Missbrauchsverdacht Staatsanwalt richtet Jackson-Opfer-Hotline ein

Das Department des County Sheriffs von Santa Barbara hat eine Nummer eingerichtet, unter der mögliche Missbrauchsopfer des Pop-Sängers Michael Jackson anrufen können. Bislang hätten sich Tausende gemeldet - 100 Anrufe nehme man ernst.


Bezirks-Staatsanwalt Thomas Sneddon: Bitte um Anrufe
AP

Bezirks-Staatsanwalt Thomas Sneddon: Bitte um Anrufe

Hamburg - Der ermittelnde Bezirks-Staatsanwalt Thomas Sneddon hatte die Öffentlichkeit am vergangenen Mittwoch bei der Bekanntgabe des Missbrauchsverdachts gegen Jackson um Hinweise auf sexuelle Belästigungen weiterer Kinder gebeten.

Inzwischen gingen mehrere tausend Anrufe ein, von denen etwa hundert ernst zu nehmen seien, sagte ein Mitarbeiter des Departments gegenüber der Boulevard-Zeitung "New York Post".

Das Verhältnis zwischen dem Popstar und dem Staatsanwalt ist ein spezielles: Sneddon gelang es 1993 nicht, Jackson den Missbrauch des damals 13-jährigen Jordan Chandler zu beweisen. Zwar hatte der zunächst davon berichtet, von Jackson berührt und per Hand befriedigt worden zu sein - später aber seine Aussage zurückgezogen. Chandlers Familie einigte sich außergerichtlich mit Michael Jackson, angeblich zahlte der 15 Millionen Dollar für Jordans Schweigen.

Thomas Sneddon jedenfalls entging seinerzeit ein spektakulärer Fall, ein Verfahren gegen Jackson wurde nie eröffnet. Umso mehr scheinen die Ermittler jetzt bemüht zu sein, weitere Beweise gegen den Sänger zusammenzutragen.

Jackson-Foto auf der Polizei-Karte: Offene Rechnung begleichen
AP/ SBSD

Jackson-Foto auf der Polizei-Karte: Offene Rechnung begleichen

Unterdessen berichtet das Magazin "Newsweek", Beauftragte Jacksons hätten bereits im Frühjahr der Familie des Jungen, der ihn später vor Ermittlern der sexuellen Belästigung beschuldigte, Unterstützung bei der Übersiedlung in ein lateinamerikanisches Land angeboten. Für die Mutter und deren drei Kinder hätten Jacksons Leute sogar die Pässe besorgt. "Die haben versucht, sie zu verstecken", zitiert das Magazin am Dienstag in seiner neuen Ausgabe einen angeblichen Freund der Familie.

Der Versuch, die Frau und ihre Kinder außer Landes zu bringen, wurde laut "Newsweek" unternommen, nachdem der Junge im Februar durch einen britischen Dokumentarfilm bekannt geworden war. Darin sei er Hand in Hand mit Jackson erschienen und habe berichtet, dass er und auch sein Bruder in Jacksons Bett übernachtet hätten. Jackson und der Junge berichteten in dem Film, dass die Übernachtungen nichts mit Sex zu tun hätten.

Markus Brügge



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