Katholische Kirche Woelki gibt Fehler bei Aufarbeitung von Missbrauchsvergehen zu

Weil der Kölner Kardinal Woelki ein Missbrauchsgutachten zurückhält, befindet sich das Erzbistum in einer tiefen Krise. Nun entschuldigte er sich öffentlich. Er sei aber überzeugt, dass ein zweites Gutachten notwendig sei.
Kardinal Woelki entschuldigte sich für Fehler bei der Aufarbeitung von MIssbrauchsvergehen

Kardinal Woelki entschuldigte sich für Fehler bei der Aufarbeitung von MIssbrauchsvergehen

Foto: Marcel Kusch / dpa

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat Fehler bei der Aufarbeitung von Missbrauchsvergehen und in der Krisenkommunikation der vergangenen Wochen eingeräumt. »Da habe ich auch Schuld auf mich geladen. Das tut mir von Herzen leid«, sagte der Erzbischof in einer Videobotschaft. »Es ging und es geht mir um konsequente Aufarbeitung.«

Woelki hatte ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester in Auftrag gegeben. Das Gutachten ist seit Längerem fertig, doch Woelki hält es bisher unter Verschluss. Er führt dafür rechtliche Bedenken an. Stattdessen hat er ein neues Gutachten bestellt, das am 18. März veröffentlicht werden soll.

Der SPIEGEL berichtete am Freitag aus dem Gutachten. Demnach führt es mehr als 300 Verdachtsmeldungen, mehr als 300 Opfer und mehr als 200 Beschuldigte auf. Ein Anwalt hatte für das Gutachten 236 Aktenvorgänge und Zehntausende Seiten systematisch ausgewertet.

Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum

Woelkis Vorgehen, das neue Gutachten zu bestellen, löste eine schwere Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum aus. Die Nachfrage nach Kirchenaustritten ist in Köln derart in die Höhe geschnellt, dass das Amtsgericht die Zahl der Onlinetermine aufgestockt hat. Das Erzbistum sei von Rissen durchzogen, sagte der Erzbischof in der Videobotschaft. »Dabei weiß ich, dass viele Menschen in unserem Erzbistum und darüber hinaus mich persönlich dafür verantwortlich machen.«

In den vergangenen Wochen und Monaten hätten ihm Gläubige ihre Irritation deutlich gemacht. »Sie tun sich schwer, nachzuvollziehen, warum es eine zweite unabhängige Untersuchung braucht, um die systematischen Zusammenhänge jahrzehntelangen Missbrauchs in unserem Erzbistum aufzudecken und im Detail aufzuzeigen.«

Er sei jedoch überzeugt, dass dies erforderlich sei, weil er »eine bestimmte qualitative und quantitative Faktenlage« benötige. Die Kanzlei, die das erste Gutachten erstellt hat, weist alle Vorwürfe zurück. »Es war und ist meine Absicht, eine transparente, konsequente Aufklärung der Missbrauchsvergehen und ihrer systemischen Umstände in unserem Erzbistum zu erreichen – selbstverständlich auch im Blick auf meine eigene Person.«

hba/dpa