herunterzufahren", sagte ein Ministeriumssprecher.

In den kommenden Monaten solle eine von der Landesregierung eingesetzte fünfköpfige Expertenkommission die Ereignisse in den japanischen Kernkraftwerken analysieren und bewerten. Auf dieser Grundlage solle von der Kommission eine mögliche Übertragbarkeit auf die hiesigen Kraftwerke überprüft und gegebenenfalls Empfehlungen für weitergehende Sicherheitsanforderungen ausgearbeitet werden, sagte der Sprecher.

Katastrophale Zustände in Japans Notunterkünften

+++ Überfüllte Notunterkünfte +++

[19.20 Uhr] Das öffentlich-rechtliche Fernsehen NHK berichtete am Mittwoch von überfüllten Notunterkünften in der Präfektur Fukushima. Es fehle überall an Nahrungsmitteln. Gezeigt werden Bilder aus Turnhallen, in denen sich Menschen dicht an dicht drängen, und lange Autoschlangen auf den Straßen in der Region. Zuvor hatte bereits der Gouverneur von Fukushima, Yuhei Sato, die mangelnde Versorgung der Opfer bemängelt. "Die Sorge und Wut der Menschen in Fukushima haben ihre Grenze erreicht", so Sato.

+++ AKW-Betreiber lassen viele Fragen offen +++

[18.45 Uhr] Mitten in der Nacht (Ortszeit) hat die AKW-Betreibergesellschaft Tepco eine Pressekonferenz gegeben. Viele Antworten auf die Fragen der Journalisten gab es allerdings nicht. Die Tepco-Vertreter trugen eine lange Liste offener Fragen vor - nähere Informationen soll es erst am Donnerstag geben. Der Wasserwerfer sei bisher nicht im Einsatz, erst müsse geklärt werden, an welchen Stellen zuerst gekühlt werden solle.

Man arbeite daran, die Stromversorgung des Atomkraftwerks wiederherzustellen, sagten die Tepco-Betreiber. Dazu soll ein mobiler Generator installiert werden, sofern es die Strahlenbelastung zulässt. Ein erster Versuch sei fehlgeschlagen, weil sich ein Generator wegen unterschiedlicher Betriebsspannung nicht habe verbinden lassen. Zudem werde versucht, das Kraftwerk über das herkömmliche Stromnetz zu versorgen.

+++ Japaner setzen auf Unterstützung durch US-Drohne +++

[18.30 Uhr] Neue Hilfe im Kampf gegen den atomaren Super-GAU: Ein unbemanntes Flugzeug des US-Militärs soll mit seinen hochauflösenden Kameras mehr Klarheit über das Innere der havarierten Atomreaktoren in Fukushima bringen. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo in der Nacht auf Donnerstag (Ortszeit). Die Drohne "Global Hawk" habe Wärmebildkameras an Bord, hieß es in dem Bericht.

Hohe Strahlung und böiger Wind hatten am Mittwoch den Einsatz von Hubschraubern verhindert, die mit Wasser von oben die Reaktorblöcke 3 und 4 kühlen sollten. Beide Meiler sind durch Feuer und Explosionen teilweise zerstört. Inzwischen versuchen die Rettungskräfte, Wasserwerfer zum Einsatz zu bringen. Mit den Löschkanonen könnte das Innere der Meiler bewässert werden. Die Fahrzeuge wurden inzwischen in Fukushima in Stellung gebracht.

+++ Atom-Katastrophe drückt Dax ins Minus +++

[17.49 Uhr] Die Furcht vor einem Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat den Dax am Mittwoch am dritten Tag in Folge ins Minus gedrückt. Der deutsche Leitindex verlor zwei Prozent auf knapp über 6500 Punkte. Die Abwärtsbewegung an den Börsen in Europa und den USA beschleunigte sich am Nachmittag, nachdem EU-Energiekommissar Günther Oettinger vor unmittelbar bevorstehenden katastrophalen Ereignissen in Fukushima gewarnt hatte. Das Kraftwerk sei "außerhalb einer fachmännischen Kontrolle", hatte Oettinger vor einem EU-Parlamentsausschuss in Brüssel gesagt. Seine Sprecherin erläuterte später, die Einschätzung Oettingers beruhe auf Medieninformationen. In New York notierte der Dow-Jones-Index zum Handelsschluss in Europa mit 1,3 Prozent im Minus.

+++ Reaktor-Sicherheitskommission bereitet neue Prüfungen in Deutschland vor +++

[17.30 Uhr] Auf einer Sitzung am Donnerstag will die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) den Fahrplan für die anstehenden Sicherheitschecks deutscher Atomkraftwerke festlegen. RSK-Chef Rudolf Wieland sagte SPIEGEL ONLINE, man werde sich dabei auch mit neuen Szenarien befassen müssen: "Es gibt Dinge, die über unsere bisherige Vorstellung hinausgehen."

Gleichzeitig schränkte Wieland ein, dass nur für bestimmte Untersuchungen Zeit sei: "Wir können in drei Monaten keine Störfallanalysen mit Auswirkungen und Rechnungen machen. Wir müssen uns auf die wichtigsten Probleme konzentrieren." Deswegen würden die anstehenden Prüfungen "eher qualitativ als quantitativ" ausfallen. Wieland forderte die Politik auf, die Arbeit der Kommission zu unterstützen: "Wenn die Ressourcen bereitgestellt werden, kann man viel bewegen. Bund und Länder müssen sehen, dass sie möglichst nach unseren Wünschen Mannschaften von Experten zusammenstellen." Die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) berät das Bundesumweltministerium.

+++ IAEA-Chef kündigt Reise nach Japan an +++

[17.15 Uhr] Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, will nach eigenen Angaben so rasch wie möglich nach Japan reisen. Er hoffe, dass er bereits am Donnerstag fliegen könne, sagte Amano am Mittwoch in Wien. Der Japaner hatte die Regierung seines Heimatlandes zuvor aufgefordert, seiner Behörde mehr Informationen über die Atomkrise zur Verfügung zu stellen. Die Situation im Atomkraftwerk Fukushima bezeichnete er als "sehr ernst".

+++ Wasserwerfer am AKW-Fukushima eingetroffen +++

[17.05 Uhr] Wie die Agentur Kyodo berichtet, hat die Polizei am Atomkraftwerk Fukushima I einen Wasserwerfer aufgefahren. Mit dem Gerät wollen die Einsatzkräfte Block 4 des Katastrophen-Kraftwerks abkühlen. Dort war es am Dienstag zu zwei Explosionen gekommen, mehrfach brach seitdem Feuer aus. Unklar ist allerdings, ob die Zugangswege zum Reaktor frei sind. Sie sollen durch Trümmer blockiert gewesen sein.

Die Brennstäbe in Block 4 lagern nicht im Reaktordruckbehälter, sondern wurden im November zu Wartungszwecken in ein Wasserbecken verfrachtet. In dem sogenannten Abklingbecken werden normalerweise verbrauchte Brennstäbe zwischengelagert. Nachdem die Kühlung ausgefallen war, stieg die Temperatur des Wassers an. Zum Teil lagen die Brennstäbe frei, so dass sich offenbar Wasserstoff bilden konnte, der dann zu den Explosionen führte.

Seit Dienstag ist es den Technikern offenbar nicht gelungen, Wasser in das Becken nachzufüllen. Der Einsatz eines Militärhubschraubers, der Meerwasser auf den Reaktor abwerfen sollte, wurde im letzten Moment abgebrochen. Die Strahlenwerte waren zu hoch für die Hubschrauberbesatzung.

+++ Atomkraft wird Thema auf EU-Gipfel +++

[16.45 Uhr] Die Staats- und Regierungschefs der EU werden sich bei ihrem Gipfel in der kommenden Woche (24./25. März) außerplanmäßig mit der Zukunft der Atomkraft in Europa beschäftigen. "Ich kann Ihnen jetzt sagen, dass der Europäische Rat am Donnerstag nächster Woche den Schwerpunkt Euro-Zone und europäische Währung ergänzen oder gar verlagern wird", sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Mittwoch vor Europaparlamentariern in Brüssel. Es solle nun auch um das Thema Energiepolitik und die Folgerungen aus dem schrecklichen Vorfall in Japan gehen. Zur Situation dort sagte Oettinger: "Man muss befürchten, dass das Ganze in Gottes Hand ist und dass sich in den nächsten Stunden weitere katastrophale Entwicklungen ergeben können."

+++ Japan-Reisen bis Ende April abgesagt +++

[16.25 Uhr] Die großen deutschen Reiseveranstalter haben wegen der atomaren Katastrophe in Japan alle Reisen in das Land bis Ende April abgesagt. "Nach den Nachrichten der vergangenen Tage möchten wir im Moment niemandem zumuten, nach Japan zu reisen", sagte Ury Steinweg, Geschäftsführer von Gebeco in Kiel, der Nachrichtenagentur dpa. "Wir wissen einfach zu wenig."

Auch Studiosus in München begründet die Absage mit der unübersichtlichen Lage und der radioaktiven Gefahr. JF Tours in Solingen verweist auf die Teilreisewarnung des Auswärtigen Amtes. Das Ministerium hatte alle Deutschen aufgefordert, aus dem Großraum Tokyo/Yokohama nach Osaka oder über Osaka ins Ausland auszuweichen.

+++ Flüge von Japan nach Deutschland nicht ausgebucht +++

[15.57 Uhr] Nach den Atomunfällen gebe es in Japan einen "erhöhten Nachfragedruck" für Flüge nach Deutschland, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow in Frankfurt am Main. Restplätze gebe es zu entsprechend höheren Preisen als in der Economy vor allem in der First und der Business Class. Ähnlich äußerten sich Sprecher der japanischen Fluggesellschaften JAL und ANA, die ebenfalls tägliche Deutschland-Verbindungen anbieten. Die Flüge seien zwar gut ausgelastet, aber nicht restlos ausgebucht.

Die Lufthansa hat ihre beiden täglichen Tokio-Flüge derzeit nach Nagoya und nach Osaka im Süden der Insel Honshu umgeleitet. Insgesamt bietet sie weiterhin drei tägliche Japan-Flüge an: Zweimal geht es von Osaka nach München und Frankfurt und einmal von Nagoya nach Frankfurt. Bei dieser Regelung bleibe es zunächst bis einschließlich des Wochenendes, kündigte Jachnow an.

+++ Schutz vor Nachbeben - Tokio schließt Zoo und Parkanlagen +++

[15.35 Uhr] Der Ueno-Zoo in Tokio macht aus Sicherheitsgründen vorerst dicht: Der Tierpark werde ab Donnerstag geschlossen, teilte die Stadtregierung mit. Man wolle die Besucher vor möglichen Nachbeben schützen. Außerdem gehe es darum, Strom zu sparen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch. Auch andere Parkanlagen und Zoos in der Hauptstadt sollen geschlossen werden.

Auswärtiges Amt: Deutsche sollen Großraum Tokio-Yokohama verlassen

+++ Auswärtiges Amt verschärft Reisehinweis +++

[15.20 Uhr] Das Auswärtige Amt empfiehlt allen Deutschen, die Region um die Kraftwerke Fukushima und den Ballungsraum Tokio/Yokohama vorübergehend zu verlassen - eine erneute Verschärfung des Reisehinweises. Die Deutschen sollten nach Osaka ausweichen oder über Osaka ins Ausland weiterreisen, sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Berlin. Bisher hatte das Auswärtige Amt lediglich geraten zu prüfen, ob ein Aufenthalt in der Gegend weiter erforderlich ist. Osaka liegt etwa 600 Kilometer südwestlich von Tokio und gilt derzeit als relativ sicher.

Um den Deutschen in Japan zu helfen, hätten die Botschaft in Tokio und das deutsche Generalkonsulat in Osaka ein konsularisches Betreuungsteam eingerichtet, das an den Bahnhöfen Tokio und Osaka-Kobe sowie am Flughafen Osaka präsent sei. Dazu seien Angehörige der Tokioter Botschaft nach Osaka verlegt worden, sagte die Sprecherin. Die Deutschen in Japan würden durch eine telefonische Hotline und den rund um die Uhr besetzten Krisenstab im Ministerium dabei unterstützt, Tokio zu verlassen.

+++ Noch Tausend Deutsche im Großraum Tokio-Yokohama +++

[15.15 Uhr] Nach einer groben Schätzung hielten sich derzeit noch etwa Tausend von bisher rund 3600 Deutschen im Großraum Tokio/Yokohama auf, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. Aus dem Erdbebengebiet im Nordosten des Landes lägen keine Vermisstenmeldungen mehr vor. Auf ihrer Homepage rät die Vertretung wegen zahlreicher Anfragen davon ab, ohne Aufforderung durch die Behörden Jodtabletten einzunehmen. Jodmittel würden im Ernstfall durch die japanischen Behörden in den Evakuierungszentren bereitgestellt.

+++ Dritter Reaktorkern soll intakt sein +++

[14.51 Uhr] Neue Details zum dritten Reaktor: Laut der japanischen Regierung ist der Reaktordruckbehälter bisher nicht beschädigt worden. Bisher wurde genau das befürchtet. Regierungssprecher Yukio Edano teilte mit, der Behälter sei intakt. Der aufsteigende Dampf stamme von dem Abklingbecken mit verbrauchten Brennelementen außerhalb des Reaktorkerns. Auch diese müssen gekühlt werden, weil ihre Restwärme das Wasser zum kochen und verdampfen bringen kann. Die Brennstäbe sind aber soweit abgebrannt, dass derzeit nicht mit einer Kettenreaktion gerechnet werde.

In Reaktor 4 befinden sich auf Grund von Wartungsarbeiten mehr Brennstäbe als sonst im Abklingbecken, weswegen die Temperatur besonders stark angestiegen ist. Mehrfach ist offenbar deswegen Feuer ausgebrochen. Die Einsatzkräfte wollen das Becken von außen kühlen, womöglich durch den Einsatz von Wasserwerfern.

+++ Keine akute Seuchengefahr in Japan +++

[14.48 Uhr] Trotz der vielen Vermissten und Toten besteht in der japanischen Erdbebenregion aus Expertensicht keine akute Seuchengefahr. "Nach unserer Einschätzung ist die Wahrscheinlichkeit einer Epidemie sehr gering", sagte der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen, Frank Dörner, am Mittwoch in Berlin. "Japan hat extrem schnell reagiert." Die Notfallpläne hätten gegriffen. Das Land sei medizinisch sehr gut versorgt und mit Haiti, wo die Cholera nach dem Erdbeben Tausende Menschenleben kostete, nicht zu vergleichen.

Nach Angaben Dörners wird eine Epidemie hauptsächlich durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen. Hiervon sei Japan aber nicht betroffen. Das Wasser habe nach wie vor eine gute Qualität. Von ungeborgenen Leichen und Vermissten gehe grundsätzlich nur eine geringe Gefahr für eine Seuche aus. Laut Dörner wurden bislang 3500 Leichen gefunden. Bis zu 7000 Menschen werden noch vermisst.

+++ WHO: Keine Gefahr bei Lebensmitteln aus Japan +++

[14.18 Uhr] Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO besteht beim Verzehr von Nahrungsmitteln aus Japan bisher keine Gefahr für die Gesundheit. Diese könne nur von Produkten ausgehen, die unmittelbar aus der Nähe der beschädigten Atomanlagen im Norden Japans stammten, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Genf. Die WHO gleiche ihre Erkenntnisse immer wieder mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien ab, hieß es.

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Katastrophe in Japan: Verzweiflung in Fukushima, Angst in Tokio

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Der Grenzwert, ab dem Essen nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfe, liegt bei etwa 1000 Becquerel pro Kilogramm. Zuletzt sei dieser Grenzwert im Jahr 1986 nach der Reaktorexplosion in Tschernobyl in der Ukraine übertroffen worden. Damals sollten Kinder zum Beispiel keine einheimische Milch trinken, um sich zu schützen.

+++ Wind trägt radioaktive Partikel aufs Meer +++

[14.07 Uhr] Die Aussichten sind gut: Zumindest vom Wetter droht Tokio vorerst keine neue Gefahr: Der Wind hat leicht zugenommen und weht aus Nordwest. Radioaktive Partikel, die vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima in die Luft geraten, werden bei dieser Wetterlage direkt auf das Meer getragen. Von dort aus gehen sie nach etwa zwei bis drei Tagen vorübergehend auf Südkurs, werden dann vom Ostpassat mitgenommen und bewegen sich Richtung Philippinen.

An der Situation werde sich in den nächsten Tagen nichts ändern, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Mittwoch. Nennenswerten Niederschlag, der Partikel vor Ort auswaschen könnte, soll es in der Region Fukushima erst am Wochenende geben.Am Dienstag hatte der Wind einige Stunden lang aus Nord geweht und die Luft auf die Hauptstadt Tokio zugetrieben.

+++ Russische Veteranen durften nicht nach Japan einreisen +++

[13.52 Uhr] Japan verweigerte offenbar trotz der eskalierenden Situation im Kernkraftwerk Fukushima einem Team von russischen Nuklearexperten die Einreise. Wie SPIEGEL ONLINE aus Kreisen der russischen Atombehörde Rosatom erfuhr, hat Russland ein Team von erfahrenen Veteranen des Tschernobyl-Unglücks zusammengestellt, um Japan bei der Bewältigung der Reaktorenhavarie von Fukushima zu helfen.

Zunächst erteilten die japanischen Behörden dem Flugzeug mit den beiden Wissenschaftlern Waleri Strischow und Waldimir Asmolow an Bord keine Landeerlaubnis. Die Gruppe wartete zwei Tage lang im russischen Chabarowsk, dann erhielten sie mitten in der Nacht die Einreiseerlaubnis. Die Nuklearexperten flogen nach Tokio, von wo aus sie in das Krisengebiet um die Reaktoren in Fukushima weitereisten.

"Es handelt sich um Leute, die wissen, wie man einen Reaktornotfall bekämpft", heißt es bei Rosatom. Die genauen Gründe für die Verweigerung der Einreise seien nicht bekannt. Möglicherweise hätten die Japaner Angst davor, Russland zu genaue Einblicke in ihre Reaktoren zu geben. Das Team stehe aber weiterhin zur Verfügung, sollte Japan doch auf das Angebot eingehen.

+++ China setzt Bewilligung weiterer Atomkraftwerke aus +++

[13.40 Uhr] Angesichts des drohenden Fallouts im AKW Fukushima nach dem heftigen Erdbeben in Japan hat China die Bewilligung weiterer Kernkraftwerke vorerst ausgesetzt. Die Sicherheitsstandards in bestehenden und den im Bau befindlichen AKW müssten überprüft werden, hieß es am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung. Viele Regierungen auf der Welt haben ihre Atompolitik nach dem Unglück in Japan auf den Prüfstand gestellt. Deutschland schaltet sieben Reaktoren vorübergehend ab.

+++ Bundestag gedenkt japanischer Opfer +++

[13.37 Uhr] Der Deutsche Bundestag hat am Mittwoch mit einer Gedenkminute der Tausenden Opfer des Erdbebens und Tsunamis in Japan gedacht. "Wir alle stehen unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse in Japan, nach denen es kein einfaches Eintreten in die Tagesordnung geben kann", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). "Die Nachrichten aus dem Katastrophengebiet halten die Welt in Atem, auch in unserem Land." Das Ausmaß dieser Katastrophe erschüttere alle Menschen in Deutschland. An den japanischen Botschafter Takahiro Shinyo gewandt sicherte Lammert Japan "Solidarität und Unterstützung bei der Bewältigung der Katastrophe" zu. Er wisse, dass viele Menschen in Deutschland Japan helfen wollen.

Mit Blick auf die Debatte über die Nutzung der Atomkraft in Deutschland sagte Lammert, nach der Katastrophe müssten "alle Aspekte" neu geprüft und neu bewertet werden. "Die Angst vor der atomaren Katastrophe hinterlässt Spuren in der internationalen Staatengemeinschaft, auch in Deutschland", sagte Lammert.

+++ Kaiser Akihito will Strom sparen +++

[13.25 Uhr] Japans Kaiser Akihito setzt ein Zeichen: Aus Solidarität mit dem Volk will das Monarchenpaar in seinem Palast in Tokio täglich zwei Stunden lang freiwillig auf Strom verzichten. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch und berief sich auf Angaben des Kaiserhofs. Nachdem das schwere Erdbeben und der Tsunami mehrere Atomreaktoren beschädigt haben, gehen die japanischen Stromkonzerne dazu über, Elektrizität zu rationieren.

+++ AKW Philippsburg 1 wird möglicherweise stillgelegt +++

[13.10 Uhr] Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) hält eine endgültige Stilllegung des Kernkraftwerks Philippsburg I für möglich. Sollte die Überprüfung des Meilers während des dreimonatigen Moratoriums ergeben, dass zusätzliche Investitionen nötig seien, die im Ungleichgewicht zur Rentabilität stünden, könnte es sein, dass auch dieses Kernkraftwerk nicht mehr ans Netz gehe, sagte Pfister am Mittwoch in Stuttgart.

Möglicherweise könnten die Experten zusätzliche Anforderungen an den Berstschutz des Reaktors stellen, die zusätzliche Investitionen nötig machen würden, erläuterte Pfister.

Polizei will Wasserwerfer einsetzen

+++ Wasserwerfer statt Helikopter +++

[12.55 Uhr] Offenbar gibt es einen neuen Plan, die Brennstäbe in Reaktor 4 zu kühlen: Mit Wasserwerfern soll die Polizei zusätzliches Wasser in den Reaktor spritzen. Das berichten der Fernsehsender NHK und die Agentur Kyodo. Der Plan, einen Hubschrauber Wasser auf den Reaktor abwerfen zu lassen, wurde vom Militär vorerst aufgegeben. Die radioaktive Strahlung hatte sich am Mittwoch als zu hoch herausgestellt, ein einsatzbereiter Helikopter musste im letzten Moment abdrehen.

Die Brennstäbe in Reaktor 4 befinden sich in einem Becken neben dem Reaktordruckbehälter, der vor der Naturkatastrophe zu Routine-Wartungsarbeiten leergeräumt worden war. Das Kühlwasser in dem Becken verdampft seit Dienstag, die Brennstäbe liegen teilweise frei. Dort war am Mittmochmorgen erneut ein Feuer ausgebrochen.

Eine Explosion hatte die Außenhülle des Gebäudes von Reaktor 4 am Dienstag stark beschädigt. Offenbar hatte sich, wie schon bei den Blöcken 1 und 3 des Atomkraftwerks, Wasserstoff entzündet. Dieser hochentzündliche Stoff bildet sich, wenn freiliegende Brennstäbe mit Luft in Berührung kommen. In Block 4 ist dies besonders kritisch, weil die Brennstäbe direkt mit der Umwelt in Kontakt kommen und nicht zusätzlich abgeschirmt sind.

+++ Gouverneur von Fukushima kritisiert schlechte Versorgung der Opfer +++

[12.34 Uhr] Die Menschen in der japanischen Präfektur Fukushima sind angesichts der katastrophalen Lage in dem nahe liegenden AKW nach den Worten der dortigen Regierung zutiefst besorgt und wütend. "Dieser nukleare Unfall hat die Menschen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, und ich will, dass das ganze Land Verständnis für sie zeigt", sagte der Gouverneur der Region, Yuhei Sato, dem Fernsehsender NHK. "Die Sorge und Wut der Menschen in Fukushima haben ihre Grenze erreicht."

Im Umkreis von 20 Kilometern der Anlage waren bisher rund 200.000 Menschen vor der radioaktiven Strahlung in Sicherheit gebracht worden. Nun sollen 28.000 weitere Anwohner das Gelände um das Katastrophen-AKW verlassen. Sato kritisierte, die Menschen in den Notlagern seien noch immer nicht mit ausreichend Nahrung und den nötigen Hilfsmitteln versorgt worden. "Lebensmittel, lebensnotwendige Güter und Öl sind auf dem Weg, sie haben die Notfallzentren aber noch nicht erreicht."

+++ Frankreich rät zum Verlassen Tokios +++

[12.10 Uhr] Die französische Regierung geht offenbar vom Schlimmsten aus - und widerspricht den Offiziellen in Japan. "Reden wir nicht drum herum. Sie haben offensichtlich die Kontrolle über die Situation verloren. Das ist jedenfalls unsere Analyse und nicht das, was sie verkünden", sagte Wirtschaftsminister Eric Besson dem Fernsehsender BFM. Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet empfahl demnach allen Franzosen, Tokio mit dem Flugzeug zu verlassen. Sollten sie darauf bestehen, zu bleiben, sollten sie sich in den Süden des Landes begeben.

+++ Verkauf von Jodtabletten in Russland steigt rapide +++

[11.54 Uhr] Die Menschen in Russland fürchten sich vor der Strahlung aus Japan: In den Apotheken des Gebiets Kamtschatka seien Jodtabletten ausverkauft, teilte die örtliche Gesundheitsbehörde nach Angaben der Agentur Interfax mit. Auch in der etwa tausend Kilometer vom Atomkraftwerk Fukushima I entfernten Großstadt Wladiwostok würden die Menschen verstärkt Jod-Medikamente und Strahlenmessgeräte kaufen. Die Jodtabletten sollen dafür sorgen, dass die Schilddrüse kein radioaktives Jod mehr aufnehmen kann.

Die Radioaktivität hat sich nach Angaben des russischen Zivilschutzministeriums aber nicht erhöht. "Früher haben wir vielleicht fünf Packungen Jodtabletten am Tag verkauft, heute reißen uns die Leute in einer Stunde 40 Packungen aus der Hand", sagte ein Apothekenmitarbeiter auf der Halbinsel Kamtschatka. Der Vize-Chef der Gesundheitsbehörde, Alexander Lasarew, sprach von "verfrühter Nervosität". Stündlich würden Dutzende Wetterstationen sowie die Küstenwache die Radioaktivität in der Region kontrollieren, sagte er. In russischen Internetblogs warnen Bürger allerdings davor, den Behörden zu vertrauen.

+++ Spanien überprüft alte Reaktoren +++

[11.42 Uhr] Nach dem Atomunglück in Japan will nun auch Spanien zusätzliche Sicherheitstests an seinen Kernkraftwerken durchführen lassen. Dabei sollten auch die Gefahren von Erdbeben und Überschwemmungen berücksichtigt werden, gab Industrieminister Miguel Sebastián am Mittwoch in Madrid bekannt. Die Regierung habe bei der Aufsichtsbehörde für Nukleare Sicherheit (CSN) entsprechende Berichte angefordert.

Besonderes Augenmerk solle auf das Atomkraftwerk von Cofrentes im Osten des Landes gelegt werden. Die Anlage ist ein Siedewasserreaktor und fast baugleich mit dem Unglückskraftwerk von Fukushima. Erst einen Tag vor dem Erdbeben in Japan hatte die Madrider Regierung die Betriebsgenehmigung für Cofrentes um zehn Jahre verlängert.

+++ Zahl der Toten steigt +++

[11.30 Uhr] Die offizielle Zahl der Toten ist auf über 4100 gestiegen. Das berichtete der TV-Sender NHK am Mittwochabend (Ortszeit). Die Zahl der Vermissten geht nach wie vor in die Tausende - sie liege bei mindestens 12.000, hieß es in dem Bericht. Hunderttausende leben seit dem schweren Beben und dem folgenden Tsunami in Notunterkünften.

+++ Evakuierung schreitet fort +++

[11.17 Uhr] Weitere 28.000 Menschen sollen das Gebiet um das Kernkraftwerk Fukushima I verlassen. Der Gouverneur der Präfektur sagte dem Fernsehsender NHK, das Land erlebe eine nukleare Katastrophe. Er rief die Japaner dazu auf, die Fliehenden zu unterstützen und aufzunehmen. Das Gebiet im Umkreis von 20 Kilometern soll weitgehend geräumt sein. Menschen, die sich zwischen 20 und 30 Kilometer vom Kraftwerk entfernt aufhalten, sollen ihre Häuser nicht verlassen.

+++ Experte: "Fukushima braucht Sarkophag" +++

[11.10 Uhr] Die Reaktoren der havarierten Nuklearanlage müssen nach Ansicht des Kernkraft-Experten Christian Küppers (Ökoinstitut Freiburg) mit einer festen Hülle umbaut werden. Unabhängig vom Ausgang der Krise "muss die Anlage mit einer Art Sarkophag, ähnlich wie in Tschernobyl, eingefasst werden", sagte Küppers. Die gesamte Anlage müsste sinnvollerweise aufgegeben werden. "Ein Wiederaufbau wäre erstens zu teuer, und zweitens hätte man damit einen veralteten Reaktor. Aber nach einem solchen Unfall würde ohnehin niemand auf die Idee kommen, die Anlage weiter zu betreiben", sagte Küppers.

+++ Deutsche Forscher unterstützten Japan +++

[10.20 Uhr] Nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan unterstützt das Erdbeobachtungszentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Wissenschaftler in Japan mit Satellitenaufnahmen des Katastrophengebiets aus rund 400 Kilometern. Diese würden direkt an die japanischen Kollegen gesendet, wie ein DLR-Sprecher am Mittwoch sagte. Die Mitarbeiter des Zentrums seien seit Freitag "pausenlos im Einsatz".

Anhand der Satellitendaten könnten Zerstörungen und die noch vorhandene Infrastruktur schnell identifiziert und Rettungsmaßnahmen entsprechend koordiniert werden, erläuterte der Sprecher. Auch Mikrowellen- sowie Infrarotaufnahmen stünden den Japanern zur Verfügung.

+++ Strahlung um Fukushima I "nicht unmittelbar gesundheitsschädlich" +++

[10.10 Uhr] Die japanische Regierung übt sich in Deeskalation: Wie deren Sprecher Yukio Edano am Mittwoch mitteilte, stelle die rund um die schwer beschädigten und von Kernschmelze bedrohten Reaktoren in Fukushima I gemessene Strahlung "kein unmittelbares Gesundheitsrisiko dar".

Die Strahlung außerhalb der 20-Kilometer-Zone um das Kraftwerk habe vor zwei Stunden, um vier Uhr Ortstzeit, 1500 Mikrosievert betragen. Genaue Berichte über womöglich radioaktiv verseuchtes Trinkwasser lägen der Regierung bisher nicht vor, sagte Edano.

Mit Helikoptern sollte über dem Reaktor 3 Wasser ausgeschüttet werden, um die zum Teil freiliegenden Brennstäbe zu kühlen. Der Einsatz eines Militärhubschraubers wurde aber abgebrochen, wie Edano bestätigte. Der Grund sei eine zu hohe radioaktive Strahlung, berichtete die Agentur Kyodo.

Zwei Militärhelikopter des Typs CH 47 waren vor Ort. Während einer Wasser vom Meer zu den Reaktoren bringen sollte, war der andere für Strahlenmessungen vorgesehen. Rettungskräfte wollen den Reaktor 4 nun vom Boden aus kühlen, die Vorbereitungen dazu laufen.

+++ WHO-Sprecher will Gerüchte über radioaktive Wolke unterbinden +++

[10.00 Uhr] Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat erklärt, es gebe derzeit keine konkreten Hinweise darauf, dass sich weltweit signifikante Mengen an Radioaktivität vom havarierten AKW Fukushima ausbreiteten. Ein Sprecher der Organisation in China, Michael O'Leary, bezog sich am Mittwoch auf Gerüchte, wonach eine radioaktive Wolke sich über ganz Asien ausbreiten könne. "Die Regierungen und Behördenvertreter sollten diese Gerüchte unterbinden, weil sie die öffentliche Moral schädigen", forderte O'Leary.

+++ Behörden sprechen von 11.900 Toten und Verletzten +++

[09.41 Uhr] Die Zahl der Erdbeben- und Tsunami-Opfer in Japan steigt weiter: Laut einem Bericht des Nachrichtensenders NHK beziffern die Behörden die Zahl der Toten und Vermissten auf 11.900. Etwa 3700 Leichen habe man bisher identifizieren könne, hieß es.

+++ Grünen-Politiker für Bundeswehr-Hilfseinsatz in Japan +++

[09.37 Uhr] Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour plädiert dafür, Japan den Einsatz von Spezialkräften der Bundeswehr zur Bewältigung der Atomkatastrophe anzubieten. Die Bundeswehr verfüge über herausragende Fähigkeiten, nuklear verseuchtes Material aufzuspüren und zu dekontaminieren. "Beides wird jetzt und später noch mehr in Japan gebraucht", sagte Nouripour.

Der Grünen-Politiker sprach sich für den Einsatz des ABC-Spürpanzers "Fuchs" und des Truppenentgiftungsplatzes 90 (TEP 90) aus. "Ich finde es ist unsere Pflicht, beides den Japanern zumindest anzubieten."

+++ Bundesamt für Strahlenschutz: kein Gesundheitsrisiko für Europa +++

[09.34 Uhr] Die Atomkatastrophe in Japan birgt nach Einschätzung des Präsidenten des Bundesamts für Strahlenschutz, Wolfram König, derzeit kein gesundheitliches Risiko für Europa. Gegenwärtig gebe es keine Anzeichen, dass es zu einer "irgendwie gearteten Konzentration" in Europa komme, die gesundheitsgefährdend sein könnte, sagte König am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Die Messgeräte in Europa könnten bereits feinste Spuren von Radioaktivität entdecken, betonte König.

+++ Japan schickt Tausende Reservisten ins Katastrophengebiet +++

[09.12 Uhr] Japans Verteidigungsministerium hat angekündigt, Reservisten in das Erdbeben- und Tsunami-Gebiet im Nordosten der Hauptinsel Honshu zu schicken. Rund 6400 Reservisten würden zur Verstärkung der 70.000 Soldaten entsandt, die bereits im Einsatz seien, erklärte das Ministerium am Mittwoch in Tokio. Insgesamt sollen 100.000 reguläre Soldaten bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten helfen. Das sind rund 40 Prozent der japanischen Streitkräfte.

Durch das Erdbeben der Stärke 9.0 und den anschließenden Tsunami am Freitag wurden laut Behördenangaben 3676 Menschen getötet, 7558 Menschen würden weiterhin vermisst. Allein in der am stärksten betroffenen Präfektur Miyagi werden 10.000 Tote befürchtet. Infolge des Erdbebens und der dadurch ausgelösten schweren Unfallserie im Atomkraftwerk Fukushima 1 wurden rund 556.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Mehr als eine Million Gebäude und Haushalte haben weiterhin keinen Strom oder fließendes Wasser.

+++ Akihito "ernsthaft besorgt" über Atomkrise +++

[09.01 Uhr] Am Mittwoch erklärte der 125. Tenno von Japan, Akihito, die durch das Erdbeben verursachten Probleme in japanischen Kernkraftwerken seien "unvorhersehbar" gewesen. Er sei "tief besorgt" über die Folgen der in dieser Stärke noch nie dagewesenen Naturkatastrophe.

Akihito bat die Japaner in einer im Fernsehen übertragenen Rede, nicht aufzugeben. "Wir wissen noch nicht genau die Zahl der Opfer, aber ich bete dafür, dass jeder Einzelne gerettet wird."

+++ Cäsium und Jod in Leitungswasser in Fukushima +++

[09.00 Uhr] In der Präfektur Fukushima ist im Leitungswasser Cäsium und Jod nachgewiesen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf örtliche Behörden. Dies habe aber keine Auswirkungen auf die Gesundheit, hieß es. Nach dem verheerenden Tsunami kämpft Japan gegen eine Atomkatastrophe im Kraftwerk Fukushima, von der auch die Hauptstadt Tokio betroffen sein könnte.

Laut WikiLeaks waren Risiken bei Japans Atomanlagen bekannt

+++ Brennstäbe in Reaktoren 1, 2, und 3 liegen frei +++

[08.48 Uhr] Den Spezialisten in der Nuklearanlage in Fukushima Daiichi gelingt es trotz Wasserzufuhr nicht, die Brennstäbe in den Reaktoren 1, 2 und 3 ausreichend zu kühlen. Ein Sprecher der japanischen Atomaufsichtsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) sagte, nach Informationen der vergangenen Nacht lägen in den Einheiten die Kernbrennstäbe teilweise zur Hälfte frei.

Damit erhöht sich die Gefahr einer Beschädigung der Brennstäbe und einer Kernschmelze. Für den ebenfalls beschädigten Reaktor 4 lägen keine Daten vor. Nach Angaben des NISA-Mitarbeiters liegen die rund vier Meter langen Kernbrennstäbe im Druckbehälter des Reaktors 1 auf etwa 1,80 Länge frei. In Einheit 2 lägen die Brennstäbe auf 1,40 Meter, in Einheit 3 auf bis zu 2,30 Meter Länge frei.

Besonders gefährlich ist die Entwicklung in Reaktor drei. Dort betrifft die Kernschmelze plutoniumhaltige Brennstäbe. Sollte eine Kernschmelze zur Beschädigung des Reaktordruckbehälters führen und Plutonium entweichen, befürchten Experten eine massive Verseuchung und eine enorme Gefährdung der Bevölkerung durch das hochgiftige Spaltmaterial.

Die japanische Atomsicherheitsbehörde hatte am späten Abend (Ortszeit) mitgeteilt, in Reaktor 1 seien möglicherweise 70 Prozent der Brennstäbe beschädigt. Die Art des Schadens sei aber unbekannt. Die Brennstäbe könnten entweder dabei sein, zu schmelzen, oder sie könnten Löcher haben.

+++ Laut Wikileaks waren Risiken bei Japans Atomanlagen bekannt +++

[08.39 Uhr] Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat in Japan bereits vor mehr als zwei Jahren auf mögliche Probleme bei der Erdbeben-Sicherheit seiner Atomkraftwerke hingewiesen. Die Anlagen seien starken Beben nicht gewachsen, wird ein IAEA-Experte in einer diplomatischen US-Depesche vom Dezember 2008 zitiert. Das berichtet die britische Zeitung "Daily Telegraph" unter Berufung auf die Enthüllungsplattform Wikileaks.

Der namentlich nicht genannte Vertreter der Internationalen Atomenergie-Organisation habe beim Treffen der G8 Nuclear Safety and Security Group (NSSG) vom 3. bis 4. Dezember 2008 in Tokio darauf hingewiesen, dass die Sicherheitsrichtlinien zum Schutz der japanischen Atomanlagen vor Erbeben in den vergangenen 35 Jahren lediglich dreimal überprüft worden seien. In der Vergangenheit hätten Erdbeben aufgezeigt, dass in manchen Fällen das Grunddesign der Anlagen nicht geeignet sei, stärkeren Erdstößen zu widerstehen.

Japan hatte auf die Hinweise mit dem Bau eines Notfallschutzzentrums reagiert. Die Anlagen selbst blieben aber laut "Telegraph" nur für Erdbeben der Stärke 7 gewappnet. Das Beben vom vergangenen Freitag, das nun zu einer atomaren Katastrophe führen könnte, hatte die Stärke 9.

+++ Druck in Reaktor 2 in Fukushima fällt +++

[08.29 Uhr] Im Reaktor 2 des japanischen Atomkraftwerks Fukushima I gibt es laut Angaben des Betreibers eine gewisse Entspannung. Der Druck sei zurückgegangen und die Temperaturen hätten sich stabilisiert, teilte der Energiekonzern Tepco am Mittwoch mit. Die Lage im Reaktor 4 nannte das Unternehmen dagegen "nicht so gut". Priorität habe derzeit allerdings die Situation im Reaktor 3.

+++ Grüne legen infolge der Atomkatastrophe zu +++

[08.25 Uhr] Nach der Atomkatastrophe in Japan haben die Grünen in der Wählergunst zugelegt. Laut einer Forsa-Umfrage vom Montag für den Wahltrend von "Stern" und RTL kletterten sie auf 18 Prozent. Ende vergangener Woche, also vor der Katastrophe im japanischen AKW Fukushima, hätten sie bei 15 Prozent gelegen, im Wahltrend in der Vorwoche bei 16 Prozent, teilte das Magazin "Stern" am Mittwoch mit.

Die CDU/CSU hält sich in der Umfrage stabil bei 36 Prozent. Die SPD liegt unverändert bei 26 Prozent. Auch die FDP erzielt unverändert 5 Prozent zurück. Die Linke sinkt um einen Punkt auf 9 Prozent. Für sonstige Parteien würden 6 Prozent der Wähler stimmen (-1). Mit zusammen 44 Prozent liegt Rot-Grün damit wieder klar vor Union und FDP, die zusammen auf 41 Prozent kommen.

+++ Toyota nimmt Teile seiner Produktion wieder auf +++

[08.15 Uhr] Ab dem morgigen Donnerstag will der Autohersteller Toyota Teile seiner Produktion in Japan wieder aufnehmen. Wann die zwölf Hauptwerke des Konzerns die Arbeit wieder aufnähmen, steht aber noch nicht fest, erklärte ein Unternehmenssprecher.

+++ Bürgermeister bittet die Welt um Hilfe +++

[07.54 Uhr] Verzweifelter Appell: Der Bürgermeister der Stadt Koriyama in der Nähe von Fukushima meldet einen eklatanten Mangel an Benzin, Öl, Wasser und Nahrungsmitteln für Flüchtlinge. "Ich möchte mich wirklich an die ganze Welt wenden: Wir brauchen Hilfe", sagte Masao Hara, der Nachrichtenagentur AFP.

+++ Mehr als 2000 Chinesen fliehen aus Katastrophenregion +++

[07.36 Uhr] Wie die chinesische Botschaft am Mittwoch auf ihrer Website mitteilte, hielten sich insgesamt 33.000 Landsleute in den japanischen Präfekturen Miyagi, Fukushima, Ibaraki und Iwate auf. Der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge sollen bereits mehr als 2000 Chinesen die Katastrophenregion verlassen haben. Sie seien zunächst nach Tokio und Niigata gebracht worden, hieß es.

+++ Japan nimmt medizinische Hilfe aus Übersee an +++

[07.30 Uhr] Die japanische Regierung hat beschlossen, medizinische Hilfe aus Übersee anzunehmen. Demnach sollen Ärzte aus Kanada und mehreren anderen Staaten Erdbebenüberlebende in der Katastrophenregion behandeln. Dies bestätigte ein Sprecher des Außenministeriums laut Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ Einsatzkräfte wollen aus der Luft Wasser auf Reaktor 3 schütten +++

[07.23 Uhr] Japanische Einsatzkräfte wollen von Helikoptern aus Wasser auf den Reaktor 3 am AKW Fukushima schütten, um die Brennstäbe zu kühlen, meldete der Sender NHK. Die Kühlungsaktion am Reaktor 3 war zuvor wegen der Strahlenbelastung vorübergehend eingestellt worden. Ein Teil der Schutzhülle des Reaktors 3 ist laut Regierungsangaben möglicherweise beschädigt.

+++ Japanische Notenbank ergreift weitere Stützungsmaßnahmen +++

[07.14 Uhr] Die japanische Notenbank hat das Finanzsystem auch am Mittwoch mit einer Geldspritze in Milliardenhöhe gestützt. Angesichts des hohen Bedarfs an Liquidität der heimischen Banken infolge des Erdbebens und der Atomkatastrophe stellte die Notenbank der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge als kurzfristige Notfall-Liquidität 3,5 Billionen Yen (rund 30 Milliarden Euro) zur Verfügung.

Bereits am Montag und Dienstag hatten die Währungshüter Milliarden in das Bankensystem gepumpt. Am Montag hatte die Notenbank dabei die Rekordsumme von 15 Billionen Yen kurzfristig bereitgestellt. Damit hatten die Währungshüter so viel kurzfristige Mittel wie noch nie an einem Tag in den Markt gepumpt. Bislang lagen die Beträge zur Notversorgung bei ein bis zwei Billionen Yen.

+++ Japanische Regierung bestätigt 11.000 Tote und Vermisste +++

[07.08 Uhr] Nach dem Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami am Freitag ist die Zahl der Toten und Vermissten in Japan inzwischen auf mehr als 11.000 gestiegen. Offiziell wurden am Mittwoch über 7500 Menschen vermisst, wie die Polizei mitteilte. Die Zahl der bestätigten Toten lag bei 3676, verletzt wurden demnach 1990 Menschen. Am Sonntag hatte der Polizeichef der besonders schwer getroffenen Präfektur Miyagi erklärt, allein in dieser Region rechne er mit 10.000 Toten.

Wahlen in Japan werden verschoben

+++ Opposition kritisiert Informationspolitik der japanischen Regierung +++

[07.00 Uhr] Der japanische Oppositionspolitiker Taro Kono von der liberal-demokratischen Partei hat die Regierung seines Landes scharf dafür kritisiert, dass sie nur zögernd Information über die Rauchentwicklung über dem AKW Fukushima herausgegeben hat. Die mit dreisündiger Verspätung eintreffenden Angaben hätten zur Verunsicherung der Bevölkerung beigetragen, sagte er dem Nachrichtensender BBC.

+++ Hongkong fürchtet radioaktive Wolke +++

[06.49 Uhr] Die japanische Atomkatastrophe hat in der Millionenmetropole Hongkong Verwirrung ausgelöst. In E-Mails und Blogs war vor einer radioaktiven Wolke vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima gewarnt worden, die auf Hongkong zukomme. Ein Vertreter der Regierung dementierte die Gerüchte am Mittwoch. Beim Messen der Strahlenintensität seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Im Radiosender RTHK betonte Leung Wing-mo, Westwind würde jegliche Radioaktivität von Japan aus nach Osten in Richtung Pazifik treiben - und damit weg von Hongkong. Die Stadt liegt etwa 3000 Kilometer oder einen vierstündigen Flug von der japanischen Hauptstadt Tokio entfernt.

+++ Australische Helfer kontaminiert +++

[06.46 Uhr] Angehörige von australischen und neuseeländischen Rettungsteams sollen einer niedrigen Strahlendosis ausgesetzt gewesen sein, als ihr Helikopter in der Nähe der AKW Fukushima landen musste. Die Regierungen beider Länder bestätigten dies am Mittwoch, erklärten aber, dass keiner der Betroffenen gesundheitliche Schäden davon getragen habe.

Das Team musste etwa 20 Kilometer von der Sperrzone entfernt notlanden, nachdem die Rotorblätter des Hubschraubers vereist waren. Bei einem Check nach Rückkehr der Helfer habe man "sehr geringe Mengen an Radioaktivität auf den Schuhen der Männer gefunden", sagte die australische Premierministerin Julia Gillard.

+++ Japanische Regierung verschiebt Wahlen +++

[06.28Uhr] Die japanische Regierung hat im April anstehende Gouverneurs-, Bürgermeister- und Kommunalwahlen in der von Erdbeben und Tsunami verwüsteten Krisenregion im Nordosten des Landes um zwei Monate verschoben. Dies meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ Mehr als 1,6 Millionen Haushalte ohne Wasser +++

[06.20 Uhr] Mindestens 1,6 Millionen Haushalte sind nach der Naturkatastrophe in Japan noch immer ohne fließend Wasser. Das berichtete der Sender NHK am Mittwoch (Ortszeit) und berief sich auf Angaben des Gesundheitsministeriums. Zuvor hatte NHK bereits gemeldet, dass 76.000 Gebäude beschädigt und mindestens 6300 weitere komplett zerstört seien. Mindestens 440.000 Menschen lebten in 2400 Notunterkünften. Dort mangele es teilweise an Wasser und Essen. Im Nordosten seien außerdem 850.000 Haushalte ohne Strom.

+++ AKW-Betreiber will Straße zu Reaktor 4 bauen +++

[05.54 Uhr] Der Kraftwerk-Betreiber Tepco versucht nach Angaben der japanischen Atombehörde, eine Zufahrtsstraße zum schwer beschädigten Reaktor 4 zu bauen, damit Feuerwehrfahrzeuge den Meiler erreichen können. Eine solche Baumaßnahme würde den Rettungseinsatz massiv erleichtern.

+++ Regierung in Paris fordert Franzosen zur Ausreise auf +++

[05.44 Uhr] Frankreich hat alle Landsleute in Japan aufgefordert, auszureisen oder sich in südliche Landesteile zurückzuziehen. Als Grund wurde ein erhöhtes Strahlenrisiko angegeben. Die Fluggesellschaft Air France sei gebeten worden, Flugzeuge zur Verfügung zu stellen, hieß es aus Paris weiter. Zwei Maschinen seien bereits auf dem Weg.

+++ Arbeiter können Anlage wieder betreten +++

[05.31 Uhr] Die Rettungsarbeiten im AKW Fukushima gehen weiter. Die Strahlung in und um die Anlage ist offenbar wieder soweit gesunken, dass das Risiko für die Mannschaft zumutbar scheint. Die verbliebenen 50 Arbeiter versuchen in verzweifelten Aktionen, die überhitzten Reaktoren abzukühlen. 750 ihrer Kollegen wurden bereits abgezogen.

+++ Nachbarländer erwarten keine erhöhte Strahlenbelastung +++

[05.24 Uhr] Nach dem Strahlungsaustritt aus dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi erwarten die Nachbarstaaten Japans keinen sofortigen Anstieg der Radioaktivität. Im Osten Russlands seien bislang keine erhöhten Strahlenwerte gemessen worden, teilte das russische Katastrophenschutzministerium am Dienstag mit. Auch Singapur meldete keine ungewöhnlichen Veränderungen des Strahlungsniveaus.

+++ Südkorea liefert 52 Tonnen Bor nach Japan +++

[05.13 Uhr] Nachbarschaftshilfe im Kampf gegen die Nuklearkatastrophe: Südkorea will einen Teil seiner Reserven des Halbmetalls Bor nach Japan schicken, um damit die beschädigten Atomreaktoren in Fukushima zu stabilisieren. Die Chemikalie absorbiert Neutronen, verlangsamt die Kernspaltung und soll die Reaktoren so zusätzlich abkühlen. Südkorea werde auf Bitten Japans 52 Tonnen Bor in das Nachbarland schicken, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Seoul am Mittwoch. Die Chemikalie, die mit Meerwasser gemischt wird, soll in den nächsten Tagen per Schiff geliefert werden.

+++ Nachbeben lässt Tokio erzittern +++

[05.05 Uhr] Immer wieder erschüttern Nachbeben die japanische Hauptstadt. Auch am Mittwoch brachten gegen 13 Uhr (Ortszeit) mehrere Erdstöße die Gebäude der Metropole ins Wanken. Das Beben der Stärke 6,0 ereignete sich vor der Küste der Präfektur Chiba, wie die japanische Wetterbehörde am Mittwoch mitteilte. Demnach lag das Zentrum des Erdbebens in zehn Kilometern Tiefe. Eine Tsunami-Warnung gab es aber nicht.

+++ Nikkei-Index fällt wieder unter 9000 Punkte +++

[04.54 Uhr] Nach zwei schwachen Tagen hat sich die japanische Börse am Mittwoch etwas erholt. Der Nikkei mit 225 führenden Werten lag zur Handelspause am Mittag bei 8981,14 Punkte, ein Anstieg von um 4,37 Prozent. Im frühen Handel war der Index sogar um knapp sieben Prozent auf 9.168,51 Punkte geklettert.

+++ China verschärft Kontrollen bei Japan-Lieferungen +++

[04.45 Uhr] Wegen der Atomkatastrophe in Japan hat China verstärkte Radioaktivitätskontrollen bei Schiffsladungen angeordnet, die in chinesischen Häfen eintreffen. Dadurch sollen Waren verfolgt werden, die durch den Strahlungsaustritt in den beschädigten Atomanlagen verseucht wurden. Dies geht aus der am Mittwoch veröffentlichen Anordnung der chinesischen Behörde für Qualitätsüberwachung hervor. China ist Japans größter Handelspartner. Der Handel zwischen den beiden Ländern stieg im vergangenen Jahr um 30 Prozent auf 300 Milliarden Dollar (215,8 Milliarden Euro). Japanische Exporte nach China nahmen um 36 Prozent auf knapp 150 Milliarden Dollar (107,9 Milliarden Euro) zu.

+++ Börse: Nikkei-Anstieg schwächt sich ab +++

[04.21 Uhr] Die Aktienkurse an der Tokioter Börse haben sich zum Ende der Morgen-Sitzung stabilisiert. Allerdings kippte der steile Kursanstieg bei sechs Prozent - der Nikkei lag zu Mittag nur noch 4,5 höher als am Vorabend.

+++ Sprecher: "Können nicht einmal die kleinsten Arbeiten ausführen" +++

[04.12 Uhr] Die Kühlungsaktion am Reaktor 3 ist wegen der Strahlenbelastung vollständig eingestellt. "Die Männer können nicht einmal die kleinsten Arbeiten ausführen", sagte Regierungssprecher Edano. Wegen der Strahlengefahr seien sie jetzt auf "standby".

+++ Hubschrauber-Crew misst geringe Strahlung in AKW-Nähe +++

[04.09 Uhr] Zwei Besatzungsmitglieder eines australischen Rettungshubschraubers waren leicht erhöhter radiokativer Strahlung ausgesetzt, als ihre Maschine in der Präfektur Fukushima notlanden musste, meldet AFP. Demnach wurde die Strahlung an ihren Stiefeln entdeckt. Sie landeten rund 20 Kilometer außerhalb der Evakuierungszone um das Unglücks-AKW.

+++ Regierung: Mantel in Reaktor 3 möglicherweise beschädigt +++

[04.05 Uhr] Ein Teil der Schutzhülle des Reaktors 3 im AKW Fukushima 1 ist nach Regierungsangaben möglicherweise beschädigt. Anscheinend steige Rauch aus dem Reaktor, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Mittwoch. Zuvor hatte die Regierung erklärt, die Strahlenwerte an dem Kraftwerk seien zeitweilig stark gestiegen, bevor sie wieder gefallen seien.

+++ Venezuela stellt Atomprogramm ein +++

[03.50 Uhr] Als Reaktion auf die drohende nukleare Katastrophe in Japan will Venezuela sein Atomprogramm stoppen. Präsident Hugo Chavez sagte am Dienstag, die mit der Atomkraft verbundenen Gefahren seien zu groß. Er habe angeordnet, die Pläne vorerst auf Eis zu legen. Die Ereignisse in Japan veränderten die Pläne für Atomkraft in der ganzen Welt, sagte Chavez. Venezuela wollte mit russischer Hilfe ein Atomkraftwerk mit einer Leistung von 4000 Megawatt bauen.

+++ Arbeiter können AKW wegen hoher Strahlung nicht betreten +++

[03.38 Uhr] Brisante Mitteilung der Regierung: Die Strahlung im Reaktor 3 sei so hoch, dass Mitarbeiter des Atomkraftwerks das Gelände derzeit nicht betreten könnten. Das sagte Regierungssprecher Edano. Nach einem Anstieg der Strahlenbelastung müsse die Bewässerung der Reaktoren zur Kühlung der Brennstäbe vorerst eingestellt werden.

+++ Erhöhte Strahlung rund um AKW gemessen +++

[03.29 Uhr] Die Strahlenbelastung am Atomkraftwerk Fukushima I stieg kurz nach 2 Uhr (MEZ) der Regierung zufolge stark an. Etwa eine Stunde später sei der Wert wieder gefallen. Es sei der Wert von 1000 Millisievert gemessen worden, berichtete Regierungssprecher Yukio Edano. Am Mittwochmorgen habe der Wert bei weiteren Messungen zwischen 600 und 800 Millisievert gelegen. 1000 Millisievert sind in Deutschland das Tausendfache dessen, was ein Mensch über ein ganzes Jahr hinweg an zusätzlicher Strahlung aufnehmen darf.

+++ Experte: Einsatz von Borsäure nicht ohne Risiken +++

[03.20 Uhr] Um einem weiteren Strahlungsaustritt vorzubeugen, will die Betreiberfirma der beschädigten AKW mit Borsäure versetztes Wasser in den Reaktorblock 4 sprühen. Das chemische Element Bor absorbiere Neutronen und verlangsame so nukleare Reaktionen, erklärte der Experte für die Sicherheit von Atomanlagen der Universität von Südkalifornien, Naj Meshkati. Die Säure könne jedoch auch gefährlich sein. So habe sie nach mehrmaliger Verwendung bei einem Zwischenfall in einem Atomkraftwerk im US-Staat Ohio Stahlteile zerfressen, sagte Meshkati.

+++ Meteorologe: Wind weht auf den Pazifik hinaus +++

[03.13 Uhr] Radioaktive Partikel in der Luft werden vom japanischen Fukushima aus auf das Meer geweht. Der Wind habe in Richtung Südost/Ost gedreht und damit vom Land weg, sagte Meteorologe Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Ein Tief war zuvor über Japan hinweg nach Nordosten gezogen und hatte zwischenzeitlich die Luft auf die Hauptstadt Tokio zu getrieben. Zwischen dem Tief und einem Hoch im Südwesten bleibe die Wetterlage nun vorerst stabil, sagte Beyer. Größere Regenmengen, die radioaktive Teilchen auswaschen könnten, seien bis zum Wochenende jedoch nicht in Sicht. In Japan herrschen derzeit Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Rauch steigt aus Reaktor 3

+++ Tepco meldet Rauch über Reaktor 3 +++

[02.59 Uhr] Die Verwirrung um das AKW geht weiter: Nun erklärt Tepco, der Rauch steige aus Reaktor 3 auf. Das Feuer am Morgen war aber in Anlage 4 ausgebrochen. Laut dem Betreiber könne es sich bei der Emission um Dampf handeln.

+++ Dramatische Versorgungslage in Japan +++

[02.46 Uhr] Viele Menschen in den Katastrophengebieten an der Nordostküste Japans müssen auf das Allernötigste verzichten. "Es gab keinen Strom, kein Gas, kein Essen, kein Wasser - absolut nichts", sagte der Fotograf Piotr Onak der Nachrichtenagentur dpa. Es war in der Präfektur Iwate im Nordosten des Landes unterwegs. In der Küstenstadt Kamaishi übernachtete er in einer Notunterkunft. Die Menschen ertragen das Leid ohne zu klagen, so der Fotograf aus London: "Sie beschweren sich nicht, sie weinen nicht, sie nehmen alles mit Würde."

+++ Verwirrung um qualmenden Reaktor +++

[02.35 Uhr] Noch ist die Situation im AKW Fukushima völlig unklar: Weißer Rauch steigt aus der Anlage, alles deutet auf ein Feuer im AKW hin. Gleichzeitig erklärte jedoch der Handelsminister des Landes, laut Regierungsangaben gebe es kein Feuer in dem Gebäude. Dies meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

+++ Livebilder: Dicke Rauchwolken über Atomkraftwerk +++

[02.17 Uhr] Auf Bildern des japanischen Fernsehens sind nach dem Ausbruch des neuen Feuers im Atomkraftwerk Fukushima dicke Rauchwolken zu sehen. Die Schwaden, die von Reaktor 4 aufsteigen, sind so dicht, dass das Gebäude erkennbar ist. Die Bilder übertrug der Sender NHK am Mittwochvormittag (Ortszeit). Der zweite Brand binnen 24 Stunden war am Morgen vermutlich nach einer Wasserstoffexplosion ausgebrochen.

+++ Zentralbank stellt weitere Milliarden zur Verfügung +++

[02.01 Uhr] Die japanische Notenbank stützt die Finanzmärkte am Mittwoch wie angekündigt mit weiteren Finanzspritzen. Sie stellt 3,5 Billionen Yen (gut 30 Milliarden Euro) kurzfristige Notfall-Liquidität zur Verfügung, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Der Nikkei-Index legte nach Handelsbeginn um 536 Punkte oder 6,2 Prozent auf 9141,15 Zähler zu.

+++ Betreiber: Brand in Reaktor nicht gelöscht +++

[01.58 Uhr] Verwirrung um Feuer in Reaktor 4: Gerade hatte die Atombehörde Entwarnung gegeben, da erklärt der Anlagenbetreiber Tepco, dass der Brand doch noch nicht unter Kontrolle sei. Erneut meldet ein japanischer TV-Sender, weißer Rauch steige aus der Anlage. Zuvor hatte es geheißen, die Flammen seien von selbst erloschen. Die Situation im schwer beschädigten AKW Fukushima bleibt unübersichtlich.

+++ Borsäure könnte Kettenreaktion verhindern +++

[01.43 Uhr] Techniker erwägen die Möglichkeit, am Unglücks-Kraftwerk Fukushima aus Hubschraubern feuerhemmende Borsäure auf den beschädigten Reaktor 4 zu sprühen. Damit sollte eine mögliche Kettenreaktion in den dort gelagerten abgebrannten Brennelementen verhindert werden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Betreiber Tepco. Die Wahrscheinlichkeit eines Wiederanlaufens der Kettenreaktion sei "nicht null", hieß es demnach in einer Tepco-Mitteilung.

+++ Aufatmen an der Börse: Nikkei klettert weiter +++

[01.29 Uhr] Die Börsenkurse in Tokio steigen noch immer kräftig. Der Nikkei-Index gewann in den ersten Handelsstunden rund sechs Prozent hinzu. Am Dienstag hatte der Index als Reaktion auf die Erdbeben-Katastrophe und einen drohenden Atomunfall um mehr als zehn Prozent nachgegeben.

+++ Lammert lässt AKW-Abschaltung rechtlich prüfen +++

[01.14 Uhr] Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bezweifelt, dass die Regierungen von Bund und Ländern eine Abschaltung von Atomkraftwerken ohne Zustimmung des Bundestages beschließen dürfen. "Ich lasse prüfen, ob es dazu weiterer korrigierender gesetzlicher Regelungen bedarf", sagte Lammert der "Berliner Zeitung" (Mittwoch). Die Regierung beruft sich bei ihrem dreimonatigen Moratorium mit der Abschaltung von acht - teilweise bereit stillstehenden - Reaktoren auf Paragraf 19 des Atomgesetzes. Dort ist geregelt, dass in Notsituationen bestimmte AKW vorübergehend oder ganz still gelegt werden können.

Börsenstart: Nikkei-Index klettert rasant

+++ Aktienkurse steigen zum Handelsbeginn +++

[01.04 Uhr] Überraschende Entwicklung zum Börsenstart: Nach den massiven Kursverlusten der vergangenen Handelstage eröffnet die Tokioter Börse im Plus. Der Nikkei-Index legt zu Beginn des Handels um knapp zwei Prozent zu. Am Dienstag hatte der Nikkei aus Angst vor einer noch schlimmeren Katastrophe mehr als zehn Prozent seines Wertes verloren.

+++ Sender: 70 Prozent der Brennstäbe zerstört +++

[00.55 Uhr] Die überhitzten Brennstäbe in zwei Reaktoren des AKW Fukushima sind nach Angaben des Betreibers Tepco bereits erheblich beschädigt. In Reaktor 1 seien bereits rund 70 Prozent der Brennstäbe beschädigt, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch. In Reaktor 2 seien es etwa 33 Prozent. Die Brennstäbe könnten entweder dabei sein, zu schmelzen oder sie könnten Löcher haben. Die Stäbe liegen im Herzen der Anlagen. Wegen fehlender Kühlung wird seit Tagen befürchtet, dass sie sich ein einer Kernschmelze verflüssigen. Dann könnte sich die extrem heiße Masse im schlimmsten Fall durch die Sicherheitswände fressen.

+++ Fast eine Million Haushalte ohne Strom +++

[00.49 Uhr] Nach der Erdbebenkatastrophe sind im Norden Japans weiter rund 850.000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten. Dies teilte der Betreiber Tepco mit. Stillgelegte Kernkraftwerke und zerstörte Hochspannungsleitungen sind die Hauptursache für den Versorgungsengpass.

+++ Atomaufsicht: Feuer von selbst erloschen +++

[00.36 Uhr] Laut der Nachrichtenagentur AFP hat ein Sprecher der japanischen Atomaufsicht erklärt, dass der Brand in Reaktor 4 von selbst erloschen zu sein scheint. "Wir haben von dem Betreiber Tepco erfahren, dass weder Rauch noch Flammen zu sehen sind", sagte Minoru Ogoda demnach. Nach Angaben von Tepco war der neue Brand in dem Reaktor ausgebrochen, weil das erste Feuer, das nach einer Explosion frühen Dienstagmorgen entstanden war, nicht vollständig gelöscht wurde.

+++ Obama kündigt Nachbesserungen an US-AKW an +++

[00.29 Uhr] Angesichts der drohenden Atomkatastrophe hat US-Präsident Barack Obama Sicherheitsnachbesserungen an Nuklearanlagen in den Vereinigten Staaten angekündigt. Es sei wichtig zu prüfen, wie die Sicherheit der US-Atomkraftwerke verbessert werden könne, sagte Obama dem Fernsehsender CBS. Die Anlagen seien zwar so gebaut, dass sie Erdbeben bis zu einer bestimmten Stärke standhalten könnten, aber "nichts ist zu einhundert Prozent sicher", fügte Obama hinzu. Zugleich äußerte er sich "tief besorgt" über die Vorkommnisse in Japan, wo nach einem Erdbeben und einem Tsunami die Atomanlage Fukushima 1 schwer beschädigt wurde. Die USA unterstützten die Japaner mit allen Mitteln, versicherte Obama.

+++ Brand in Reaktor 4 soll unter Kontrolle sein +++

[00.23 Uhr] Der britische Sender Sky News meldet unter Berufung auf die japanische Regierung, die Rettungskräfte hätten das Feuer unter Kontrolle gebracht. Von außen seien weder Flammen noch Rauchentwicklung zu erkennen.

+++ TV-Sender: Feuer wütet in Kontrollraum der Kühlanlage +++

[00.14 Uhr] Der neue Brand im Reaktor 4 hat nach Angaben des Betreibers vermutlich die Kontrolleinheit der Wasserkühlanlage erfasst. Das meldete der Sender NHK am Mittwochmorgen (Ortszeit). In dem Reaktor lagern abgebrannte Brennstäbe, die ohne ausreichende Kühlung aber ähnlich gefährlich wie aktive Brennstäbe sind. Die Kühlung in der Anlage hatte schon vor Stunden versagt - mit einem weiteren Feuer steigt aber die Gefahr, dass Radioaktivität aufgewirbelt wird.

Die Ereignisse vom Dienstag finden Sie hier im Minutenprotokoll.

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