DER SPIEGEL

Missernten in Deutschland »Hier würde auch Regen nichts mehr nutzen«

Die Ernten in Deutschland sind wegen der lang anhaltenden Trockenheit gefährdet. Bis zu 50 Prozent Ertrag könnte fehlen. Das hat weitreichende Folgen, sagen Landwirte.

Dieser Mais ist viel zu trocken.

Die Ernte in Deutschland ist durch eine anhaltende Dürre gefährdet. Landwirte fürchten Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent.

Manuel Schneider, Landwirt
»Letztes Jahr war der Mai sehr gut. Wir hatten großen Mais bis zu 4 Meter. Dieses Jahr durch die Trockenheit ist der Mais wesentlich kleiner, maximal 2,50 Meter hoch. Und wie man hier gut erkennen kann, am Maiskolben, ist das noch ein Kolben, der ganz gut ausgeprägt ist. Hier der Kolben ist wesentlich kleiner und auch die Kornreihen sind wesentlich geringer, sodass man erkennen kann, dass weniger Energie bei uns im Mais ist.«

Aber nicht nur die Maisernte ist gefährdet. Die Ernten sind bei vielen Pflanzen in Deutschland nicht mehr so üppig, wie noch vor kurzer Zeit: Weizen, Zuckerrüben und Kartoffeln – überall gibt es im Schnitt weniger Ertrag.

Erich Gussen, Landwirt
»Hier wächst natürlich nichts mehr. Und hier würde jetzt auch ein Regen, der jetzt kommt, auch nichts mehr nutzen. Und wenn man dann jetzt hier so ein Strauch mal nimmt und hier mal reinguckt, dann sieht man hier Kartoffeln, die eigentlich viel größer sein müssten, weil das ist nämlich eine Sorte. Da sind noch so ein paar kleine, wie man sieht. Und der Ansatz ist auch nicht so, das sind also alles keine großen Kartoffeln, das ist wirklich viel zu wenig und das Wachstum ist beendet. Man sieht hier die Kleinen, da kommt gar nix. Und das ist dann so die Ausbeute von einem Strauch und das ist natürlich viel zu wenig. Das ist so ein Jahr, es geht um wahrscheinlich 50 Prozent, 30, 50 Prozent Ernteverlust. Das ist dann von Standort zu Standort unterschiedlich, aber man sieht, das ist dann doch zu wenig jetzt.«

Seit Mai ist bei dem Landwirt kaum noch Regen gefallen, sagt er. Eigentlich würden viele seiner angebauten Pflanzen jetzt noch weiterwachsen – doch daraus wird wohl nichts.

Die befürchteten Missernten haben aber weitreichende Folgen, etwa beim Mais.

Manuel Schneider, Landwirt
»Wenn die Trockenheit in den nächsten Jahren so weitergeht und der Maisertrag so gering ist, werden wir weniger Futter pro Hektar haben und dadurch das Problem haben, nicht mehr alle Tiere ernähren zu können. Das kann dazu führen, dass unsere Tierbestände weiter sinken.«

Große Teile der Maisernte in Deutschland wird an Tiere verfüttert. Ein Teil wird auch in Biogasanlagen verarbeitet. Die Europäische Kommission schätzt den Ernteertrag von Mais in Europa für dieses Jahr auf 65 Millionen Tonnen. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei 72 Millionen Tonnen. Die Tierbestände dürften dann also sinken, weil schlicht das Futter fehlt.

Manuel Schneider, Landwirt
»In Zukunft wird es besonders wichtig sein, dass die Züchtung uns dabei hilft, Pflanzen zu entwickeln, die gegen diese Trockenheit resistent sind. Und dabei muss man auch überlegen, ob Gentechnik einer dieser Wege ist, dass wir solche Klimakrisen besser bestehen. Und von der Politik wäre es besonders wichtig, dass die Landwirte dabei unterstützt werden, dass neue Anbaumethoden besser gefördert werden, zum Beispiel mit weniger Bodenbearbeitung.«

Grund für die bevorstehenden Missernten ist die langanhaltende Trockenheit in Europa. Diese war bisher auch Grund für viele Waldbrände.

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