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BILDBÄNDE Miserabler Tänzer

aus DER SPIEGEL 12/2007

Autoabgase, Ölausdünstungen von den umliegenden Raffinerien, der muffige Gestank der bröckelnden Bauten in der Altstadt, in Wohnungen lebende Schweine - das ist Kubas Hauptstadt Havanna heute. Doch Kuba-Kenner Thomas Mießgang beschreibt in seinem gerade erschienenen Fidel-Castro-Bildband auch die andere Seite des Landes: In jedem noch so winzigen Bergdorf gibt es eine Schule und medizinische Versorgung. Beides ist das Resultat der Regierungszeit Castros, des Máximo Líder, der im vergangenen Sommer fast 80-jährig die Führung des Landes seinem Bruder Raúl übergab. Mießgang möchte mit seinem Buch ein differenziertes Bild des eisernen Commandante vermitteln. Wie ist er wirklich, der Mann, nach dessen Vorbild sich in den Sechzigern zahlreiche Linksintellektuelle Europas die »Weltrevolution« versprachen. Im Bildband wird die verbissene Seite ausführlich gezeigt, die verkrampften Gesten des nicht unbedingt begnadeten Marathon-Redners, aber auch seine charmante Lässigkeit beim Lesen oder Angeln. Neben vielen Beispielen für die legendäre Sturheit des langjährigen Staatschefs erfährt man einiges Privates: dass Castro schon als Teenager von seinem Vater in die Kunst des Zigarrerauchens eingeführt wurde, dass er ein guter Baseball-Spieler war und ein miserabler Tänzer ist, dass er hervorragend kocht und Langusten nur mit Knoblauch in Butter gedünstet mag. Die können sich seine Untertanen allerdings nicht leisten.

Thomas Mießgang: »Fidel Castro - Vaterland oder Tod«. Fackelträger Verlag, Köln; 192 Seiten; 19,95 Euro.

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