Missbrauchsprozess Hauptzeuge entlastet Jackson

Nächste Runde im Missbrauchsprozess gegen Michael Jackson: Im Kreuzverhör hat der Hauptbelastungszeuge jetzt eine frühere Äußerung gegenüber einem Lehrer bestätigt. Damals sagte er, auf der Ranch des Popstars sei nie etwas Schlimmes passiert.


Händchen halten vorm Gericht: Michael Jackson mit Vater Joe (l.), Mutter Katherine (r.) und Bruder Jackie (h.)
AP

Händchen halten vorm Gericht: Michael Jackson mit Vater Joe (l.), Mutter Katherine (r.) und Bruder Jackie (h.)

Santa Maria - Jacksons Anwalt Thomas Mesereau konfrontierte den inzwischen 15-Jährigen am Montag mit einer Mitschrift eines Gesprächs mit seinem Lehrer Jeffrey Alpert. Mesereau zitierte den Lehrer mit den Worten: "Sieh mich an, sieh mich an ... ich kann dir nicht helfen, wenn du mir nicht die Wahrheit sagst: Ist irgendwas davon geschehen?" Vom Zeugenstand räumte der Jugendliche dann ein, dass seine Antwort damals "Nein" gewesen sei. An anderer Stelle sagte er über seinen Kontakt zu Jackson: "Ich habe Dekan Alpert gesagt, dass er mir nie etwas getan hat." Und weiter: "Ich habe ihm das zweimal gesagt."

Laut Anklage hat der 46-jährige Popstar den damals 13-Jährigen auf der Neverland Ranch mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell belästigt. Auf Mesereaus Frage, wann das Gespräch mit Alpert stattgefunden habe, sagte der Zeuge der Anklage: "Ich glaube, nachdem ich von Neverland zurück war."

Das Protokoll des Gesprächs mit Alpert hat unter Anklage und Verteidigung eine Diskussion darüber ausgelöst, was genau der Junge Staatsanwalt Tom Sneddon über das Gespräch mit dem Lehrer gesagt hat. Der Fernsehsender ABC berichtete, beide Seiten hätten sich am Wochenende getroffen, um den Lehrer zu vernehmen. Dessen Anwalt Thomas Forsyth sagte, er erwarte, dass sein Mandant als Zeuge aufgerufen werde. ABC zufolge fand das Lehrer-Schüler-Gespräch im Frühjahr 2003 statt. Das wäre dann nach der Ausstrahlung der TV-Dokumentation gewesen, in der Jackson Händchen haltend mit dem Jungen gezeigt wurde. Auch wäre es vor der Anklage Jacksons wegen Kindesmissbrauchs gewesen.

Mesereau erinnerte den Jugendlichen in seinem Kreuzverhör ferner an eine andere Äußerung: Jackson habe ihm gesagt, Männer, die nicht masturbierten, könnten Frauen vergewaltigen. Dasselbe habe er laut Aussageprotokoll auch den Ermittlern gesagt, allerdings mit seiner Großmutter als Quelle. "Warum hat sich deine Geschichte seit diesem Verhör und der Aussage vergangenen Donnerstag verändert?" fragte Mesereau. Der Junge erwiderte, Jackson habe dies zuerst geäußert. Der Popstar und die Großmutter hätten ihm dasselbe gesagt, allerdings in einem anderen Zusammenhang. "Sie sagte mir, es sei OK, wenn man das macht", erklärte er. "Michael sagte, man muss es machen."

Jackson erschien in Begleitung seiner Eltern rechtzeitig zum Prozess. Am Donnerstag hatte der Richter mit seiner Verhaftung gedroht, weil der Popstar wegen Rückenschmerzen eine Stunde zu spät gekommen war.

Linda Deutsch, AP



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