Nach Bericht zu Missbrauchsfällen Kardinal Marx »erschüttert und beschämt«

Nach der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens bittet Münchens Kardinal um Entschuldigung. Auch seine Wahrnehmung der Kirche habe sich verändert. Die Vorwürfe gegen seine eigene Person kommentierte er zunächst nicht.
Kardinal Marx: »Mein erster Gedanke gilt heute den Betroffenen sexuellen Missbrauchs«

Kardinal Marx: »Mein erster Gedanke gilt heute den Betroffenen sexuellen Missbrauchs«

Foto: Lennart Preiss / dpa

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich betroffen über das Gutachten zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum München-Freising geäußert. Er sei »erschüttert und beschämt«, sagte der Kardinal bei einer Pressekonferenz. Er bitte im Namen der Erzdiözese um Entschuldigung.

»Mein erster Gedanke gilt heute den Betroffenen sexuellen Missbrauchs«, sagte Marx: »Die Missbrauchskrise bleibt eine tiefe Erschütterung für die Kirche.« Das Gutachten sei ein wichtiger Baustein zur Aufarbeitung. Er wolle es nun genau lesen und analysieren. Am kommenden Donnerstag sollten dann »Perspektiven« aufgezeigt werden.

Gespräche mit Betroffenen hätten bei ihm dazu geführt, seine Kirche heute in einem anderen Licht zu sehen: »Für mich haben die Begegnungen mit Betroffenen sexuellen Missbrauchs eine Wende bewirkt. Sie haben meine Wahrnehmung der Kirche verändert und verändern diese auch weiterhin«, sagte Marx.

Bitte um Entschuldigung

Seit Jahren sei bekannt, »dass sexueller Missbrauch in der Kirche nicht ernst genommen wurde, dass die Täter oft nicht in rechter Weise zur Rechenschaft gezogen wurden, dass es ein Wegsehen von Verantwortlichen gegeben hat«.

»Wie ich immer wieder gesagt habe, fühle ich mich als Erzbischof von München und Freising mitverantwortlich für die Institution Kirche in den letzten Jahrzehnten«, so Marx: »Als der amtierende Erzbischof bitte ich deshalb im Namen der Erzdiözese um Entschuldigung für das Leid, das Menschen im Raum der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten zugefügt wurde.«

Wenige Stunden zuvor war das Gutachten der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) veröffentlicht worden. Die Studie listet mindestens 497 Opfer auf. Dabei handele es sich überwiegend um männliche Kinder und Jugendliche im Zeitraum zwischen 1945 und 2019. Es sei von einer deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen. Mindestens 235 mutmaßliche Täter gab es laut der Studie – darunter 173 Priester und neun Diakone.

Vorwürfe gegen Marx

Zu den Vorwürfen gegen seine eigene Person äußerte sich Marx nicht. Er soll mindestens in zwei Verdachtsfällen fehlerhaft mit Missbrauchsfällen umgegangen sein. Es gehe dabei um Meldungen an die Glaubenskongregation in Rom. Marx selbst hatte nicht an der Vorstellung des Gutachtens teilgenommen. »Er hat sich entschieden, dieser Einladung nicht zu folgen«, sagte Anwältin Marion Westpfahl von der Kanzlei WSW. »Wir bedauern sein Fernbleiben außerordentlich.«

Marx hatte am 21. Mai in einem Brief seinen Amtsverzicht angeboten. Er wolle Mitverantwortung übernehmen für die »Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten«. Papst Franziskus hatte das Gesuch aber abgelehnt.

ptz/dpa
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