Missbrauch auf Ameland Staatsanwaltschaft klagt vier Jugendliche an

Der Vorwurf lautet auf sexuelle Nötigung: Vier Jugendliche sind wegen der Missbrauchsfälle auf der niederländischen Insel Ameland angeklagt worden. Im Ferienheim hatten sie in einer großen Gruppe unter lautem Gejohle mehrere Opfer missbraucht.


Osnabrück - Nach den Missbrauchsfällen in einem Ferienlager auf der niederländischen Insel Ameland hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück Anklage gegen vier Jugendliche erhoben. Die Ermittler werfen ihnen sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung vor, wie Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer am Freitag sagte. Wann das Verfahren gegen die drei 15- und einen 16-Jährigen eröffnet wird, ist noch nicht bekannt. Die Verhandlung wird jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Die Taten ereigneten sich während eines Ferienlagers im Sommer 2010. In dem Camp des Stadtsportbunds Osnabrück sollen 17 Täter acht Opfer sexuell genötigt haben. Drei der Opfer seien später selbst zu Tätern geworden, sagte Retemeyer.

Die Misshandlungen seien stets tagsüber nach einem bestimmten Ritual abgelaufen, so Retemeyer. In dem Lager hätten sich Hierarchien gebildet. Eine Gruppe, die sich "Anal-Indianer von der Fist-Prärie" nannte, habe sich unter den schwächeren Jungen Opfer ausgesucht. Die seien dann von mehreren Tätern unter Gejohle festgehalten und ausgezogen worden. Die Jugendlichen klemmten ihren Opfer dann verschiedene Gegenstände zwischen die Pobacken.

Die Verhandlung soll vor der Großen Jugendkammer beim Landgericht Osnabrück stattfinden. Gegen sechs Jugendliche sind die Verfahren gegen Auflagen oder Ermahnungen eingestellt worden.

Ermittlungen gegen Betreuer laufen noch

Insgesamt schilderte der Oberstaatsanwalt die Ermittlungen in dem Fall als sehr schwierig. In den Vernehmungen hätten sich mehrfach Widersprüche ergeben. "Nur in vier Fällen konnte vernünftig ermittelt werden", sagte Retemeyer. Bei den Vernehmungen seien die Jugendlichen "zerknirscht" gewesen. Sie hätten nicht gewusst, welche psychischen Schäden sie bei den Opfern angerichtet hätten. Es täte ihnen leid, sagte er. Von den missbrauchten Jungen hat laut Staatsanwaltschaft keiner professionelle Hilfe in Anspruch genommen.

Die Täter seien nach seiner Ansicht deshalb auch keine "Schwerverbrecher" oder "Massenvergewaltiger", so Retemeyer. Es seien "ganz normale Jugendliche", die "in der Regel aus ganz normalen Familienverhältnissen stammen".

Gegen die Betreuer, die im Auftrag des Stadtsportbunds Osnabrück auf Ameland gewesen waren, wird in neun Fällen ermittelt. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen, sagte Retemeyer.

hut/dapd



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