Miss Universum Schönheitskampf der Kulturen

Miss Deutschland Universum betreibt nach eigenen Angaben das Hobby "Lernen von fremden Kulturen". Dazu hat sie nun reichlich Gelegenheit: In Kalifornien misst sie sich mit 85 Missen aus aller Welt, es geht um den Titel "Miss Universum". SPIEGEL ONLINE zeigt, mit wem sie es zu tun bekommt.
Von Brenda Strohmaier

Hamburg - 50 Kilogramm schwer, 1,78 Meter groß, 26 Jahre alt - das sind die Daten von Natalie Ackermann. Der "Berliner Kurier" rühmt die brünette Kombattantin aus dem nordrhein-westfälischen Meerbusch bereits als "schärfste Waffe Deutschlands". Auf jeden Fall hat sich Ackermann - um im militärischen Jargon zu bleiben - auf ihren Einsatz im Kampf der Kulturen generalstabsmäßig vorbereitet, wie sie einem Reporter der philippinischen Internetseite www.missosology.org  verriet. Tag für Tag schwitzte sie im Fitnessstudio, übte mit Experten den eleganten Schritt über den Laufsteg sowie vor Publikum zu reden.

Jetzt drischt sie Phrasen, wie man sie von deutschen Sportlern kennt: "Ich bin gut trainiert und freue mich auf die große Herausforderung. Ich werde mein Bestes geben, um für Deutschland den zweiten Titel zu holen." Zeit wäre es dafür allemal: Bei dem Wettbewerb, der 1952 in den USA zunächst als "Bath Beauty Contest" ins Leben gerufen wurde, gewann zuletzt 1961 eine Deutsche: die zuvor aus der DDR in die Bundesrepublik geflohene Marlene Schmidt.

Es ist ein seltsamer Wettbewerb der Nationen, dem sich Ackermann stellt. Schon allein wegen des Titels. "Miss Universum" klingt, als würden auch Marsfräulein und andere Wesen vor die Jury treten. Aber der Titel "Miss World" war damals schlicht schon vergeben. Weil dieser heute noch verliehen wird - nebst Auszeichnungen wie "Miss Earth" und "Miss International" - gibt es eine gewisse Verwirrung darüber, wer nun tatsächlich die Schönste ist. So errang Ackermann im Januar in Krefeld den Titel "Miss Deutschland Universum". Bei der gleichen Veranstaltung wurde auch noch eine "Miss Deutschland" gekürt, die an der Wahl zur "Miss Europa" teilnehmen darf.

Vielleicht liegt es daran, dass der Miss-Universum-Titel meist lediglich zu sehr kurzzeitigem Ruhm gereicht. So rückte die Gewinnerin des vergangenen Jahres, die Kanadierin Natalie Glebova, nach ihrem Sieg nur noch einmal in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Und zwar deshalb, weil sie es in ihrer Heimatstadt Toronto mit Bürokraten zu tun bekam, als sie im Schönheitsköniginnen-Outfit ein Thai-Food-Festival eröffnen wollte. Dies sei nicht gestattet, belehrten sie Beamte. Sie begründeten dies mit einem Gesetzeszusatz von 1990. Der besagt, dass sexuelle Herabwürdigung oder Stereotypisierung von Frauen oder Männern verboten sei.

Todesdrohungen gegen Miss Irak

Die regelmäßige moralische Empörung über Schönheitswettkämpfe ist einer der interessanten Aspekte der Veranstaltung. So sehr die einen sich daran ergötzen, körperliche Vorzüge von leicht bekleideten Frauen zu vergleichen, so sehr entsetzen sich andere über derartige Fleischschauen. Man erinnere sich nur an die Miss-World-Wahl vor vier Jahren in Nigeria, die jugendliche Muslime derart in Rage brachte, dass sie ein Massaker unter Landsleuten verübten.

Auch vor der nun anstehenden Schönheitswahl gab es wieder reichlich Aufregung unter Muslimen. So war die amtierende Miss Irak 2006 ursprünglich nur Fünfte des Schönheitswettbewerbs. Aber nachdem die vier vor ihr Platzierten Todesdrohungen erhalten hatten und sich verabschiedeten, nahm die Christin Silva Shahakian den Titel an. "Diese Chance erhält nicht jedes Mädchen", so die gekrönte Technikstudentin, sie sei glücklich, dass sie den Titel habe, und wolle ihn behalten, sie werde "aufpassen". Die von Extremisten als die "Königin der Ungläubigen" Beschimpfte hält sich seitdem versteckt - und fehlt in Kalifornien auf der Liste der Konkurrentinnen.

So hat der Wettbewerb zwischen Schönheiten aus aller Welt doch eine erstaunlich große politische Bedeutung erlangt. Gerade in Zeiten wie diesen ist es nicht selbstverständlich, dass eine Frau aus Israel und eine Frau aus Libanon auf einer Veranstaltung das gleiche im Sinn haben: einfach nur die Schönste der Schönen zu werden.

Tatsächlich werden sie im Falle eines Siegs erst einmal zu einer Charity-Botschafterin. Auf der Internetseite der übrigens von Multimillionär Donald Trump gesponserten Veranstaltung  kann man nachlesen und nachsehen, wie die Vorjahressiegerin sich auf der ganzen Welt gegen Aids eingesetzt hat. Natalie Ackermann, genannt Nati, hat jedoch noch größere Ambitionen: "Ich wollte immer die erste Miss Universum werden, die auch einen Oscar als beste Schauspielerin gewinnt."

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