Studie zu Kloster Ettal Züchtigen, missbrauchen, wegschauen

Schläge mit dem Bambusstock, sexueller Missbrauch durch Ordensbrüder - im Kloster Ettal herrschte jahrzehntelang ein System der Unterdrückung. Züchtigungen seien als legitimes pädagogisches Mittel verstanden worden, heißt es in einer neuen Studie.

Kloster Ettal: Jahrelange Misshandlungen von Schülern
DPA

Kloster Ettal: Jahrelange Misshandlungen von Schülern


München - Der jahrzehntelange sexuelle Missbrauch und die Misshandlungen von Schülern im Benediktinerkloster Ettal wurde auch durch fehlende Pädagogik und totale Überforderung der Erzieher ermöglicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Institut für Praxisforschung und Projektbearbeitung (IPP) im Auftrag des Klosters erstellt hat. Die strenge Hierarchie des Klosters mit dem alleinverantwortlichen Abt an der Spitze habe ebenfalls zu einer Kultur des Wegschauens und des Verschweigens geführt.

Vor drei Jahren war bekannt geworden, dass Mönche in Ettal zahlreiche Schüler misshandelt und sexuell missbraucht hatten. Schüler hatten von Schlägen mit einem Bambusstock und anderen schmerzhaften Bestrafungen berichtet.

Die Erzieher hätten ihre Fürsorgepflicht auch bei Übergriffen unter Schülern grob vernachlässigt, heißt es nun. "Es fehlte eine reflektierte und professionelle Internatspädagogik, und es herrschte ein Normalitätsverständnis von Erziehung, das Körperstrafen als legitimes pädagogisches Mittel verstand." Die Pädagogik habe dazu gedient, "ein System der Unterdrückung aufzubauen und zu bewahren, mit dem der Wille der Schüler gebrochen werden und deren Anpassung an die vorgegebenen Regeln erreicht werden sollte", heißt es in der Studie.

Die Ettaler Mönche hätten die Schüler "durch Selektion und schmerzvolle Bestrafung der Leistungsschwachen" geformt. Züchtigungen seien "gezielt als pädagogisches Mittel eingesetzt" worden. Sexuelle Übergriffe seien "eine spezifische Variante der Gewalt" gewesen.

Den sexuellen Missbrauch im Klosterinternat führen die Verfasser auch auf das Fehlen einer reflektierten Einstellung der Patres zu deren eigener Sexualität zurück, die der "angstbestimmten Selbstkontrolle" der Mönche überlassen worden sei. "Dort, wo diese Kontrollen nicht funktionierten, bot das Internat genügend Möglichkeiten, sich an Schülern zu vergehen."

Abt Barnabas Bögle nannte die Studie "einen weiteren wichtigen Schritt in der Aufarbeitung eines dunklen Kapitels in der Geschichte unseres Internats und Klosters". Vertreter der Betroffenen bezeichneten die Studie bei der Präsentation am Donnerstag als "mutigen und konsequenten Weg der Aufarbeitung".

hut/dpa/AFP



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gog-magog 07.03.2013
1. Mir tun die Geschundenen leid.
Zitat von sysopDPASchläge mit dem Bambusstock, sexueller Missbrauch durch Ordensbrüder - im Kloster Ettal herrschte jahrzehntelang ein System der Unterdrückung. Züchtigungen seien als legitimes pädagogisches Mittel verstanden worden, heißt es in einer neuen Studie. http://www.spiegel.de/panorama/missbrauch-im-kloster-ettal-system-der-unterdrueckung-a-887535.html
So traurig das alles ist, endlich wurde mal für alle erkennbar wissenschaftlich belegt, dass diese dogmatisierten Glaubensbrüder besser nicht auf Kinder losgelassen werden. Man möchte sich kaum vorstellen, was alles in den dunklen Jahrzehnten und Jahrhunderten passiert ist, als diese Bande überhaupt noch keiner Kontrolle unterworfen war.
allereber 07.03.2013
2. Ganz schlimm
Einer dieser Lumpen wurde in Wolfsburg versteckt. Dazu noch drei Andere. Seit dem gab es dort Selbstmorde und einen Mord der die Kath.Gemeinde belastet.
seduro34 07.03.2013
3. optional
Die Studie hat also ergeben, das der sexuelle Mißbrauch durch die fehlende Pädagogik und totale Überforderung der "Erzieher" verursacht wurde. Nein was bin ich froh, das es nun endlich einen Schuldigen gibt. Und das auch noch wissenschaftlich abgesichert. Man hat es doch schon immer gewusst: die Kirche und deren Vertreter können nichts dafür. *Ironie off* Wer hat eigentlich die Studie bezahlt, die Kirche?
prosperosbluebeard 07.03.2013
4.
Zitat von sysopDPASchläge mit dem Bambusstock, sexueller Missbrauch durch Ordensbrüder - im Kloster Ettal herrschte jahrzehntelang ein System der Unterdrückung. Züchtigungen seien als legitimes pädagogisches Mittel verstanden worden, heißt es in einer neuen Studie. http://www.spiegel.de/panorama/missbrauch-im-kloster-ettal-system-der-unterdrueckung-a-887535.html
Der Originalbericht des IPP (http://www.ipp-muenchen.de/files/ipp_ettalbericht_2013.pdf) ist jetzt downloadbar, nicht aber die Vorgängerberichte vom RA und dem früheren Bundesverfassungsrichters Hans-Joachim Jentsch. Im Ettal-Internat verbrachten die Söhne deutscher Spitzenpolitiker, Adeliger und Industrieller über Jahrzehnte ihre Schulzeit, ebenso wie u.a. im Bonner Aloisiuskolleg, Schloss Salem oder der Odenwaldschule. Die Auswirkungen dieser psychischen, physischen und sexuellen Gewalt auf die Betroffenen sind nach 3 Jahren mittlerweile hoffentlich Allgemeingut. Wenn an den Eliteinternaten über Jahrzehnte hinweg solche Erziehungspraktiken nebst Missbrauch Usus waren – welche charakterliche Entwicklung hat diese (heutige) Elite dort erfahren und wie wirkt sie sich bis heute aus und manifestiert sich politisch und wirtschaftlich?
fellfrosh 07.03.2013
5. Typisch für fast alle Religionen
Sie basieren auf absoluten Machtanspruch und Unterdrückung. Selbst schuld wer an einen solchen Humbug glaubt. Wer Kinder in die Obhut solcher Institutionen übergibt sollte ebenfalls rechtlich belangt werden.
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